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Fahrtbericht VW Touran TDI 2.0 Highline : Der kleine Luxus für die Familie

Aufpreisliste wie einst bei Mercedes-Benz: Der VW Touran Bild: Hersteller

Viele gute Gründe sprechen für den Marktführer bei den Minivans. Der VW Touran TDI 2.0 Highline besticht durch Komfort und ausgefeilte Technik. Die Aufpreisliste macht ihn aber nicht gerade zu einem „Volks-Wagen“.

          Der VW Touran ist der Platzhirsch unter den Minivans. Zwar überließ Volkswagen zunächst großzügig dem Renault Scénic und dem Opel Zafira bis 2003 kampflos das Feld, doch dann war endlich Wolfsburgs Beitrag zur kompakten Mobilität der Familien auf die Räder gestellt. Auf Anhieb wurde der neue Marktführer in seiner Klasse, und er ist es bis heute. Inzwischen gehört der Touran sogar zu den zehn meistverkauften Autos in Deutschland. Um den Erfolg zu festigen, gab es zum neuen Modelljahr ein Facelift, das dem Kompakt-Van außerordentlich gut bekommen ist. Die Front- und die Heckleuchten sind jetzt konturierter geschnitten, der Touran tritt nicht mehr so langweilig auf wie bisher.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zu den neuen technischen Qualitäten gehört das Vorhandensein eines Doppelkupplungsgetriebes (DSG), dafür wird keine klassische Automatik mehr angeboten. DSG gibt es außer für die Basisversionen für 1718,32 Euro Aufpreis. Bei DSG wird zwar noch gekuppelt (sogar doppelt), doch statt des Fahrers übernimmt die Elektronik diese Aufgabe. Wir haben das neue DSG-System in Kombination mit dem stärksten Turbodieselmotor gefahren, der aus 2,0 Liter Hubraum 125 kW (170 PS) holt und ein bäriges Drehmoment von 350 Newtonmeter liefert.

          DSG als teurer Komfortgewinn

          Um es gleich zu sagen: Motor und Getriebe haben fast voll und ganz überzeugt. DSG lässt sich fahren und bedienen wie eine herkömmliche Automatik, nur beim Rangieren in Parklücken stellt es den Kraftschluss mitunter etwas ruckhaft her. Sonst aber könnte man meinen, man fahre tatsächlich eine Automatik, die Übergänge zwischen den sechs Gängen sind sanft und kaum spürbar - solange man nicht stark beschleunigt oder im Sportprogramm fährt. Dann werden die Gänge schlicht höher ausgedreht, die Übergänge sind nicht mehr so weich. Welchen Gang die Elektronik ausgesucht hat, wird in einem Display im Armaturenbrett angezeigt. Eine manuelle Gangwahl ist möglich, bei Kickdown wird jedoch automatisch zurückgeschaltet und beim Erreichen des Drehzahllimits (bei 4500 Umdrehungen in der Minute) hinauf. Soll im Lenkrad geschaltet werden können, kostet dies Aufpreis.

          Kraft ist genügend vorhanden: 170 PS und ein bäriges Drehmoment

          Selbst die Hand ans Getriebe legen muss man (Passstraßen lassen wir jetzt außer Acht) allenfalls auf hügeliger Landstraße oder wenn man einen sportlichen Fahrstil pflegen will. In diesen Situationen findet DSG (wie viele Automatiken) von sich aus nicht immer den Gang, den der Pilot eigentlich möchte. Alles in allem ist DSG durchaus ein Komfortgewinn, zumal es den Spritverbrauch nicht erhöht. Der hohe Aufpreis dürfte aber viele Kunden vom Kauf abhalten.

          Wandeln in den Spuren des Golf

          Im Übrigen ist das Getriebe recht kurz abgestuft, der 3. Gang reicht nur bis 100 km/h, wer aber das DSG walten lässt, rollt dann schon längst in Stufe 6 und mit nur 1900/min dahin. Selbst bei Tacho 140 liegen im großen Gang nur 2600/min an. Das drehzahlschonende Fahren verspricht niedrige Verbrauchswerte, und die werden tatsächlich geboten. Ein Schnitt von 8,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer bei kalter Witterung und vielen schnellen Autobahnkilometern kann sich mehr als sehen lassen. Im Regionalverkehr kann der Touran mit rund 7,5 Liter auf 100 Kilometer bewegt werden, und selbst wenn der Motor gefordert wird, sind es keine neun Liter, die auf 100 Kilometer benötigt werden.

          Positiv erwähnt werden muss zudem der leise Lauf des Triebwerks, das zu keiner Zeit lästig wird. Kraft ist ebenfalls genügend vorhanden. In 9,0 Sekunden ist der Standardsprint erledigt, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 210 km/h. Das ist für jeden Familienwagen mehr als ausreichend. Auch am übrigen Fahr- und Federungsverhalten gibt es kein Jota auszusetzen, hier wandelt der Touran in den Spuren des Golf, der Fronttriebler untersteuert im Grenzbereich äußerst berechenbar, er lässt sich somit selbst ohne ESP (ein Abschalten ist möglich) kinderleicht beherrschen. Die Bremsen und die Lenkung sind ebenfalls nicht zu tadeln, der Federungskomfort ist für die Klasse vorbildlich.

          Innenraum deutlich wertvoller

          Das Facelift hat natürlich nichts an den hinlänglich bekannten Qualitäten des Touran geändert. Zudem ist er qualitativ hochwertig verarbeitet, kennt kaum funktionale Schwächen und bietet auf 4,41 Meter Grundlänge eine optimale Raumausnutzung - im Vergleich mit dem Golf hat er einen um 10 Zentimeter längeren Radstand bei 20 Zentimeter mehr Außenlänge. Fünf Einzelsitze warten auf Passagiere, die drei hinteren lassen sich einzeln umklappen, senkrecht stellen oder auch herausnehmen (Vorsicht: schwer), auch die Lehne des Beifahrersitzes lässt sich umklappen (bei Highline).

          Das Kofferraumvolumen beträgt unglaubliche 695 Liter, solange man auf zwei weitere Sitze verzichtet. Die sind für 677 Euro Aufpreis erhältlich. Werden sie nicht gebraucht, verschwinden sie durch einfaches Vorklappen der Lehnen, allerdings müssen dafür die Kopfstützen demontiert werden. Dass der Touran nach Herausnahme der Einzelsitze in der Mitte mit knapp 2000 Liter Ladevolumen dem etwas größeren Opel Zafira um knapp 200 Liter überlegen ist, liegt daran, dass dieser in der Mitte eine Bank hat, die sich nur verschieben und zusammenfalten, aber nicht herausnehmen lässt. Selbst der Zafira-Freund muss anerkennen, dass der Touran im Innenraum deutlich wertvoller wirkt. Aber der VW ist etwas teurer, und die dritte Sitzreihe kostet Extra-Geld.

          Kurzweil auf der Rückbank

          In der Highline-Version, der besten von drei Möglichkeiten, wirft der VW-Kompakt-Van eine sehr umfangreiche Ausstattung in die Waagschale, zu der unter anderem ein Parkpilot, elektrische Fensterheber hinten, die Gepäckraumabdeckung, Sportsitze vorne sowie eine Klimaautomatik gehören. Im Vergleich mit der Grundausstattung beträgt der Aufpreis jedoch üppige 4700 Euro. Papa und Mama in der ersten Reihe freuen sich über elf Ablagemöglichkeiten, drei davon im Dachhimmel. Dazu gibt es Schubladen unter den Sitzen, ein Fach in der Mittelkonsole, ein geräumiges Handschuhfach - und wahrscheinlich haben wir noch etwas vergessen.

          Die Kinder in der zweiten Reihe haben Tischchen an den Rückseiten der Vordersitze, und sie werden die Eltern drängen, auf DSG zu verzichten und stattdessen das „Rear Seat Entertainment Volkswagen Individual“ zu bestellen. Das kostet 1436,21 Euro. Der DVD-Player kommt in die Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen, ein einzelner Monitor im Dachhimmel hinten schafft Kurzweil. Längere Fahrten verlieren ihren Schrecken, keiner quengelt und nölt „Wann sind wir endlich da?“, sondern die Kids schauen gebannt auf „Cars“ - zu empfehlen ist auch „Ab durch die Hecke“ - und lauschen dem Ton mittels Kopfhörer. Fast ist es so, als seien sie nicht an Bord.

          So teuer wie die S-Klasse vor zehn Jahren

          Zu den wenigen Schwächen, die sich der Touran leistet, gehört die schlechte Übersichtlichkeit nach vorne, und das Heck verschmutzt schnell und sehr stark. Beim Schließen der Heckklappe holt man sich dann dreckige Finger. Zudem notierten wir leichte Windgeräusche am Fahrerfenster. Erschrecken muss man zudem über die hohen Preise, die Volkswagen für seinen Familien-Luxusliner haben will. Zwar ist der Basispreis von 20.989 Euro für das Modell mit dem 75-kW-1,6-Liter-Motor eher niedrig, doch als Highline und mit dem starken Diesel kostet dieses Auto mit DSG mehr als 32.600 Euro.

          Außerdem bietet VW mittlerweile eine Aufpreisliste wie einst Mercedes-Benz. Da heißt es hart bleiben bei den Verkaufsverhandlungen, um nicht den Verlockungen des Verkäufers zu erliegen. Zu haben sind unter anderem Standheizung, Ledersitze, Navigation, Xenonlicht und vieles mehr. Unser Auto hatte letztlich einen Listenpreis von 42.188,64 Euro. Das waren mal gut 82.500 Mark, und - man kann es nicht oft genug sagen - vor zehn Jahren war das Basismodell der S-Klasse von Mercedes-Benz kaum teurer.

          Die Preisentwicklung beim Automobil erstaunt immer wieder aufs Neue, die „Volks-Wagen“ können heute wahre Luxus-Gefährte sei. Nicht jeder kann 42.200 Euro für einen Touran erübrigen. Da tröstet es, dass es für weniger als die Hälfte schon das Basismodell gibt.

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