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Fahrtbericht VW Golf VI : Wie schön soll unser Golf noch werden?

  • -Aktualisiert am

Wirkt deutlich wertvoller... Bild: Hersteller

Der Perfektion des Fahrens und des Lebens so nahe wie kein anderer VW: Der Golf VI ist „Das Auto“. Er fährt im Schnittpunkt der meisten Wünsche und Ansprüche. Aber sein Konzept scheint ausgereizt, und er kann noch besser werden.

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          Ein neuer VW Golf ist nicht einfach nur ein neues Auto. Ein neuer Golf ist ein Ereignis. Dass die Welt des Autos zur- zeit nicht mit jener Ekstase auf den Golf VI reagiert, die bei den früheren Generationen üblich war, liegt nicht an ihm. Er verdiente jeglichen Applaus. Und doch erscheint es uns, als sei nach intensiver Alltagserfahrung doch ein Quentchen Zurückhaltung angebracht.

          Wie nicht anders zu erwarten, öffnet VW für seinen jüngsten Golf auch sein Füllhorn an Technik, Ausstattung und Raffinesse. Nur so kann der Bestseller gegen die Konkurrenten bestehen, und der Kunde hat die Qual der Wahl. Schon aus diversen Ausstattungslinien, Benzin- oder Dieselmotoren und Getrieben sowie der Entscheidung für zwei oder vier Türen lassen sich Dutzende von Versionen konfigurieren. Dazu kommt noch die Liste mit den Sonderausstattungen. Man kann sich damit trübe Winterabende erhellen. Tatsächlich gibt es auch jene Variante, die zurzeit noch in Annoncen bevorzugt auftaucht: Golf Trendline mit zwei Türen und 59 kW (80 PS) aus dem Ottomotor für wohl sehr straff gerechnete 16.500 Euro.

          Wolfsburg liefert nicht irgendeinen VW

          Schon bei der nächsten Version, die sich nur durch den stärkeren Motor unterscheidet (75 kW/102 PS), werden 17.900 Euro gefordert. Die billigste Diesel-Variante kommt auf 20.625 Euro, und man sieht, dass ein gutes Auto nicht wirklich billig sein kann. Doch teuer wird der neue Golf erst, wenn man sich den Reiz feinerer Ausstattung und die Rassigkeit flotterer Motorisierung, nur in Verbindung mit dem Hightech-DSG-Getriebe, leistet: Die von uns bewegte Version begann bei 25.225 Euro und hangelte sich über zusätzliche zwei Türen (945 Euro) und das aufwendige Navi-System RNS 510 für 2110 Euro plus diversen Annehmlichkeiten auf 32.419 Euro. Kein Quantum Trost gibt es durch die Tatsache, dass die Konkurrenten des inneren Kreises nicht entscheidend billiger sind.

          ... die Kunststoffe sind sympathischer Bilderstrecke

          Aber Wolfsburg liefert dafür auch nicht irgendeinen VW, sondern den neuen Golf: Sein unschwer für die Zukunft zu vermutender Erfolg basiert auf jenen Eigenschaften, die alle seine Vorgänger auszeichneten. Der Golf hält sich im Fokus der Mobilitätsbedürfnisse der allermeisten Menschen auf. Er verbindet Funktionen und Freuden, bietet pragmatische Lösungen und pralle Liebschaften und treibt schneller als irgendein anderes Auto in dieser Klasse den Fortschritt voran. Auch mit dem Golf VI ist man jederzeit gut, unauffällig, geschmacksneutral und einigermaßen politisch korrekt und sozial akzeptiert unterwegs. Und doch entstehen bei der Beschäftigung mit ihm zwei Erkenntnisse, die ihn von seinen Vorgängern unterscheiden.

          Ein Dokument des technischen Fortschritts

          Das vom puristischeren und konsequenter gezeichneten Vorgänger mit der Nummer V prinzipiell übernommene Design-Grundmuster gerät allmählich an die Grenzen seiner Haltbarkeit. Es mag sein, dass der Golf V heute auf viele Betrachter langweiliger wirkt, aber seine formale Bedeutung zieht dieser außen nicht aus Bügelfalten, auf die man auch verzichten könnte, und innen nicht aus Chromrähmchen, deren tatsächlicher Nutzen nicht zu erkennen ist. Wenn in aufwendig gestalteter TV-Werbung die Exaktheit der Nähte im Leder der Sitzverkleidungen gepriesen wird, dann liegt die Vermutung nahe, es hapere bei den wirklich wichtigen Inhalten. Das ist natürlich nicht so, aber es zeigt, wohin die Attribute der Attraktivität des neuen Golf drifteten: Er sollte schöner werden, außen und innen.

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