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Fahrtbericht VW Beetle : Zweite Chance für das dritte Leben

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Nach dem Abschied von den Blumenkindern entstand ein straffes Coupé mit Lebensgefühl-Qualitäten. So ist der Beetle tauglich für den Alltag von Menschen, die sich nicht mit der Normalität eines Golf abfinden möchten.

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          Mitunter belieben auch Konzerne zu scherzen. So vor etwa 14 Jahren, als VW (endlich) seinen eigenen Mythos entdeckte, den Käfer reanimierte, ihn wie eine Comicfigur nostalgisch positionierte, die Flower-Power-Bewegung bemühte und sich Unternehmensboss Ferdinand Piëch mit Blütengirlande als spätberufenes Blumenkind outete: Der New Beetle war geboren, eine vor verkrampfter Bemühtheit um Originalität uncharmante Ansammlung von Voll- und Halbkreisen auf Rädern, eine mobile Witzfigur, die man bemitleiden, aber nicht bewegen wollte.

          Im Innenraum gab es eine Blumenvase, einen voluminösen Armaturenträger wie in einem alten Wohnmobil, und die Hinterbänkler hockten nicht unter dem Autodach, sondern unter dem Glas der Heckklappe.

          Design

          Erst mit dem Cabrio kam so etwas wie Zuneigung für den New Beetle auf, und jetzt rundet sich sein neues Leben wirklich. VW hat den Beetle (ohne New) abermals aufgelegt, ihm neue Kleider mit einem Hauch der Mode von gestern verpasst und ihn scharf und straff dort positioniert, wo er schon immer sein sollte: bei jenen Kunden, die den etwas anderen VW wollen, die diesen nicht mit der ultimativen Forderung nach vier vollwertigen Sitzen überfordern, sondern als schicken Zweisitzer mit der Lizenz zum Transport interpretieren und ihren mobilen Lebensstil nicht mit einem Alltags-Golf belasten wollen.

          Dieser liefert zwar die komplette Technik, aber das Käferkleid zeigt Coupékompetenz. Dabei hat Rundlichkeit noch immer Vorfahrt, die Karosserie ist von dramatischer Unübersichtlichkeit, aber der Rücken ist schön, der ein wenig nachlässig eingepasste Spoiler stört nicht, und im Innenraum dominieren einfache, gut abzulesende Instrumente und Kunststoffe, die wertvoll wirken.

          Innenraum

          Der Fahrer ist in die Bedienlandschaft eingepasst und nimmt dankbar zur Kenntnis, dass die Frontscheibe jetzt in normaler Position vor ihm steht. Klimaanlage und Belüftung funktionieren tadellos. Es gibt ausreichende Mengen an Ablagen, in die Türfächer passen sogar größere Wasserflaschen. Die Sitze sind straff, aber nicht zu hart gepolstert, mit großen Verstellbereichen; hinten geht es eng zu, und der Weg zu den beiden Plätzen ist recht beschwerlich.

          Die beinahe unendliche Breite der Türen (etwa 125 Zentimeter) lässt die vorderen Sicherheitsgurte im Nirgendwo baumeln, in schmalen Parklücken beschneiden sie den Öffnungswinkel erheblich. Hinten gibt es zwei Daumenbreiten mehr Kopffreiheit und die Beschränkung auf zwei Sitze, die beim Nachwuchstransport häufiger als gedacht von Nachteil ist.

          Kofferraum

          Im großen VW-Emblem auf der Heckklappe versteckt sich der Mechanismus zum Öffnen, die Klappe ist riesig, reicht bis in das Dach hinein und schwingt weit über die Stehhöhe nach oben. Ausreichend ist das Fassungsvermögen des sorgfältig ausgekleideten Kofferraums, doch es stört die nach außen und innen hohe Ladekante.

          Weil man die hintere Sitzfläche nicht senkrecht stellen kann, ergibt sich beim Klappen der Lehnen eine schräge Ladefläche. Auf ein Reserverad hat man verzichtet. Dass der Kofferraum unmittelbar im Crashbereich Warndreieck und Verbandtasche beherbergt, ist eine Nachlässigkeit, die der Beetle mit etlichen anderen Autos gemein hat.

          Preis

          Für einen Käfer, der ein Sportcoupé ist, kommt der von uns bewegte VW Beetle 2.0 TSI gerade recht. Der Einstieg in die kleine Käfer-Welt beginnt zwar schon bei knapp 17.000 Euro, aber motorisiert ist der fast 4,30 Meter lange Wagen dann mit einem 1,2-Liter-TSI, der 77 kW (105 PS) liefert. Damit kann man sich wohl bescheiden, aber mitunter möchte man doch nicht gezwungen sein, die kleine Maschine bis zum letzten Tropfen auszupressen.

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