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Fahrbericht Jaguar XE 2.0d : Die Katze hat das Mausen gelernt

Bild: Jaguar

Jaguar war schon immer etwas Besonderes. Aber auch Jaguar muss Geld verdienen. Und aus seiner Nische herauskommen, um in der Zukunft zu bestehen. Schafft das die neue Limousine Jaguar XE?

          Jaguar war schon immer eine Marke mit besonderer Ausstrahlung. Im positiven Sinne, was Design, Tradition und Herkunft betrifft, negativ besetzt, wenn es um technische Qualität, Raumausnutzung und vor allem Dauerhaltbarkeit geht. Fast alle diese Vorurteile gilt es über Bord zu werfen. Spätestens mit der Übernahme durch den indischen Tata-Konzern sind die Briten im Heute angekommen. Weil sie endlich machen dürfen, was sie wollen und können, und nicht mehr von Ford bevormundet werden, bauen sie plötzlich so faszinierende Autos wie den Sportwagen F-Type, der nach gut 50 Jahren endlich die legitime Nachfolge des verehrten E-Type antritt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Um aber die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können, muss Jaguar Geld verdienen und raus aus der Nische. Dafür werden Produkte benötigt, die eher in Richtung Mainstream zielen und die Massen - welch böses Wort - ansprechen. Das klappt offenbar schon mit dem brandneuen SUV F-Pace, für das schon 10 000 Vorbestellungen registriert sind. Hier hilft aber der allgemeine Hype um das SUV gehörig mit.

          Nur noch das X gemein

          Im Segment der Limousinen, ein klassisches Arbeitsfeld für Jaguar, zu bestehen ist da schon schwieriger. Aber noch nie waren die Limousinen aus den Midlands so nah dran an den deutschen Vorbildern wie jetzt. Das gilt vor allem für den kleinen XE. Er hat mit dem X-Type (gebaut von 2001 bis 2009), der im Grunde ein Ford Mondeo war, nur noch das X gemein und fährt sich so frisch wie Tau am Morgen.

          Wir waren mehr als 3000 Kilometer mit dem XE 2.0d unterwegs und erlebten Jaguar-Fahren in einer neuen Dimension: perfekte Lenkung, sicheres, unkompliziertes Fahrverhalten trotz oder wegen des Hinterradantriebs, eine komfortable Federung mit einem Schuss von Sportlichkeit (man wird die Straße schon noch spüren dürfen), starke Bremsen. Und der Motor erst. Obwohl das komplett neu von Jaguar selbst entwickelte Dieselaggregat „nur“ 180 PS hat, fühlt es sich nach deutlich mehr an. Das mag auch am hohen Drehmoment von 430 Newtonmeter bei nur 1750 Umdrehungen in der Minute liegen. Und an der feinen Achtgang-Automatik (von ZF), die sich nahtlos ins gute Gesamtbild einfügt und stets die richtige Übersetzung parat hat. In acht Sekunden kann von 0 auf 100 km/h gespurtet werden, die Höchstgeschwindigkeit gibt Jaguar mit 228 km/h an.

          Weil Winterreifen montiert waren, fuhren wir nie schneller als Tacho 220 km/h, und auch in diesen Tempobereichen lag der XE sicher und stoisch auf der Straße. Kein Vergleich mehr mit dem seligen XJS-Coupé, da waren bei solchen Geschwindigkeiten feuchte Hände garantiert (F.A.Z. vom 30. Dezember 1991). Das waren andere Zeiten. Diesel gab es noch lange nicht im Programm, der 4,0-Liter-Reihensechser benötigte im Schnitt 14,7 Liter Super unverbleit. Ja, der Vergleich mit dem 1,7 Tonnen schweren 2+2-Coupé hinkt ein wenig, aber er zeigt doch, wie sich die Marke gewandelt hat in den 25 Jahren.

          Die Preise für Adbue schwanken stark

          6,6 Liter Diesel im Schnitt auf 100 Kilometer sind für ein gar nicht so kleines Auto (4,62 Meter lang) ein guter Wert. Und der niedrigste Verbrauch von 6,0 Liter auf einer sehr langen Autobahnetappe mit maximal 140 km/h wäre noch niedriger ausgefallen, wenn nicht so oft Stau geherrscht hätte. Der Motor erzeugt eine angenehme Geräuschkulisse, erfüllt dank der Einspritzung von Adblue in den Verbrennungsvorgang die Schadstoffnorm Euro 6. Genaugenommen müssen diese Kosten noch zum Verbrauch addiert werden. Der Tank hierfür sitzt hinten links im Kofferraum und ist auch von dort aus zu befüllen. Weil er 16 Liter fasst, ergibt sich eine Reichweite von rund 25.000 Kilometer. Ein Liter reicht ungefähr für 1500 Kilometer.

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