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Fahrbericht McLaren 650 Spider : Tut uns leid, Ferrari

McLaren 650 S Spider Bild: Hersteller

McLaren ist der Konkurrent für Ferrari und Lamborghini geworden. Auf Testfahrten wird man ständig gefragt: „Was ist das für ein Auto?“. Es ist ein McLaren 650 S Spider.

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          Der Tankwart verspricht eine Gratis-Tankfüllung, wenn er mal kurz eine Proberunde drehen darf, der Müllmann springt von seinem Stehplatz hinten am Wagen direkt vors Auto und macht Fotos mit seinem Handy, die jungen Männer in ihrem 3er-BMW verursachen fast einen Unfall, um gute Bilder zu schießen. Kurz: So viel Interesse an einem Auto war noch nie, da kommen weder Ferrari oder Lamborghini noch Bentley oder Rolls-Royce mit. Allenfalls der Bugatti Veyron.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und ständig wird man gefragt: „Was ist das für ein Auto?“ McLaren ist offenbar noch ziemlich unbekannt, Formel 1 hin oder her. Nun, seit 2011 ist das englische Unternehmen intensiver denn je mit dem Bau von Sportwagen beschäftigt, maximal 4000 Einheiten im Jahr will man am Stammsitz in Woking im Südwesten Londons bauen. Nachdem mit kryptischen Typenbezeichnungen angefangen worden war (MP 4 12-C), nennt man jetzt gleich Ross und Reiter und greift schlicht auf die PS-Zahl zurück. McLaren 650 S. Punkt. Und dann noch Spider, wenn sich das Dach wegklappen lässt. Das (neue) Basismodell ist der 570. Bald kommt auch noch ein 540.

          Ständig wird man gefragt: „Was ist das für ein Auto?“ Bilderstrecke

          Bei den hohen Preisen von „Basis“ zu sprechen ist verwegen, McLaren sind richtig teuer. Formel-1-Technik und die Mengen an verbautem Karbon wollen schließlich bezahlt sein. Eine viertel Million kostet der 650 S Spider. Nicht mehr (doch, 5000 Euro), nicht weniger. Immer mehr Menschen auf der Welt können und wollen sich das offenbar leisten, die Verkaufszahlen der Renner aus Woking beweisen das. Mehr als 1600 Einheiten waren es im vergangenen Jahr.

          Am Produkt Hochleistungs-Sportwagen gibt es nur wenig auszusetzen. Die Front mag etwas beliebig sein, aber das Heck betört, und die beiden Schmetterlingstüren sind natürlich eine Schau. Sie machen das Ein- und Aussteigen aber nicht leicht, und auf dem Parkplatz muss man aufpassen, dass man nicht zu nah an den Nebenmann fährt, sonst geht die Tür nicht hoch.

          Der Innenraum passt wie ein Maßanzug, das unten abgeflachte Lenkrad liegt vorbildlich gut in der Hand. Knöpfe oder Schalter sucht man hier vergebens, schließlich gilt es, sich aufs Fahren (und die Schaltpaddel) zu konzentrieren. Die Instrumente werden von einem großen, analogen Drehzahlmesser dominiert, rechts und links davon gibt es digitale Informationen über Kilometerstand, Tankvolumen, Betriebstemperatur und Ähnliches. Die Geschwindigkeit wird gleichfalls digital rechts unten im Drehzahlmesser angezeigt. 292 war das höchste, was wir erlebten, mehr ließ der Verkehr nicht zu. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 329 km/h angegeben.

          Die Kräfte, die der 3,8-Liter-V8-Motor entfalten kann, sind tatsächlich atemraubend. Dabei ist es beinahe egal, in welchem Geschwindigkeitsbereich man aufs Gas tritt. Ein automatisiertes Siebengang-Schaltgetriebe von Rennsport-Spezialist Graziani bringt die Kraft auf die Hinterräder. Wer selbst schalten will, kann dies mit den Paddeln tun, wir fuhren gern im Automatik-Modus. Einen gewöhnlichen Wahlhebel gibt es nicht, nur drei Knöpfe: D, R und N. Und über einen Drehschalter in der Mittelkonsole kann das Getriebe auf „Normal“, „Sport“ oder „Track“ gestellt werden - und auf manuell. Dazu gibt es noch einen Winter-Knopf.

          Auch fürs Fahrwerk steht ein Schalter für Normal, Sport und Track zur Verfügung. „Fahren Sie nicht in Track“, hatte uns der freundliche Obermechaniker noch zugerufen, als wir den Wagen in der Frankfurter Klassikstadt für eine zu kurze Woche übernahmen. Dort sitzt einer der fünf McLaren-Händler in Deutschland.

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