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Fahrtbericht VW Lupo 1.0 : Der kleine Prinz unter den Minis

  • -Aktualisiert am

Solider ist kein Kleinstwagen: VW Lupo. Das hat aber auch seinen Preis Bild: Hersteller

Das wahre Genie streckt schon als Bub die Zunge raus, ist klein und unscheinbar, und die komprimierte Sinnlichkeit des Weibes brodelt in einem kleinen Leib, und überhaupt ist das Kleine jene Erscheinungsform, die künftig ganz groß rauskommt: Der VW Lupo, so tönt derzeit die Werbung des größten europäischen Autokonzerns, sieht nur so aus und hat es faustdick hinter den Türen. Kleinsein allein genügt nicht, meinen wir allerdings und haben den knappsten VW über zwei Wochen und fast 2.000 Kilometer hinweg tüchtig rangenommen.

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          Das wahre Genie streckt schon als Bub die Zunge raus, ist klein und unscheinbar, und die komprimierte Sinnlichkeit des Weibes brodelt in einem kleinen Leib, und überhaupt ist das Kleine jene Erscheinungsform, die künftig ganz groß rauskommt: Der VW Lupo, so tönt derzeit die Werbung des größten europäischen Autokonzerns, sieht nur so aus und hat es faustdick hinter den Türen. Kleinsein allein genügt nicht, meinen wir allerdings und haben den knappsten VW über zwei Wochen und fast 2.000 Kilometer hinweg tüchtig rangenommen.

          Daß der VW Lupo jede Menge Aufsehen erregt, liegt nicht an seinen Abmessungen. Wenn es um Winzigkeit geht, gibt der Smart die Maßstäbe vor und zeigt gleichzeitig mit seinem eigenen Anderssein das Wesen des kleinen VW auf: Der Lupo ist die eingedampfte Version des Vollwertautos, er ist der ziemlich zu Ende gedachte Mini der konventionellen Art. Sein frisches, appetitliches Design lieben die Leute, und es entfernt ihn gleichzeitig von der kantigen Unverbindlichkeit seines Zwillingsbruders Seat Arosa, mit dem er technisch eng verwandt ist. Vielleicht ist der Genügsamkeit und Robustheit sowie eine gebremste Trendigkeit signalisierende Lupo ja der eigentliche Nachfolger für den VW Käfer. Außerdem profitiert er von der Neugier und der unpräzisen Nachrichtenaufnahme der Menschen: "Nein, das ist nicht das Drei-Liter-Auto von VW", war ungefähr die häufigste Auskunft während unseres Zusammenlebens.

          Kein neues Auto kommt als Single, auch der VW Lupo ist eine kleine Familie. Man hat die Wahl zwischen drei Motoren und einer schönen Menge an Sonderausstattungen. Neben dem von uns gefahrenen und aus dem Polo bekannten Einliter-Aggregat gibt es den gleichfalls bereits erprobten 1,4-Liter-Vierventiler mit 55 kW (75 PS) und den bewährten 1,7-Liter-SDI (44 kW/60 PS). Für 2.000 Mark Aufpreis übernimmt bei den stärkeren Versionen eine Viergangautomatik das Schalten, und auch sonst ist Gelegenheit zum Geldausgeben. Schändlich finden wir, daß Extra-Scheine fällig sind für das ABS und die Servolenkung, auch das Vario-Plus-Paket mit der Easy-Entry-Funktion (beim Kippen der vorderen Sitzlehne rutscht der komplette Sessel nach vorn) ist eigens zu bezahlen, ebenso wie die Klimaanlage. Das von uns bewegte Exemplar kam auf 23.520 Mark - keine Kleinigkeit, aber auch keine Unverschämtheit.

          Die Heckklappe fällt mit sattem Klang ins Schloß

          Während das Exterieur-Design des Lupo noch mit seiner Kleinheit kokettiert, ist das Interieur dem Vollkorngefühl verpflichtet. Der Armaturenträger bringt sich mit riesigen Hutzen über den Instrumenten ins Spiel, er wölbt sich massiv, und hier sowie auf dem Schalthebel und dem Griff der Handbremse wird eine besondere Form des Kunststoffs verwendet, mit einer Struktur auf seiner Oberfläche, die teuer und edel wirkt. Alle Hebel geben sich solide, Schalter knacken beruhigend, und mit den Türverkleidungen wird demonstriert, daß nacktes Blech nicht wie armes nacktes Blech aussehen muß. Die Sitze sind bequem und transferieren das Gefühl des Fahrers vollends mindestens eine Klasse höher: Im Innenraum verläßt der Lupo die Schublade der Minis. Zumal man vorn ordentlich Raum hat, über den Köpfen ohnehin, aber auch auf Höhe der Schultern. Wertvoll wollen die Instrumente wirken, sie sind etwas gewollt sportiv gewirkt, aber große Ziffern und gute Hintergrundbeleuchtung sind schöne Eigenschaften. Der Fahrer kann seinen Sitz vielfältig verstellen, auch der Volant ist unterschiedlich zu positionieren. Die beiden Airbags sind unaufdringlich verpackt, Seitenbags kann man nicht bekommen. Dank dem Easy-Entry-Entern ist der Einstieg nach hinten überhaupt zu bewältigen, unbequem ist er trotzdem, vier Türen sind nicht verfügbar. Die zwei vorhandenen sind mit 124 Zentimeter ungewöhnlich breit, deshalb benötigt man zum bequemen Einsteigen viel Raum neben dem Lupo. Hinten lebt es sich spürbar knapper als vorn, der Knieraum schrumpft bei zurückgeschobenem Vordersitz auf eine kaum noch zumutbare Menge, und die Fond-Sitzbank mißt in der Breite gerade mal 111 Zentimeter. Man kann sich hinten für die Aufnahme von zwei oder drei Passagieren entscheiden, nur bei der Zweierlösung sind Sitzfläche und -lehne geteilt klappbar. Es gibt auch einen Kofferraum, er kommt in der Tiefe auf 36 Zentimeter, und das spürt man auch.

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