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Fahrtbericht VW Phaeton V6 TDI 3.0 : Auf dem Weg zum gefragten Klassiker

Ein Auto mit Format: VW Phaeton Bild:

Der Phaeton ist eine Luxuslimousine aus dem Hause Volkswagen, die alles hat, nur kein Image. Doch nicht nur beim Fahren erkennt man sein gelungenes Konzept.

          4 Min.

          Soll man VW belächeln, bemitleiden oder bewundern? Jedem, der sich auch nur ansatzweise mit dem Automobil beschäftigt, war klar, daß eine Luxus-Limousine aus dem Hause Volkswagen zum Scheitern verurteilt ist. Ein Volkswagen kann eben kein Luxuswagen sein, so einfach ist das. In Wolfsburg hat man sich aber nicht beirren lassen, geplant, entwickelt, eine wunderbare Fabrik in Dresden gebaut und den Phaeton (über den Namen erregen wir uns schon nicht mehr) schließlich auf den Markt gebracht.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Formidable Motoren treiben ihn an, ein Zwölfzylinder fehlt nicht, der V10-Diesel ist ein wahrer Dampfhammer, es gibt Allradantrieb, Luftfederung, Versionen mit langem Radstand. Kurz, es ist alles da, was man brauchte, um auf dem Luxussektor zu bestehen. Der Phaeton fährt zwar phantastisch und ist auch sonst in allen Belangen der Konkurrenz mindestens ebenbürtig, aber er kann nicht über seinen Schatten springen. "Tolles Auto, aber die falsche Marke", sagte ein Rentner zu uns an einer Tankstelle. Dieses Grundproblem wird VW nie lösen können.

          Neuer Diesel-Motor

          Aber VW ist tapfer, man hält unbeirrt am Konzept fest (und arbeitet schon an einem Nachfolger, der nicht mehr ausschließlich als Stufenheck-Limousine kommt), pflegt das Modell und weitet das Motoren-Angebot aus. Ziemlich neu im Phaeton ist ein 3,0-Liter-V6-TDI, der zum Beispiel aus dem Geländewagen Touareg bekannt ist. Der Direkteinspritzer mit Turbolader, variablem Ansaugtrakt, zwei Ladeluftkühlern und Partikelfilter leistet 165 kW (225 PS) und bietet ein maximales Drehmoment von üppigen 450 Newtonmeter schon bei 1400 Umdrehungen in der Minute. Diese 450 Nm hält die Maschine bis 3250/min, das sorgt für den sprichwörtlichen Schub aus dem Drehzahlkeller. Trotz hohen Gewichts wirkt der Phaeton leichtfüßig. Wenn es sein muß, kann in 9,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt werden. In Verbindung mit der sechsstufigen Automatik, deren Schaltvorgänge allenfalls zu erahnen sind, ergibt sich eine nahezu perfekte Harmonie von Motor und Getriebe, die Schaltpaddel am Lenkrad (840 Euro) sind überflüssig. Dazu ist der Motor extrem leise. Bei höherem Tempo hebt er zwar seine Stimme, tut dies aber sehr zurückhaltend. Viel zum niedrigen Geräuschniveau trägt freilich die Getriebe-Charakteristik bei. Der Motor muß sich kaum anstrengen, bei Tacho 140 km/h liegen nur rund 2200/min an, und selbst bei 220 sind es keine 4000/min - in der sechsten Fahrstufe selbstverständlich. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 234 km/h angegeben.

          Der Phaeton ist ein Volkswagen und eine Luxuslimousine.

          Niedriger Verbrauch

          Kann der Motor schon hinsichtlich Leistung und Lautstärke überzeugen, so enttäuscht er nicht in Sachen Verbrauch: Ein Schnitt von 8,8 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verdient angesichts der gebotenen Leistung eine Eins mit Sternchen. Allerdings half das Tempolimit der Schweiz auf der Fahrt zum Genfer Automobilsalon, diesen niedrigen Wert zu erzielen. Dort fuhren wir 766 Kilometer mit 61,92 Liter, macht sogar nur 8,1 Liter im Schnitt. Dann reicht der 90-Liter-Tank für mehr als 1000 Kilometer. Im reinen Stadt- und Regionalverkehr müssen wir dem Phaeton aber einen Bedarf von 12,1 Liter attestieren. Insgesamt waren wir 2242 Kilometer mit dem Ober-VW unterwegs.

          Das war Zeit genug, um sehr eindringlich zu erfahren, daß er tatsächlich ein Oberklasse-Auto ist. Rein äußerlich ist er das sowieso, das klassische Maß von 5 Meter Außenlänge übertrifft er um sechs Zentimeter. Für manchen Geschmack wird er zu nahe am (jetzt alten) Passat sein, andererseits ist er als klassisch-große Stufenhecklimousine schon fast für sich ein schönes Auto. Der Kofferraum ist mit 500 Liter Volumen Klassendurchschnitt, wer durchladen will, muß eben doch wieder Passat kaufen, allenfalls ein Skisack (350 Euro) ist standesgemäß. Ein Reserverad gibt es nicht, statt dessen ist ein Reifendichtmittel an Bord. Bei unserem Wagen schloß der Kofferraum, der mit Fernbedienung oder Tastendruck im Innenraum separat geöffnet werden kann, sehr schwer. Wer sich diese Mühe ersparen will, bekommt für 800 Euro angenehme Helferchen, die den Schließvorgang übernehmen.

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