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Fahrtbericht VW Golf GTI : Und ewig glüht der GTI

Bild: Hersteller

Der Golf ist ein langweiliges Auto, meinen viele. Jeder fährt ihn, jeder kennt ihn. Als GTI ist er allerdings alles andere als langweilig, sondern ein echtes Spaßauto. Das hat aber seinen Preis.

          4 Min.

          Baumann hieß der Stabsunteroffizier, dem wir unser erstes GTI-Erlebnis verdanken. 1979 - da war der GTI erst drei und der Golf als Modell erst fünf Jahre alt - drückte er dem Obergefreiten Schmidt seinen roten GTI in die Hand, einfach so. Wahrscheinlich, weil er unheimlich stolz war auf sein 110-PS-Auto, das auf der Autobahn mit seinen maximal 183 km/h durchaus mit den großen Limousinen mithalten konnte.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Ja, damals wie heute ist ein VW Golf GTI ein beeindruckendes Erlebnis, wenn er auch im Jahr 2013 dafür doppelt so viele Pferdestärken braucht. 220 PS hat der GTI 2013, das reicht für mehr als 240 km/h in der Spitze und befähigt ihn, in nur 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu sprinten.

          Doch diese Top-Leistungen sind es nicht einmal, die den GTI von heute ausmachen. Es ist die schiere Kraft, die in nahezu allen Lebenslagen schon bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung steht. Das direkteinspritzende, turbogestärkte Zweiliter-Triebwerk (vier Zylinder) hat ein Drehmoment wie ein Geländewagen: 350 Newtonmeter liegen schon bei 1500/min an, und sie bleiben da, bis die Nadel des Drehzahlmessers 4400 zeigt. Kein Wunder, dass der GTI auch im sechsten Gang so gut anschiebt.

          Die Werte für unsere traditionelle Messung von 50 auf 100 km/h in den großen Gängen sind auch entsprechend sensationell: 6,6 und 8,8 sowie 10,6 Sekunden. Die Gänge liegen eng beieinander, sie lassen sich sehr gut schalten. Schon allein, weil beim DSG-Getriebe (Doppelkupplung, fährt sich wie Automatik) der Golfball als Schaltknauf wegfällt, würden wir stets ein manuelles Getriebe vorziehen. Ganz abgesehen von den 1925 Euro Mehrpreis bei geringfügig schlechteren Fahrleistungen und etwas höherem Verbrauch.

          Verbrauch

          Dass dieser Verbrauch in der Praxis mal wieder meilenweit vom Normwert entfernt war, hatten wir nicht anders erwartet. Zur Entlastung sei gesagt, dass wir mit dem GTI sehr viel und schnell auf Autobahnen unterwegs waren, das soll den hohen Verbrauchswert etwas relativieren. Genau 10,0 Liter Super auf 100 Kilometer waren es im Schnitt. Das sind vier (!) Liter mehr als nach Norm. Dabei hilft der GTI beim Sparen.

          Eine Start-Stopp-Automatik stellt den Motor nach dem Auskuppeln vor der  roten Ampel ab - und flugs wieder an, wenn der linke Fuß wieder aktiv wird. Außerdem gibt es eine Schaltempfehlung, die schon sehr früh (bei 1600/min) den nächsthöheren Gang anfordert. Sie gibt mitunter auch den Tipp, gleich von 3 in 5 zu wechseln. Wer aber einen GTI so fährt, kann sich gleich das Einsteigermodell mit 85 PS kaufen. Letzte Sätze zum Thema Verbrauch: Ärgerlich ist, dass das Volltanken ziemlich mühsam und zeitraubend ist. Aber es lassen sich durchaus mehr als die angegebenen 50 Liter einträufeln.

          Fahrverhalten

          Nicht überrascht hat uns, wie gut der GTI lenkt, federt und bremst. Das erwartet man vom Klassenprimus, und niemand wird enttäuscht. Der Federungskomfort ist superb, allerdings hatte der GTI auch das adaptive Fahrwerk (990 Euro extra). Der Fahrer wählt zwischen komfortabel, sportlich und normal. Wie immer geht es nur um Nuancen, sportlich ist eindeutig zu hart. In kritischen Situationen kann einen Golf 7 nichts erschüttern. Erst ganz spät greift ESP ein, der frontgetriebene Wagen ist in Kurven lammfromm, so wie es sein muss, wenn ihn alle fahren sollen.

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