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Fahrtbericht VW Touareg Hybrid : Wozu nur all der große Aufwand?

Der Touareg Hybrid bleibt ein vollwertiger Allradler Bild: Hersteller

Das große VW-SUV ist jetzt auch mit Hybridmotor zu haben. Alles funktioniert tadellos, aber Wolfsburg lässt sich die schöne Technik sehr teuer bezahlen. Und wirklich sparsam ist der VW Touareg Hybrid nicht.

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          Nun also auch VW: In ein großes SUV gehört heutzutage offenbar eine Hybridlösung. Es gilt, Kompetenz zu zeigen, die anderen können das schließlich auch, und im so wichtigen amerikanischen Markt sind die sanften Riesen gefragt, denn sparsame Diesel stehen dort immer noch auf verlorenem Posten. Und hierzulande soll es ebenfalls Menschen geben, die ihre Vorurteile gegenüber dem Selbstzünder noch nicht über Bord geworfen haben.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nähern wir uns also dem großen VW. Wolfsburg kombiniert einen 34-kW-Elektromotor, der allein schon ein Drehmoment von 300 Newtonmeter hat, mit einem Dreiliter-V6-Benziner, der auch im Audi S4 arbeitet. Gemeinsam leisten sie 279 kW (380 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 580 Nm. Für sich genommen bietet der technisch leicht auf den neuen Einsatzzweck hin optimierte V6 245 kW (333 PS) und 440 Nm. Kombiniert wird das alles mit einer Achtgang-Automatik, beide Achsen werden mechanisch angetrieben, der Touareg Hybrid bleibt also ein vollwertiger Allradler.

          Die famose Papierform kann der dicke VW aufs Beste bestätigen: Wer nicht aufs Sparen aus ist, kann hervorragende Fahrleistungen abrufen: In nur sieben Sekunden gelingt der Spurt von null auf 100 km/h, und der Vortrieb des 4,80 Meter langen Trumms endet erst, wenn die Tachonadel auf 240 km/h geklettert ist. Dabei geben sich der Motor oder besser das System stets unauffällig, alles spielt sich irgendwie im Hintergrund ab.

          Die Maschine ist sehr leise, selbst bei hohem Tempo, und die Automatik ist ein wahres Gedicht Bilderstrecke
          Die Maschine ist sehr leise, selbst bei hohem Tempo, und die Automatik ist ein wahres Gedicht :

          Die Automatik ist ein wahres Gedicht

          Die Maschine ist sehr leise, selbst bei hohem Tempo, und die Automatik ist ein wahres Gedicht. Sie schaltet sehr sanft, die Gangwechsel sind kaum spürbar. Nur wer kräftig beschleunigt, spürt sie deutlich. Natürlich ist der VW ein Voll-Hybrid. Das heißt, er kann rein elektrisch fahren, theoretisch bei voller Batterie bis zu zwei Kilometer weit, was wir nicht bestätigen können. Meistens fährt der Touareg rein elektrisch an. Wer extrem behutsam Gas gibt, kommt bis 50 km/h nur mit Strom, spätestens dann schaltet sich der V6 zu. Er meldet sich in der Regel ab, wenn man bei Rot vor der Ampel steht oder bei hohem Tempo auf der Autobahn das Gas völlig wegnimmt. Das Wiederanlaufen geschieht in beiden Fällen völlig problemlos, das System wirkt sehr ausgereift. Mittels eines Schalters in der Mittelkonsole kann man dem Touareg befehlen, elektrisch zu fahren (bis 50 km/h), wir konnten aber keinen Unterschied zum herkömmlichen Betrieb erkennen. Auf dem großen Display des Navigationssystems (2060 Euro Aufpreis) kann man sich wunderbar über die Kraftflüsse im Inneren des Touareg informieren, das ist großes Kino.

          Doch was letztlich an der Zapfsäule dabei herauskommt, ist eher enttäuschend. Insgesamt kamen wir nach knapp 1800 Kilometer auf einen Schnitt von 12,3 Liter auf 100 Kilometer. In der Stadt, die eigentlich eine Domäne für einen Hybriden sein sollte (wegen des elektrischen Anfahrens), waren es 11,5 Liter. Eine Sparfahrt mit nicht mehr als 120 km/h auf der Autobahn erbrachte einen Schnitt von 10,0 Liter und damit den Bestwert. Wer dem Motor-System ordentlich die Sporen gibt, kommt auf 13 Liter und mehr. Zum Vergleich: Der Toyota Lexus RX 450h, der zugegeben etwas schmächtiger und bei einer Systemleistung von 220 kW (299 PS) weniger potent ist, kam in der Stadt auf sensationelle 6,9 Liter und einen Gesamtschnitt von 9,7, bei einer Spitze von 13,8 Liter (F.A.Z. vom 27. Oktober 2009). Selbst für den so sparsamen Lexus gilt: Ein Dieselmotor ist die (noch) bessere Option, wenn es um niedrigen Verbrauch geht.

          Leiser Lauf und der Charme einer wegweisenden Zukunfts-Technik

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