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Kawasaki ZZR 1400 : Die Tachonadel im Nirwana

ZZR wie Zorro: Das stärkste aller Serienmotorräder kommt von Kawasaki Bild:

Die Kawasaki ZZR 1400 gibt es hierzulande ausschließlich mit 190 PS. Das klingt erschreckend. Das stärkste Serienmotorrad der Welt ist moralisch angreifbar. Doch es widersetzt sich im Fahrtest hartnäckig allen Versuchen, nicht gemocht zu werden.

          4 Min.

          Die Kawasaki ZZR 1400 gibt es hierzulande ausschließlich mit ABS. Das klingt nach Vernunft und Fürsorge. Ja, bei der giftgrünen Marke wird an die Sicherheit der Kunden gedacht. Andererseits ist es so, daß es die Kawasaki ZZR 1400 auch hierzulande ausschließlich mit 190 PS Nennleistung gibt. 190 PS! Das klingt erschreckend.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Es ist erschreckend. Es gibt Gründe, sich diesem Fahrzeug mit Skepsis zu nähern. Die zentrale Frage dabei lautet: Mußte das wirklich sein?

          Man kann argumentieren, daß niemand gezwungen ist, diese ungeheure Kraft tatsächlich einzusetzen. Und daß es schon andere Maschinen mit kaum weniger Dampf gibt. Doch das stärkste Serienmotorrad der Welt, seit dieser Saison auf dem Markt, setzt ein Zeichen, und es gibt Zweifel, ob es das richtige Zeichen ist. 190 PS (140 kW) bei 9500 Kurbelwellenumdrehungen in der Minute; unter Berücksichtigung des Staudruckeffekts, der für eine zusätzliche Beatmung des Vierzylinders über einen Luftschacht zwischen den Scheinwerfern (Ram air) sorgt, errechnet Kawasaki sogar 200 PS. Das reicht theoretisch für eine Höchstgeschwindigkeit von weit mehr als 300 km/h. In der Praxis wird bei 298 abgeregelt. Es kann gut sein, daß andere Hersteller das Vorpreschen Kawasakis nicht einfach so hinnehmen werden. Von einer neuen, nochmals erstarkten Version der Suzuki Hayabusa ist schon die Rede. Vielleicht ist es Zeit für eine Abrüstungskonferenz.

          Aussehen: Nicht gerade sympatisch

          Die Kawa ist moralisch angreifbar. Ihr Aussehen macht sie für Außenstehende auch nicht gerade sympathisch. Mit solch einem Gesicht erschreckt man junge Mütter und ältere Passanten, ein unverwechselbares Flutlicht-Arsenal dominiert die Front. Das ganze Design sprüht nicht gerade vor Leichtigkeit und Finesse, es zeugt mehr von der Ernsthaftigkeit der Aerodynamiker als von der Kreativität der Ästheten. Allein die strömungsoptimierte Formgebung der Rückspiegel sieht nach mancher japanischen Überstunde in dieser Hinsicht aus. Niedrig und gestreckt steht die ZZR da, mit dem weit nach vorn gezogenen Bug sieht sie aus, als versuche sie ständig, das eigene Vorderrad zu überholen. Und die Fahrbahn vor sich zu räumen. Die Versuchung ist groß, diesem Ding wegen Sittenwidrigkeit die Daseinsberechtigung abzusprechen.

          An dieser Stelle aber nimmt der Artikel eine Wendung, die wir zunächst selbst nicht für möglich gehalten hätten: Das Motorrad widersetzt sich nämlich hartnäckig allen Versuchen, nicht gemocht zu werden. Auf den ersten Kilometern: Stau in der Stadt, vollkommene Verstopfung. Die ZZR gleitet hindurch mit einer Beweglichkeit, die man ihr nie und nimmer zugetraut hätte. Mit sattem Vierzylinderklang, aber ohne Gebrüll ist man unterwegs, überraschend entspannt ohne Gefahr des Abwürgens, ohne Schweiß auf der Stirn. Mit ruckfreier Fahrt ab Standgas, einem präzisen, geräuschlosen Getriebe, wie man es sich wünscht (nur der erste Gang rastet oft mit einem fürchterlichen Schlag ein). Erstaunlich klein der Wendekreis, und die rund fünf Zentner Kampfmasse fallen gar nicht so auf dank einer gelungenen Gewichtsverteilung. Respekt.

          Motor: bewundernswert abgestimmt

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