https://www.faz.net/-gya-7awt5

Maserati Quattroporte GTS : Gib dem Chauffeur einfach frei

Bild: Maserati

Maserati hat aus dem Quattroporte einen Sportwagen in Überlänge gemacht. Der verführt mit italienischem Temperament und strapaziert mit italienischer Nachlässigkeit. Und ach, dieser Motor, Mamma mia.

          „Hast du den Maserati Quattroporte schon mal gesehen? Ich rede gar nicht von der Technik oder der Verarbeitung, das können unsere Entwickler sicher alles besser. Ich rede von der Aussage, wie das Auto dasteht, das Statement. Das ist doch beeindruckend“, spricht der Mann, der in der oberen Führungsetage eines deutschen Premiumherstellers tätig ist und aus verständlichen Gründen hier nicht namentlich aufgeführt werden möchte.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Aussage ist schon eine Weile her, aber an dem selbstbewussten Auftritt der italienischen Sport-Limousine hat sich seither nichts geändert, außer dass er mit der seit März in Deutschland erhältlichen jüngsten Generation noch selbst- und statusbewusster geworden ist. 50 Jahre Tradition, ein Name, der schlicht auf vier Türen hinweist, ein alle Gänsehäute aktivierender 3,8-Liter-V8 mit 530 PS (390 kW) und (im Overboost) gewaltigen 710 Newtonmeter Drehmoment, das ist der Quattroporte. Seit kurzem steht auch ein Dreiliter-V6 mit 410 PS (301 kW) und 550 Nm zur Wahl, der wie der V8 turbogeladen ist, bei Ferrari gefertigt und auf Wunsch mit Allradantrieb geliefert wird.

          Der Maserati Quadroporte GTS: Ein Statement und kräftig im Auftritt Bilderstrecke

          Nicht kleckern, sondern klotzen lautet die Devise. Die Führungsmannschaft wird nicht müde zu berichten, sie werde alsbald die Absatzzahlen in Regionen führen, von denen heute niemand zu träumen wage. Die Rede ist freilich noch immer von überschaubaren Mengen: 6200 Autos hat Maserati im vergangenen Jahr verkauft. Seither ist jener frische Quattroporte auf den Markt gekommen. In diesen Tagen stößt der kleinere Ghibli hinzu, der sich in die Kategorie des 5er-BMW einreiht und erstmals auch einen Diesel heranführt (F.A.Z. vom 25. Juni). Dazu kommt noch das ein oder andere Cabriolet, und so ergeben sich bis zum heutigen Tag 12 000 Bestellungen, die dem Vernehmen nach zu ersten Espresso-Partys geführt haben. Rund 60 Prozent gehen auf das Konto des Quattroporte. 50 000 Maserati im Jahr lautet die Vorgabe, man muss sich eben Ziele setzen, auch wenn sie ein wenig optimistisch klingen.

          Mitreißendes Aussehen, wenn man nicht hinterher fährt

          Der Quattroporte ist eine Chauffeurlimousine für Selbstfahrer, die besondere Faszination ausübt. Er sieht mitreißend aus, allerdings nur von vorn und der Seite, hinten wirkt er wie ein Mietwagen in Rimini. Der Motor klingt unfassbar, seine Mischung aus Grollen und Bollern und Kreischen und Donnern sollte sogar Vorsitzende von Fahrradclubs begeistern. Einen Soundcheck kann genießen, wer auf der Homepage den Konfigurator ansteuert, das Original ist freilich besser. Der Klang eines Quattroporte V8 ist nur zu übertreffen von einem Quattroporte V8 mit alarmierter Sporttaste. Der neue Direkteinspritzer wird von zwei parallelen Turboladern beatmet, die das systembedingte Leistungsloch unmerklich machen. Trotz 1,9 Tonnen Leergewicht geht es mit Vehemenz aus allen Lebenslagen voran.

          Die Maschine entfesselt jede Menge Drehmoment, die Pirellis walzen den Asphalt in Wellen, die Tachonadel strebt der Ziffer 300 entgegen, irgendwie beruhigend, dass die Meister des schwarzen Gummis Erfahrung in der Formel 1 haben. Genauso souverän lässt sich entspannt dahinrollen. Aufgaben des Schaltens übernimmt ein fein arbeitender Achtgang-Automat von ZF, dessen Wählhebel der Bedienung des Touchscreens und der Klimaanlage im Weg ist. Das Einlegen des Rückwärtsgangs gelingt so gut wie nie im ersten Versuch, weil die Raste unsauber rastet. Vorwärtsgänge lassen sich auch mit Paddeln am Lenkrad einwerfen, die das Format von Windsurfing-Segeln haben. Damit die Dinger Platz haben, rückt der Hebel für Blinker und Scheibenwischer (in einem, nicht ideal) weit nach vorn, so dass man die Finger zum Anzeigen der Fahrtrichtung strecken oder vom Lenkrad nehmen muss.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.

          Kindesmissbrauch : Kardinal Pell bleibt hinter Gittern

          Der ehemalige Finanzchef des Vatikans hat in den neunziger Jahren zwei Chorknaben in Melbourne missbraucht. Die Vorsitzende Richterin spricht von einem Prozess, der ihr Land gespalten habe

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.