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Fahrtbericht VW Golf GTI : Die Harmonie der Summe des Guten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Mehr Golf war noch nie. Er ist die Mitte von VW, in ihm bündeln sich die meisten Wünsche der Käufer. Das gilt auch für den starken GTI, der moderner als je zuvor und der rundum beste Sportwagen ist.

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          Nun ist über den VW Golf GTI womöglich alles und noch mehr gesagt worden, was man überhaupt darüber schreiben kann. Doch zum Beginn des Autojahres 2010 gibt es kein besseres Thema als: Der VW Golf GTI ist rundum der beste Sportwagen. Dankbar für diesen Einfall, haben wir das gleich in die Plus-Minus-Liste zur noch immer genial-einfachen Zeichnung von Eckhard Kaiser übernommen.

          Und jetzt fahren wir in der Spur des neuesten, des vielleicht bisher besten GTI und werden versuchen, diesen Sportwagen-Superlativ zu begründen. Vielleicht scheitern wir auch damit, aber dann dennoch in ruhiger Freude und heiterer Gelassenheit. Beides Gemütszustände, die nach dem Jahreswechsel angebracht sind und gleichzeitig den etwas reifer gewordenen GTI-Gesellen auszeichnen.

          Dass kein anderer Kompaktwagen aus der Gilde der GSI/RS/Turbo/TSI und so weiter auch nur annähernd jenen Status erreichte, in dem der VW seit seiner Geburt unterwegs ist, liegt nicht am GTI. Sondern am Golf.

          Bild: F.A.Z.

          Das GTI-Gefühl, das kommt als Häubchen obendrauf, und jeder hat beim Fahren dieses Sahnegefühl auf der Zunge. Im aktuellen Fall sind dafür 155 kW (210 PS) und ein Drehmoment von 280 Nm bei 1700/min zuständig. Diese Leistung resultiert aus Direkteinspritzung, Turbolader und elektronischen Kniffen, die nicht zur absoluten Höchstleistung tendieren, sondern zu hoher Leistung für den Alltag führen.

          So ist der jüngste GTI ein überaus harmonisch motorisiertes Auto. Das kann man von einem Sportwagen in unserem Sinne auch erwarten.

          Denn die Annahme, ein Sportwagen müsse seinen Fahrer zwischen Frankfurt und München auf die Ohren gehen, ihn weich klopfen, ihm die Schweißflecken aufs Hemd zeichnen und noch zwei Stunden nach Ankunft den Kopf unentwegt nicken lassen, diese Annahme ist unrichtig. Sportliches Fahren heißt in erster Linie bewusstes Fahren: und da legt der GTI seine Karten auf den Tisch, und das sind (fast) alles Trümpfe.

          Der Vierzylindermotor ist bereits nach dem ersten Schlüsseldruck hellwach, und er tut dies mit einem stabilen Leerlauf und jenen Geräuschen kund, die wie ein Versprechen klingen. Dieses enthält nicht nur die Verlockung der Fahrleistungen, sondern die Aussicht auf dynamisches Vergnügen. Dabei geht es keineswegs um Rasen und Hetzen.

          Ohne Verzögerungen setzt der Motor die Bewegungen des Gaspedals um, dreht hoch oder bleibt im Schub, pfeffert eine kleine Zündungsfolge beim Hochschalten heraus und offeriert sogleich diese unverbrüchliche Neigung zur Kraftabgabe, die den GTI zwar schon immer auszeichnete, jetzt aber noch stärker ausgeprägt ist.

          Über die Gerade pfeifen und die Kurve gewinnen

          Dass der Vierzylinder mit einem Abgasturbolader zwangsbeatmet wird, kommt nur in der gleichmäßig hohen Leistung zum Ausdruck. Diese entfaltet sich harmonisch wie „Goethes letzte Reise“ von Sigrid Damm und kommt zu einem lukullischen Akustik-Höhepunkt wie Commissario Montalbano in der Trattoria bei Enzo: Das maximale Drehmoment bleibt von weniger als 2000/min bis etwa 5500/min erhalten, und dazwischen gibt es nur Schub und Druck und italienische Oper aus Niedersachsen und vor allem jene Freude, die man nur dann als Fahrer ermessen kann, wenn man sein halbes Leben mit unwürdigem Gehampel zwischen Kupplung, Gaspedal und Schalthebel verbracht hat. Oder sich über lethargische und unpassend schaltende Automatikgetriebe geärgert hat.

          Man kann zurzeit beim Kauf eines VW Golf – nicht nur beim GTI – sein Geld nicht besser anlegen, als es in das DSG-Getriebe zu investieren: Der Aufpreis beim GTI beträgt 1875 Euro, und jeder Cent zahlt sich aus. Das Doppelkupplungsgetriebe wirkt als Automatik so überzeugend wie beim manuellen Schalten. Im Stau schont die Elektronik, und auf der Landstraße wippt man sich vor der Kurve rasch den richtigen Gang rein, zieht den leicht übersteuernden GTI mit Gas aus der Biegung heraus, winkt in Sekundenbruchteilen den nächsten Gang heran, pfeift über die Gerade, bremst vor der Kurve und hat blitzschnell die niedrigere Stufe unter dem Gasfuß, gewinnt die Kurve und, und, und.

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