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Fahrtbericht : Warum mußten wir sechs Jahre auf dieses Auto warten?

Ford StreetKa Bild: Hersteller

Mit dem Streetka ist Ford ein fast perfekter Roadster gelungen - die wenigen Schwächen des Autos liegen ohnehin in der Natur eines jeden Roadsters und sind verschwindend gering im Vergleich zu den Stärken.

          5 Min.

          Manche Menschen machen spät Karriere, manche Autos auch, der Ford Ka zum Beispiel. Seit Ende 1996 ist der kleine Rundling auf Basis des Ford Fiesta auf dem Markt, und er ist kein Mißerfolg. Mit seiner Form gefällt er der Kleinwagen-Klientel: Mehr als eine Million Einheiten ist inzwischen gebaut worden. Doch ein faszinierendes Auto war der Zweitürer nie. Er ist ein Alltagsauto, sympathisch zwar, aber eben Massenware.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jetzt, mehr als sechs Jahre nach dem Marktstart des Ka, gibt es eine fabelhafte zweisitzige Roadster-Variante, die eigentlich nur eine Frage aufwirft: Warum erst jetzt? Besser spät als nie, kann man entgegnen. Kabrio-Spaß ist bei Ford jetzt schon für 16.990 Euro möglich. Dafür bekommt man ein schniekes Wägelchen, das den geschlossenen Ford Ka im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen läßt. Der Streetka ist der erste Ford, den wir sofort jeder vergangenen Jugendliebe empfehlen würden. Das einzige, was an den geschlossenen Bruder erinnert, ist das altbacken wirkende Plastik-Armaturenbrett, das allerdings mit einigen silberfarbenen Applikationen aufgepeppt wurde. Darüber, daß die Türen nicht völlig verkleidet sind, sondern nacktes, lackiertes Blech zeigen, wollen wir großzügig hinwegsehen.

          Handgearbeiteter Spaß

          Zu viel Spaß macht der kleine Flitzer, den Ford von Ghia entwerfen ließ und der bei Pininfarina in Italien in Handarbeit gebaut wird. Technisch gesehen, ist der Streetka kein Umbau des Ka, sondern ein neues Fahrzeug. Die Karosseriestruktur und das Verdeck entwickelte Pininfarina, Ford kümmerte sich um Chassis, Antriebsstrang, die Elektrik und natürlich den Motor.

          Ford Streetka - ein Spaß-Cabrio für rund 20.000 Euro

          Damit die Entscheidung für den Streetka noch leichter fällt, wird nur eine einzige Maschine angeboten, ein 1,6-Liter-Zweiventiler mit 70 kW (95 PS), der mit dem nur 1.100 Kilogramm schweren Baby-Ford leichtes Spiel hat. Zwar sind die gemessenen Beschleunigungswerte nur Durchschnitt, sie fühlen sich aber flotter an, da das Triebwerk munter auf den Gasbefehl reagiert und die knackige Schaltung mit extrem kurzen Wegen (sehr schön ist der Alu-Schaltknauf) diesen Eindruck noch verstärkt. Dazu ist der kurze Italo-Kölner eines der Autos, mit dem es sich wunderbar knuffig um die Ecken sausen läßt, die Servolenkung ist sehr direkt und vermittelt ein vorzügliches Gefühl für die Straße. Das Fahrverhalten des Fronttrieblers ist neutral bis zur Selbstverleugnung, gierig folgt er der Lenkradvorgabe, nur wenn es gar nicht mehr geht, schiebt der Streetka über die Vorderräder zum Kurvenrand. Bei allem Lob: Für ein weiteres Quentchen Sicherheit würde ein ESP sorgen, doch das wird nicht angeboten. Gegen die Angst vor dem Überschlag hat Ford dem Streetka zwei dicke Überrollbügel hinter die Kopfstützen gesetzt. Die Bremsen (ABS ist obligatorisch) haben leichtes Spiel, auch bei vollem Einsatz bleibt der Streetka sicher in der Spur. Es ist sogar ein beachtliches Maß an Federungskomfort vorhanden. Kurz und knapp: Mit dem Streetka macht Autofahren Spaß.

          Auch geschlossen mitten im Fahrgeschehen

          Wir hatten allerdings ein Exemplar erwischt, das besonders gut im Futter stand. Der Motor ist sehr drehfreudig und harmoniert bestens mit dem Getriebe, die Anschlüsse passen, schon im 4. Gang dreht die Maschine flugs in den roten Bereich (ab 6.000/min), ehe bei 6.300/min abgeregelt wird. Statt der angegebenen 173 km/h lief der Wagen glatt 180 km/h. Im 5. Gang rotiert die Kurbelwelle dann 6.100 Mal in der Minute, der Geräuschpegel (geschlossen) ist spätestens jetzt ziemlich unerträglich hoch, um das Verdeck rauscht es mächtig, zudem klapperte bei unserem Fahrzeug die Rückseite des Verdecks, dort, wo sie auf der Karosserie aufliegt.

          Aber selbst geschlossen macht das Fahren im kleinen Ford Freude, weil er so ein unmittelbares Fahrerlebnis bietet. Allerdings ist die Sicht nach schräg hinten wie bei jedem Kabriolett sehr eingeschränkt, die Kopffreiheit ist mit 96 Zentimeter noch gut ausreichend. Die kleine Rückscheibe ist aus Plastik, sie zeigte bei unserem noch jungen Wagen (knapp 5.000 Kilometer alt) schon leichte Gebrauchsspuren.

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