https://www.faz.net/-gya-xx3b

Fahrtbericht VW Golf VI : Und ewig lebe der König

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der VW Golf ist das Überauto der Deutschen. Sein Verkaufserfolg mag manchem unheimlich sein. Doch er kommt nicht von ungefähr, denn der Golf ist mittlerweile fast perfekt. Des deutschen liebstes Auto ist allerdings teuer geworden.

          4 Min.

          Fast 40.000 VW Golf sind in diesem Mai allein in Deutschland neu zugelassen worden. Kleinere Importeure wie Volvo oder Mitsubishi wären glücklich, wenn sich ihre gesamte Modellpalette im Jahr so gut verkaufte. Es ist schon gar nicht mehr vorstellbar, dass irgendwann ein anderes Auto als der VW Golf das meistverkaufte in Deutschland sein wird. Aber kein König lebt ewig, und keine Mauer steht für immer.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Erfolg des kompakten VW hat viele Facetten. Er ist ein für seine Klasse und seine Größe (jetzt schon 4,20 Meter!) ein ziemlich perfektes Auto, es gibt ihn in mannigfaltigen Motorvariationen und dazu noch als Plus (höhere Karosserie) sowie als Variant (Kombi). Gar nicht zu reden von der Stufenheckversion Jetta nebst den technisch eng verwandten Ablegern wie VW Scirocco und jenen bei Tochtermarken wie Audi, Seat oder Skoda. Und nichts macht erfolgreicher als der Erfolg. Viele kaufen den Golf, weil sie wissen, dass sie mit ihm nichts falsch machen, überall einen passenden Auftritt haben und beim späteren Wiederverkauf in der Regel nicht lange einen neuen Besitzer suchen müssen.

          Golfinteressenten sollte man als Erstes raten, keinen Zweitürer zu erwerben. Wir waren 14 Tage mit einem solchen unterwegs und mussten immer wieder feststellen, wie mühsam doch der Weg in den Fond ist, auch wenn der Beifahrersitz mit nach vorn geneigter Lehne ganz nah ans Armaturenbrett geschoben wird.

          Die 84 Jahre alte Freundin der Schwiegermutter kam zwar noch gut hinein in den Fond, hätte aber ohne Hilfe nicht wieder aussteigen können. Immerhin ist in der zweiten Reihe ausreichend Platz für zwei - und auf kurzen Strecken auch für drei - Personen. Kopf- und Beinfreiheit gehen in Ordnung, allerdings sind die hinteren Seitenfenster starr, deshalb und wegen der breiten C-Säule fühlt man sich dort ziemlich eingemauert.

          Zwei weitere Türen lässt sich Volkswagen mit 925 Euro honorieren (ohne elektrische Fensterheber 725 Euro), so steigt der Basispreis des von der Redaktion bewegten 2.0 TDI Highline von 25.600 Euro auf 26.325 Euro.

          Wir verkneifen uns den Ausruf „50.000 Mark für einen Golf!“ nicht, um zum wiederholten Male festzustellen, wie teuer der Deutschen liebstes Auto geworden ist - wenn man ein bisschen mehr will als die Basisversion (1,6-Liter-Ottomotor, 59 kW/80 PS, 16.650 Euro).

          Zum Beispiel den wunderbaren, direkteinspritzenden Zweiliter-Turbodiesel in Verbindung mit der Highline-Ausstattung, die vieles mitbringt, was des Autofahrers Herz begehrt. Aber eben nicht alles: Unser Wagen war zusätzlich unter anderem mit adaptiver Fahrwerksanpassung (945 Euro), Metalliclack (490 Euro), Ledersitzen (1880 Euro) sowie einem CD-Radio mit Navigation und Rückfahrkamera (2885 Euro) ausgerüstet - also ein Golf für mehr als 60.000 Mark.

          Helles Ledergestühl und kühlbares Handschuhfach

          Da kann man etwas verlangen, und man bekommt auch viel. Ein Highline-Golf mit dieser Ausstattung ist von der Haptik her auf einem Niveau, das vor wenigen Jahren noch der automobilen Oberklasse vorbehalten war. Alles fasst sich sehr hochwertig an, die Türen fallen mit sattem Klang ins Schloss. Das helle Ledergestühl in unserem Wagen sah sehr gut aus und lenkte etwas vom immer noch dunkel-blöckisch und überladen wirkenden Armaturenbrett ab.

          Funktional gibt es aber kaum etwas auszusetzen. Ablagen finden sich reichlich, das Handschuhfach lässt sich kühlen, und der herausnehmbare Flaschenöffner, der als „Raumteiler“ für zwei Becherhalter in der Mittelablage dient, soll nicht unerwähnt bleiben.

          Was man bemängeln kann, ist die schlechte Sicht nach rechts hinten wegen der schon erwähnten C-Säule, und das Heck verschmutzt bei Regenwetter sehr schnell und sehr stark. Die Rückfahrkamera, deren Objektiv sich im VW-Emblem in der Heckklappe versteckt, macht beim Ausfahren nach dem Einlegen des Rückwärtsgangs so knarzige Geräusche, dass man zunächst glaubt, es sei etwas kaputt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump will G7 zu G11 erweitern : Eine neue Allianz gegen China?

          Russland reagiert zurückhaltend auf Trumps Vorstoß, die G7 zu erweitern. Australien, Indien und Südkorea zeigen sich offener – ohne Amerika wären sie Vasallenstaaten Chinas, warnt ein früherer Außenminister.
          Streit mit dem Ehemann? Der erste Schultag nervt? In solchen Fällen übernimmt im Film „Alles steht Kopf“ die Wut das Steuer in der Kommandozentrale im Gehirn.

          Unterdrückter Zorn macht krank : So lässt sich die Wut beherrschen

          Im Alltag ist die Wut verpönt, gleichzeitig steigt die Hasskriminalität, und im Internet sind Beleidigungen an der Tagesordnung. Über ein mächtiges Gefühl, das jedoch demjenigen Kraft spenden kann, der es zu beherrschen versteht.

          Kapitalerhöhung für Lufthansa : Geld her!

          Der deutsche Staat will sich mit 20 Prozent an der angeschlagenen Lufthansa beteiligen. Die Kapitalerhöhung soll unter dem Ausschluss von Bezugsrechten für Altaktionäre stattfinden. Das wird ihre Anteile verwässern. Was passiert in diesem Fall eigentlich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.