https://www.faz.net/-gya-x7pr

Fahrtbericht VW Tiguan : Der Nachzügler ist auf der Überholspur

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

VW ist Trends gegenüber misstrauisch. Deshalb fährt der Tiguan mit der Gnade der späten Geburt auf und bringt beste Talente mit. Es funktioniert: der SUV wird gleich zum Überflieger, die Kunden betteln um Zuteilung. Der Diesel enttäuscht aber.

          4 Min.

          Wenn das Methode hat, ist es ziemlich raffiniert: VW kommt gern spät, aber dann gewaltig. Beim Eintritt in Nischen mit neuen Modellen gibt sich der europäische Autoriese mit der Rolle des Zweit- oder Drittplazierten zufrieden. Aber nur zunächst.

          Wenn VW dann mit seinem tollen Typen anrückt, vermeidet man die Fehler der Konkurrenz, kennt das Kalkül der Kunden und rückt ganz schnell vor zur Schlossallee. Das hat VW wohl auch mit dem neuen Tiguan geschafft. Die Fabriken kommen mit der Produktion gar nicht nach, und die Kunden betteln um Zuteilung. Das hat gute Gründe, die nicht nur in der Gnade der späten Geburt liegen.

          Geringe Kosten am Hals und dennoch jede Menge Spaß

          Der Tiguan heißt so, weil es eine Art von Plebiszit für seinen Namen gab, und man sieht daran, was herauskommt, wenn man viele fragt. Es gibt ihn mit einer schönen Wahl aus dem motorischen VW-Menü, Benziner und Diesel, in drei Ausstattungs- und Antriebsvarianten, zu Preisen von 26.700 bis 32.475 Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Dann gibt es noch Sonderausstattungen, die von uns gefahrene Variante Sport & Style weist einen Grundpreis von 30.700 Euro auf, mit einigen Annehmlichkeiten kam sie auf rund 34.000 Euro. Das erscheint erträglich, vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass man einen VW fährt, der wie ein Golf geht und dabei die Vorteile seiner Bauart bietet.

          Dazu gehört in erster Linie, dass der Tiguan eine Zwischengröße ist. Mit seinen Abmessungen liegt er im Schnittpunkt der Ansprüche seiner Kundschaft: nicht zu groß und nicht zu unübersichtlich für die Stadt und nicht zu mickrig für die Reise und für den Auftritt vor den Nachbarn. Gleichzeitig geht vom Tiguan eine wohltuende Form der Bescheidenheit aus, der man aber anmerkt, dass ihr Fundament nicht die Knauserigkeit beim Zaster, sondern die Kenntnis der Zusammenhänge ist: wenig verbrauchen, geringe Kosten am Hals und dennoch jede Menge Spaß am Treiben mit dem Tiguan haben.

          Das Abenteuer ist nicht seine Heimat

          Natürlich muss man ihm die Verwandtschaft mit dem Touareg ansehen. Aber dieser ist deutlich größer, wuchtiger und voluminöser, aber auch irgendwie weltläufiger. Der Touareg ist der Globetrotter, der Tiguan trottet gern zum Kindergarten.

          Natürlich kann er mehr, aber seine Heimat ist nicht wirklich das Abenteuer, und seine Passagiere sind die Menschen des Durchschnitts wie wir und nicht die Models und Barden dieser Welt.

          Nur starke Arme stemmen die Motorhaube

          Aber der Tiguan führt seine eigene Persönlichkeit ins Feld: Die Karosserie ist übersichtlich, er parkt sich leicht (gegen Aufpreis auch selbst) ein, er gibt sich handlich in der Stadt und heimelig auf der langen Strecke. Alle Sitze sind ohne Verrenkungen zu erreichen, die Türöffnungen sind genügend weit, Rückbank und Vordersitze gut dimensioniert, überall ist ausreichend Raum für Knie, Hüften, Schultern und Scheitel.

          Der Fahrerplatz folgt den nüchtern-präzisen VW-Vorgaben aus Routine und Sorgfalt, alles ist in Reichweite angerichtet. Es gibt viele Ablagen, und fast überall wird wertvoll wirkender Kunststoff verwendet. Mit einigen Ausnahmen allerdings, denn manche Verkleidungen wie an den Türschwellern hat man offensichtlich aus ganz billigem Plastik gefertigt, das hat keine Nachteile, aber es streichelt nicht gerade die Seele des Fahrers.

          Wenig liebevoll geht VW mit dem Maschinenraum um: Die Motorhaube ist von zartem Arm kaum zu stemmen, und dann ist ein mageres Metallträgerchen mit dem Nippel durch die Lasche zu führen. Da gibt es Besseres zum Aufstellen und -halten der Motorhaube. Das Aggregat ist nicht wirklich appetitlich aufbereitet, es lebt zwischen hässlichem Isolierkunststoff und unvollkommen ummantelten Kabeln.

          Der Stauraum ist kleiner als erwartet

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erschreckende Bilder, die der Klimawandel mit sich bringt: Im Dezember 2019 bricht in Bairnsdale in Australien ein Feuer aus.

          Schäden durch den Klimawandel : Mörderische Hitze

          Flut in Deutschland, Hitze und Waldbrände in Südeuropa: Überall auf der Welt kommt die Erderwärmung die Menschen teuer zu stehen – und manche bezahlen mit ihrem Leben.
          „Bayern“ für Deutschland. Als dieses Bild 2015 entstand, kehrte die Fregatte von einem Einsatz vor Somalia zurück

          Deutschland entsendet Fregatte : Flagge zeigen im südchinesischen Meer

          Mit einem ganzen Flottenverband kann die Deutsche Marine schon mangels Masse im Fernen Osten nicht aufwarten. Aber die Fregatte Bayern soll China wenigstens demonstrieren, dass Berlin an der Freiheit der Meere interessiert ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.