https://www.faz.net/-gya-nzul

Fahrtbericht : Zu spät? Ja. Aber sonst gerade recht

  • -Aktualisiert am

Der Touran ist funktionell ein Alleskönner Bild: AP

VW bleibt auch mit dem Touran seinem Programm treu. Der neue Minivan besticht im Wettbewerb durch den üblichen Qualitätsvorsprung und macht so Langeweile im Design mehr als wett.

          Mit Naserümpfen begleiteten die Meinungsbildner in der Welt des Automobils den Start des Touran, der als kleiner Bruder des Sharan das Minivan-Angebot von Volkswagen komplettiert. Zu spät, befanden sie, zu wenig ideenreich, zu langweilig im Design. Zu spät: Das stimmt und beweist wieder einmal, daß man in Wolfsburg dazu neigt, wichtige modellpolitische Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben - wenn es sich nicht gerade um den ersehnten Einstieg in die Oberklasse handelt. Daß der Markt der kleinen Minivans Boompotential hat, wußte man schließlich schon bald nach der Geburt des Renault Scénic vor fast sieben Jahren.

          Doch die anderen Vorwürfe treffen den neuen Volkswagen kaum. Einfallsloses Styling? Das ist nun wirklich Geschmackssache. Ist der Opel Zafira, der Hauptkonkurrent des VW, vielleicht aufregender? Und ist nicht dessen Erfolgsstory längst aktenkundig? Funktionell ist der Touran jedenfalls ein As, weil er auf Verspieltheiten nach Art seiner französischen Wettbewerber verzichtet. Das werden die Leute rasch merken und sich wohl kaum über sein Design alterieren. Und daß er nicht super-innovativ ist, wird man ihm gern verzeihen, weil er die voll versenkbare dritte Sitzbank des Zafira zwar kopiert, sie dem Käufer aber nicht aufnötigt. Wer sie nicht braucht, muß sie nicht bezahlen, und wer sie braucht, kriegt sie für einen fairen Preis von 595 Euro.

          Man sieht: Wir kreiden es dem Touran nicht an, daß seine Väter eine so lange Leitung haben. Er hat durchaus das Zeug dazu, in einem weitgehend vergebenen Markt noch einen achtbaren Platz zu finden. Auf knapp 4,40 Meter Länge hat VW eine Menge Nutzraum untergebracht. Vorn sitzt man fürstlich. Auf den drei Einzelsitzen in der Mitte gibt es ebenfalls viel Raum, doch hier stören sich Langbeinige nicht nur an der unnötig geringen Tiefe der Sitzfläche, sondern auch an ihrem knappen Abstand vom Boden, die Oberschenkel finden keine Unterstützung.

          VW Touran: Mit flexiblem Innenraum

          Vorteile zum genießen

          Die mit einem Handgriff entfaltbaren beiden Einzelsitze der dritten Reihe schließlich sollte man auf Langstrecke nur Kindern zuweisen; Erwachsene hocken hier mit angezogenen Knien und dürfen auch den Kopf nicht sehr hoch tragen. Weggeklappt stören die zusätzlichen Sitzgelegenheiten dafür überhaupt nicht, sie fügen sich völlig plan in den Kofferraumboden ein. Allerdings verhindern sie das Mitführen eines Reserverads (Füllmittel und Kompressor sind der zweifelhafte Ersatz) und reduzieren, wenn sie aufgestellt sind, das Gepäckvolumen auf 121 Liter. Wie der Zafira ist also der Touran ein Siebensitzer nur für Ausflugsfahrten, kaum für den Urlaub. Auf fünf Plätze zurückgebaut, bietet er üppige 695 Liter Laderaum, die sich in vielen kleinen Schritten auf bis zu 1.913 Liter vermehren lassen: Denn jeden der drei Sessel der zweiten Reihe kann man längsverschieben (um 15 Zentimeter), zusammenfalten oder - mit akzeptablem Intelligenz- und Kraftaufwand - ganz ausbauen. Genügen vier Sitze, kann man die beiden hinteren jeweils weiter zur Mitte hin einklinken.

          Die Besatzung, ob einer, ob sieben, genießt den grundsätzlichen Vorteil der Minivans, nämlich die erhabene Sitzposition und den unbehinderten Blick auf die Welt ringsum, der vor allem dem Fahrer sein Geschäft erleichtert - wenn da nicht die langgestreckten vorderen Dachsäulen wären, die sich trotz einem zusätzlichen Alibi-Fensterchen als sichtgefährdend erweisen. Das Armaturenbrett ist schmucklos-nüchtern, aber absolut funktionsgerecht, die Bedienung in keinem Punkt rätselhaft. Gewöhnen muß man sich an die starke Spreizung der Tachometer-Skala bis 100 km/h und nachts daran, daß die Blaue Periode der Instrumenten-Illumination bei VW immer noch nicht beendet ist. Und ärgerlich ist an den Drehstellern für die stets aufpreispflichtige Klimaautomatik (Climatronic) die bei Sonnenschein zu schwache Statusbeleuchtung.

          Sparsam im Verbrauch, großzügig im Gebrauch

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.