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Fahrbericht Mercedes-Benz GLA : Nur nicht zu viel A sagen

„Sitzkühlung an“

Heute geschieht vieles auf Zuruf: „Head-up-Display aus“, „Spiele HR3“, „Sitzkühlung an“; es ist immer wieder erstaunlich, was mit der Sprachsteuerung alles möglich ist. Navigationsziele eingeben sowieso. Fast immer klappt die Kommunikation. Weniger gefällt uns die Virtuelle Realität. Zwar ist es prinzipiell beeindruckend, dass, wer sich navigieren lässt, über die Frontkameras zum Beispiel beim Abbiegen das Straßenbild vor sich angezeigt bekommt, samt Hinweisen, wo es langgeht. Wir finden aber, das lenkt viel zu sehr ab.

Ablenkung bringt auch die Ausstattungsliste eines Mercedes, wenn einem Kauf näher gerückt werden soll. Sie ist ellenlang, und vieles, was im Testwagen beeindruckt hat, die starke Sitzkühlung etwa, kostet Aufpreis. So wird aus einem Basispreis von 45.159 Euro ein happiger Endpreis von 68.800 Euro. Eigentlich unglaublich, aber wahr. Schon seit 30 Jahren schimpfen wir über die Aufpreispolitik. Der Kunde aber lässt es ganz offensichtlich mit sich machen.

Bevor er sich mit den Extras beschäftigt, muss er freilich wissen, welches konkrete Modell er will. Sechs verschiedene gibt es, mit und ohne Allradantrieb, alle sind Vierzylinder, ein Plug-in-Hybrid ist im Gegensatz zum GLB auch dabei. Der Testwagen war ein 220 d 4Matic mit 2-Liter-Motor, einer Leistung von 190 PS und einem strammen Maximal-Drehmoment von 400 Newtonmetern bei nur 1600 Umdrehungen in der Minute. Damit sind die 1,7 Tonnen GLA gut bedient, die Höchstgeschwindigkeit beträgt knapp 220 km/h, bei Tacho 200 brummelt der Turbodiesel mit moderaten 3000/min vor sich hin. Die Kraft wird von einem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder übertragen, im Offroad-Modus lässt sich eine feste 50/50-Kraftverteilung festlegen.

Im Allgemeinen merkt man von der 4matic nichts, ohnehin ist es eine der großen Stärken des GLA, die an ihn gestellten Anforderungen einfach ohne viel Aufhebens zu erledigen. Das Getriebe schaltet kaum merklich, nur in der Stellung Sport ist das etwas anders, auch werden dann die Gänge höher ausgedreht. Wir sind fast immer im Modus Comfort unterwegs gewesen. Die Federung arbeitet meist ausgewogen, manchmal ist sie nach unserem Geschmack etwas zu hart. Ein Lob verdient der Umgang mit Kraftstoff. Nur 7,1 Liter Diesel auf 100 ergaben sich nach mehr als 2100 absolvierten Kilometern. Und geschont wurde der Wagen kaum. Nur einmal, während der Sparfahrt: 200 Kilometer auf flacher Autobahn mit Tacho 120. Dann braucht er nur 4,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer, 0,2 Liter weniger als der Normverbrauch.

Der neue GLA ist ein gutes Auto mit einem Motorenangebot für alle Bedürfnisse, schließlich gibt es noch zwei AMG-Versionen mit 306 oder gar 422 PS. Aber es ist das alte Lied: Man darf nicht zu viel A sagen, sonst galoppiert der ohnehin schon hohe Einstandspreis davon. Wenigstens erspart die reduzierte Mehrwertsteuer anderthalb Tausender.

Unser Fazit

STARK: Die Verarbeitung, das Angebot an Assistenten, die Sprachsteuerung, der sparsame und kraftvolle Motor, ausreichend Platz für vier bis fünf Personen.

SCHWACH: Schon die Basis ist teuer, und viele Extras verführen zum Kauf. Der Federungskomfort könnte besser sein.

X-MAL A: Die Einsteiger- Klasse von Mercedes fächert sich so weit auf wie keine andere. Selbst der B ist eigentlich ein A.

Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 45.159 Euro

Preis des Testwagens 68.800 Euro

Vierzylinder-Turbo-Dieselmotor, Hubraum 1950 Kubikzentimeter, Direkteinspritzung, Leistung 190 PS (140 kW) bei 3800/min, maximales Drehmoment 4000 Nm bei 1600/min

Doppelkupplungsgetriebe, acht Gänge

Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,41/1,83/1,61 Meter, Radstand 2,73, Wendekreis 11,30 Meter

Leergewicht 1670, zulässiges Gesamtgewicht 2190 Kilogramm, Anhängelast 2000 Kilogramm, Kofferraumvolumen 425 bis 1420 Liter

Reifengröße 235/50 R 19

Höchstgeschwindigkeit 220 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden

Verbrauch 4,9 bis 7,5 Liter, im Durchschnitt 7,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer, 133 g/km CO2 bei einem Normverbrauch von 5,1 Liter nach NEFZ, Tankinhalt 51 Liter

Komfort & Sicherheit MBUX-Kommunikationssystem, LED-Scheinwerfer, Internetzugang, Head-up-Display, adaptiver Tempomat, Spurwechsel-Assistent, Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichenanzeige, DAB-Radio, Rückfahrkamera mit Rundumsicht, Navigation, Audioanlage mit DAB

Die Anderen

Audi Q3 40 TDI Ein Hauch größer, 190 PS, 43.378 Euro

BMW X1 xDrive 20d Gewohnt sportlich, 190 PS, 43.329 Euro

Range Rover Evoque D200 AWD Britischer Beau, 204 PS, 46.532 Euro

 

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