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Fahrbericht: Land Rover : Aus den Gummistiefeln in die Sneaker

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der Land Rover Discovery Sport fährt in eine neue Zeit, die eine elegantere ist. Auf seine Reise nimmt er gern die Großfamilie mit. Und jetzt bekommt er sogar einen gescheiten Motor.

          Jetzt hat Land Rover ein wenig Glück gehabt, und der diese Zeilen lesende Interessent auch. Wäre dieser Fahrbericht früher erschienen, stünde als Fazit: attraktives Auto, mauer Motor. So aber fällt die Gesamtbeurteilung deutlich positiver aus, denn die Briten haben von Oktober an ein neues Triebwerk im Angebot, das den grummeligen, unruhigen, im Stand zu lauten und oben herum unwilligen Vorgänger vergessen machen sollte. Die frischen Motoren, die auf den Namen Ingenium hören, finden langsam Einzug in die Marken des Hauses, angefangen von den neuesten Jaguar und nun eben auch im schrägen Evoque und im Discovery Sport. Da das Modelljahr 2015 ausverkauft ist, bekommt, wer jetzt bestellt, nicht nur acht Monate Lieferzeit ausgewiesen, sondern auch den neuen Antrieb. Warum Land Rover den in der Erbfolge des Freelander stehenden Discovery Sport zunächst seit Jahresbeginn mit antiquiertem Material unter der Haube losgeschickt hat, erklärt sich etwas mühsam aus Modellzyklen, die man womöglich geschickter hätte abstimmen können. So müssen die Erstkunden - Land Rover vermeldet beachtliche 15 000 Bestellungen - mit Alteisen leben, was sich beim späteren Verkauf auf dem Gebrauchtwagenmarkt als Hindernis erweisen dürfte. Aber derlei hat schon fast Methode. Der fulminante Range Rover fährt in der SUV-Luxusklasse mit einer Radio-Navigationseinheit von gestern.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wer den Blick nach vorn richten möchte, greift zum 2,0-Liter-Vollaluminium-Diesel, der sich mit 150 PS oder 180 PS in die strengste Schadstoffklasse Euro 6 einsortiert. Gegen Ende des Jahres wird zudem eine weitere Variante ins Programm genommen, die noch sparsamer sein soll und allein mit Frontantrieb fährt. Wir würden freilich zum Allradantrieb greifen, aus Gründen der Sicherheit und wegen der vermaledeiten letzten Meter zur Skihütte. Daneben offeriert Land Rover einen Benziner mit 240 PS, der unverändert im Programm bleibt und hierzulande kaum Attraktivität entfalten dürfte. Fürs Protokoll: Mit dem nun gen Seniorenstift rollenden 2,2-Liter-150-PS-Diesel genehmigte sich der Testwagen zwischen 7,8 und 9,6 Liter, im Durchschnitt waren es 8,9 Liter. Das geht besser, obgleich hier 1,8 Tonnen bewegt werden wollen. Für welche Antriebskombination die Entscheidung fällt, mag auch damit zusammenhängen, welche Anhängelast gewünscht wird, sie variiert je nach Motor und Getriebe.

          Beachtlicher Alltagsnutzen

          Mit den neuen Triebwerken verbindet sich auch die Hoffnung auf eine feinere Angliederung der Automatik, die zwar modern und von dem Qualitätshersteller ZF ist, in der Sortierung ihrer neun Stufen aber nicht immer die richtige Entscheidung trifft. Das Getriebe ruckt bisweilen auf den letzten Metern zum Stand und genehmigt sich etwa beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven eine Gedenksekunde, bis die Maschine auf Touren kommt. Das kann, möchte man in eine Lücke spurten, unangenehm werden. Grundsätzlich fährt der Wagen im zweiten Gang an, er nutzt also im Normalbetrieb nicht alle Stufen.

          Einmal in Schwung, spielt der Discovery Sport all sein Stärken aus und lässt den Freelander rasch vergessen. Die im Lastenheft notierte dynamische Qualität auf Asphalt macht ihn zum Street Rover mit abrufbarer Fachkenntnis über Stock und Stein. Der Alltagsnutzen ist beachtlich, denn die sukzessive ihrem genetischen Schlamm entfahrenden Briten konzentrieren sich erfolgreich auf Dinge, die heute an Bedeutung gewinnen. Die haben weniger mit Sport - der Name ist eine Farce - denn mit Komfort und Talenten des Transports zu tun. Und mit Chic. Der Testwagen war Silber, was eigentlich eine aussterbende Farbe zu sein scheint, sie steht dem attraktiv gezeichneten Land Rover aber bemerkenswert gut. Er trägt sein Dach gerade, aber nicht steif, legt an Raum und Länge zu und bringt auf 4,59 Metern (VW Tiguan 4,43 Meter) sieben Personen unter. Sagen wir besser: fünf plus zwei. Ganz hinten ist es arg eng, aber im Gegensatz zu vielerlei Konkurrenz ist die Option an Bord. In Reihe zwei lebt es sich luftig, die Bank ist verschiebbar, die Oberschenkelauflage indes eher knapp, und die hinteren Seitenfenster widersetzen sich dem Wunsch nach vollständiger Versenkung.

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