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Fahrtbericht VW Phaeton : Noch immer ohne Prunk und Protz

  • -Aktualisiert am

Motor
Ähnlich souverän geht der auf ein noch höheres Drehmoment hin überarbeitete V6-Diesel mit den alltäglichen Herausforderungen um. Die Maschine startete auch bei minus 15 Grad zuverlässig und nahm unverzüglich ihre Tätigkeit auf. Wobei der Arbeitsbeginn lediglich über den Drehzahlmesser und nicht über die Hörnerven des Fahrers wahrzunehmen ist. Die Tätigkeitsgeräusche des Selbstzünders dringen eher nach außen als nach innen.

Getriebe und Drehmoment
Etwas zögerlich setzte sich der Phaeton bei den Beschleunigungsprüfungen in Bewegung. Zunächst sorgt die Sechsgangwandlerautomatik für einen keineswegs ruckfreien Kraftschluss. Da, auf den ersten Metern, wirkt der Phaeton sehr spontan, dann aber ist ein gewisses Phlegma nicht zu übersehen. VW hat wohl auf der Suche nach bestmöglichem Antriebskomfort der Automatik noch ein Schäufelchen Schlupf zugestanden. Und natürlich bleibt auch ein Drehmoment von 500 Newtonmeter (es wird von 1500 bis 3000/min geliefert) nicht unbeeindruckt von einem Leergewicht, das bei 2300 Kilogramm liegt.

Fahrverhalten
So kann es auch wegen der träge ansprechenden Servolenkung nicht ausbleiben, dass der Phaeton weniger agil wirkt, als er ist. Denn unter heftigerer Betätigung des Fahrpedals wird durchaus jenes Temperament geboten, das man in dieser Klasse erwartet.

Aber der Fahrer passt sich rasch der Neigung des Wagens an, eher ruhig dahinzugleiten, als rasant zu glühen. Für feinen Komfort vermag die serienmäßige Luftfederung zu sorgen, sie schluckt viel, aber bügelt nicht alles weg. Ohne Kritik bleibt der aufwendige, permanente Allradantrieb, der nicht nur am Arlberg willkommen ist.

Innenraum
Der ein wenig altväterlich eingerichtete, aber wertvoll wirkende Innenraum bietet bei einem Radstand von 2,88 Meter reichlich Platz für fünf Passagiere. Man kann sich auch für eine Sitzanlage mit vier Plätzen entscheiden, die Lehnen der Rücksitze sind beim von uns ausprobierten Fünfsitzer starr montiert.

Vielleicht will man bei VW in der Oberklasse den Eigner nicht mit schnöder Variabilität belästigen, der Kofferraum ist von ausreichender Weitläufigkeit und durch eine üppig geschnittene Öffnung gut zu beladen.

Technik
Allerdings zeigte sich hier erstmals die Tücke der im VW Phaeton großzügig verbauten Elektrik- und Elektroniksysteme. Unangenehmerweise bei dichtem Schneefall und heftigem Wind streikte vor einem Berghotel die Fernbedienung des Kofferraums, der sich erst nach intensiven Tastbemühungen manuell durch Druckkontakt im Markenzeichen öffnen ließ. Bei einer anderen Gelegenheit verweigerten die Türschlösser den Zugang, aber nur einmal.

Dauerhaft eingerichtet hatte sich offensichtlich ein durchaus als spaßig zu interpretierender Defekt im Bordrechner. Die Anzeige für den Momentanverbrauch alarmierte bei sanfter Fahrt, verbunden mit Streicheleinheiten für das Gaspedal, mit dem Hinweis auf einen Dieselkonsum von 40 Liter, mit steigender Tendenz, jeweils hochgerechnet auf 100 Kilometer.

War der Fahrer eher nassforsch unterwegs, mit Orgien des Beschleunigens, dann gab die sogenannte MFA dagegen Entwarnung und signalisierte unrealistische Minimalwerte. Diese kleinen Eigenheiten demonstrieren lediglich die Anfälligkeit dieser Komfortsysteme und sind bei einem Werkstattaufenthalt wohl auch ohne Schwierigkeiten zu beheben. Die viel komplizierteren Assistenzsysteme arbeiteten dagegen ohne Ausfallerscheinungen.

Fazit
Unsere Spurensuche hat ergeben: Der VW Phaeton bleibt ein Geheimtipp - für alle, die ihn über Jahre hinweg be- und erhalten wollen und dabei auf innere Werte setzen. Zumal Martin Winterkorn auch bei dem größten VW auf Kontinuität setzt. Denn die nächste Generation ist schon in Vorbereitung. Und ihr Design verbindet Vernunft und Emotionen. Aber auf eine radikal andere Formensprache wird man sich nicht einstellen müssen.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 66.500 Euro
Preis des Testwagens 72.000 Euro

V6-Dieselmotor, Common-Rail-Einspritzung, Turbolader, vier Ventile je Zylinder, 2967 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 176 kW (239 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 500 Nm von 1500 bis 3000/min, 90 Prozent davon ab 1200 bis 3200/min

Automatikgetriebe mit sechs Schaltstufen

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 5,06/1,90/1,45 Meter

Radstand 2,88, Wendekreis 12 Meter

Leergewicht 2158, zulässiges Gesamtgewicht 2760, Anhängelast 2500 Kilogramm; Kofferraumvolumen 500 Liter

Reifengröße 235/55 R 17

Höchstgeschwindigkeit 237 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 8,6 s

Verbrauch 8,2 bis 10,3, im Durchschnitt 9,7 Liter Diesel je 100 km; 224 g/km CO2 bei Normverbrauch von 8,5 Liter; Schadstoffklasse Euro 5; Tankinhalt 90 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 23, TK 27, VK 27

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung , zwölf Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie, Wartung nach Anzeige.

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