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Fahrtbericht : Wenn es nur ums Fahren geht, ist dieser 5er kaum zu schlagen

Überwältigendes Drehmoment: Die Kraft der Bayern treibt voran Bild:

Der 5er als Motorenwunder mit kleinen Schwächen- denn wo Urgewalt mit Fahrkomfort, Revolution und höchsten Leistungsansprüchen kombiniert wird, scheinen kleine Fehler nicht weit.

          Darf es ein Diesel sein? ist heutzutage selbst bei BMW die falsche Frage. Es muß einer sein, mehr als die Hälfte der 5er- und 7er-Kunden ordern einen Selbstzünder. Recht haben sie, denn wer den 530d gefahren hat, will keinen anderen Motor unter der Haube. Zwar sind 160 kW (218 PS) auf den ersten Blick keine außerordentlich überragende Leistung, doch schon die Drehmomentangabe "500/2000" läßt ahnen, daß es hier nicht um langatmiges Beschleunigen geht, sondern um kraftvolles Zupacken vom ersten zarten Streicheln des Gaspedals an. Der Dreiliter-Sechszylinder-Motor reißt den schweren Wagen mir nichts, dir nichts nach vorn, bei vollem Abruf der Leistung ist in weniger als acht Sekunden die 100er-Markierung auf dem Tacho erreicht, und erst bei 243 km/h findet der Vortrieb sein Ende. Das alles wäre noch nicht so sensationell, würde wie gewöhnlich an der Tankstelle der Obolus für diese hohe Leistung gezahlt. Rund 15 Liter würde, grob geschätzt, ein ähnlich drehmomentstarker Ottomotor bei gleicher Leistungsanforderung benötigen, wahrscheinlich sogar noch mehr.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und der 530d? Nur acht Liter auf 100 Kilometer waren es, nachdem wir auf freier Autobahn zu einem Termin 590 Kilometer in viereinhalb Stunden gefahren waren, inklusive zwei kleiner Pausen. Auf insgesamt knapp 2800 zurückgelegten Kilometern ergab sich ein Gesamtschnitt von 8,7 Liter, angesichts der gebotenen Leistung ein nahezu unglaublicher Wert. Wohlgemerkt: Wir haben die Leistung immer abgerufen und sind nicht über die Autobahn geschlichen, zudem war der Diesel mit einem Automatikgetriebe kombiniert (2000 Euro Aufpreis), was den Verbrauch eher erhöht als senkt.

          Kräftiger Motor und ärgerliche Kleinigkeiten

          Daß die Automatik wie das Schaltgetriebe gleich sechs Übersetzungsstufen zuläßt, trägt entscheidend zum Sparen bei, wo sonst fährt man schneller als 200 km/h bei weniger als 3000 Umdrehungen in der Minute? Bei 100 km/h auf der Landstraße säuselt der Motor gar nur bei 1.600/min dahin. Die Automatik ist auf ähnlich technisch hohem Niveau wie der Motor, sie schaltet butterweich und kaum merkbar in allen Lebenslagen, im Sportprogramm werden die Gänge höher ausgedreht und die Schaltvorgänge etwas deutlicher spürbar. Wer will, kann manuell "schalten", doch das ist eigentlich nie nötig. Wenn man etwas am Motor kritisieren kann, ist es seine Lautstärke. Vor allem nach einem Kaltstart läuft er zunächst hörbar rauh, doch das gibt sich schnell. Später ist er akustisch präsenter als ein Ottomotor, doch das sonore Brummen bleibt immer im Hintergrund, es ist niemals störend.

          Noch einmal: Der Motor ist eine wahre Wucht, was man vom Rest den Wagens nur bedingt behaupten kann. In den Design-Streit um den 5er möchten wir uns jetzt gar nicht einmischen, es gefällt uns auch nicht, doch das muß jeder für sich selbst entscheiden. Ärgerlich sind aber funktionelle Nachteile: So fallen Wassertropfen auf die Sitze, wenn man die Türen öffnet (vorn und hinten) und der Wagen naß ist, weil es zuvor geregnet hatte. Und beim Schließen des Kofferraumdeckels holt man sich schnell schmutzige Finger. Gewiß, das sind Kleinigkeiten, aber bei einem 40.000-Euro-Auto darf man Höchstleistungen erwarten, erst recht, wenn es von BMW kommt.

          Platz für die Passagiere, Revolution für den Fahrer

          Nicht beklagen kann man sich über das Platzangebot. Denn der neue 5er ist gewachsen. Das bringt mehr Raum für die Passagiere, auf der Rückbank läßt es sich gut aushalten, selbst wenn die vorderen Sitze nach hinten geschoben sind. Der Mittelplatz ist jedoch allenfalls auf Kurzstrecken zumutbar, man hat den Kardantunnel zwischen den Füßen, und die zurückgeklappte Armlehne drückt hart ins Kreuz. Der Kofferraum faßt jetzt 520 Liter (im Vorgänger 460), das hat Format. Wer durchladen will, muß jedoch 460 Euro Aufpreis bezahlen (inklusive Skisack). Die Lehne ist dann asymmetrisch geteilt, die nutzbare Länge beträgt fast zwei Meter. Umklappen kann man sie nur vom Kofferraum aus.

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