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Fahrtbericht VW Phaeton : Noch immer ohne Prunk und Protz

  • -Aktualisiert am

Ähnlich souverän geht der auf ein noch höheres Drehmoment hin überarbeitete V6-Diesel mit den alltäglichen Herausforderungen um Bild: Hersteller

Der VW Phaeton bietet Hightech und Luxus. Die unaufgeregte Limousine hat nur einen gravierenden Mangel: Sie findet zu wenig Käufer. Warum das so ist, versuchen wir mit einer Art Spurensuche herauszufinden. Es ist aber sowieso kein Nachteil.

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          Vor etwa zehn Jahren waren wir mit einem begeisterten Martin Winterkorn unterwegs. Zu nachtschlafender Stunde auf dem Fabrikgelände in Wolfsburg bewegten wir das Ergebnis eines ehrgeizigen Projekts. VW hatte die ersten Exemplare seines neuen Flaggschiffs fahrbereit, und alle waren nervös.

          Es ging um Technik und Design und Verarbeitung, und die geladenen Gäste waren nicht ohne Grund ziemlich angetan vom VW Phaeton. Heute ist VW-Chef Winterkorn, bekennender Qualitätsfanatiker, auch vom jüngst überarbeiteten Phaeton in hohem Maße entzückt. Aber gleichzeitig enttäuscht. Nämlich von der potentiellen Kundschaft, die dem Phaeton die Gefolgschaft noch immer verweigert. Warum das so ist, versuchen wir mit einer Art Spurensuche herauszufinden.

          Dabei hat sich vor allem ergeben, dass wir nach intensiver Beschäftigung mit dem Phaeton-Phänomen an unserer früheren Einschätzung festhalten: Der nun abgestaubte und aufpolierte Groß-Volkswagen ist weiterhin das am meisten unterschätzte Oberklassemobil. Seine Triebwerke sind dem Stand der Technik zum Teil voraus oder repräsentieren ihn, die Ausstattung mit Materialwahl und Verarbeitung ist vorbildlich, die Eigenschaften für die sonntägliche Kaffeefahrt oder den Einsatz in der Business Class sind gleichermaßen vorzüglich, und er kann als Geheimtipp für den Vielfahrer gelten. Aber wer fährt schon gern mit einem Geheimtipp durch die Gegend?

          Bei einem Durchschnitt von 168 km/h (!) ergibt sich ein Verbrauch von 10,28 Liter Diesel auf 100 Kilometer Bilderstrecke
          Bei einem Durchschnitt von 168 km/h (!) ergibt sich ein Verbrauch von 10,28 Liter Diesel auf 100 Kilometer :

          Ablehnende Haltung
          Für den numerischen Misserfolg am Markt gibt es natürlich Gründe, die mit dem technischen Innenleben wenig, aber viel mit der Außenwirkung zu tun haben: Niemand möchte in dieser Klasse der diskreten Macht- und Money-Demonstration im permanenten Rechtfertigungszwang leben, warum er keinen BMW fährt. Oder Mercedes-Benz oder Audi, selbst der neue XJ von Jaguar benötigte weniger Argumentationshilfe.

          Und keiner will einen Hyper-Super-Klasse-VW sein Eigen nennen, der mit ein paar Extras gut 70.000 Euro kostet, auf den ersten bösen Blick wirkt wie ein tiefergelegter Passat mit dickeren Rädern und als Gebrauchtwagen nach aller Erfahrung nur mit einem aberwitzigen Preisabschlag zu veräußern ist. Zudem muss man leider sagen, dass die ablehnende Haltung vieler möglicher Kunden auch auf dem Phaeton-Design basiert. Es ist nämlich zu gut für sie. Vielleicht ist es auch zu intelligent.

          Design
          Die konsequente Verweigerung von Prunk und Pracht und das Vertrauen auf eine stille Harmonie der Proportionen schrammte schon vor zehn Jahren an fataler Langeweile nur knapp vorbei. Dennoch ist das Phaeton-Design bestes VW-Design.

          Kühl, mit reduzierten Emotionen, sachlich und geprägt von jenem Pragmatismus, der den VW Golf von jeher auszeichnet. Aber ein Phaeton ist kein Golf. So ist wohl dieser Stil nicht die richtige Ausdrucksform für diesen großen Volkswagen. Der sollte ja auch eine Demonstration von Fähigkeiten sein, die man hinter einem VW Fox nicht vermutet. Und das ist die innere Existenzberechtigung für den Phaeton. Er hat die Marke nicht ruiniert, sondern tatsächlich vorangebracht.

          Fahrleistungen
          Wie weit es VW mit dem Phaeton gebracht hat, demonstriert die Fahrt auf der verlassenen Autobahn A7: 220 km/h werden als angenehmes Reisetempo empfunden, der große Wagen ist mit unerschütterlicher Ruhe unter dem nächtlichen Himmelszelt unterwegs, der Motor arbeitet hinter dicken Kanzleitüren, irgendwo heulen einsame Hunde den Mond an, aber das sind dann doch sanftere Windgeräusche.

          Verbrauch
          Am Ende der Fahrt wird abgerechnet: Bei einem Durchschnitt von 168 km/h (!) ergibt sich ein Verbrauch von 10,28 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Ließen wir es langsamer angehen, kamen wir auf acht bis knapp neun Liter, da sind die 90 Liter im Tank ein beruhigender Vorrat.

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