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Fahrtbericht Volvo XC60 : Mit der Anmut des gezähmten Elches

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Die kompakte Größe in der Volvo-Familie bietet auch - oder erst recht - als SUV alle Markenwerte. Doch wer mehr will, muss tief in die Tasche greifen.

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          Es gibt wenige Marken, zu denen die Anmutung eines ruhigen Geländewagens besser passt und die sich ähnlich schwer mit ihr taten. Volvo zögerte und zauderte, übte ein paar Jahre mit dem höhergelegten und geländegängigen XC70-Kombi und führte dann vor elf Jahren den großen und auf Anhieb gelungenen XC90 herbei.

          Der schwedische Riese ist noch immer auf etwas altväterliche Art im Dienst, und Volvo beging für ein paar Jahre sogar die wunderbare Torheit, ihn mit einem bei Yamaha entwickelten V8-Benziner anzubieten. Im Vergleich dazu ist der seit fünf Jahren offerierte, jüngst für das Modelljahr 2014 renovierte und noch immer recht zeitgemäße XC60 von luxuriöser Vernunft geprägt.

          Der Kern des XC60 keimte noch in jenen Zeiten, da Volvo zu Ford gehörte, und er wurde schnell zu einer wichtigen Säule im schwedischen Modellprogramm. Die XC60- Familie ist mit zwei Turbo-Benzinern und vier Turbodieseln auf den ersten Blick klar gegliedert.

          Diese Klarheit geht dann mit diversen Front- oder Allradantriebs-Varianten, mit vier Normal-Kraftstufen für die beiden Diesel sowie einer Software-Leistungsoptimierung (Polestar) für die jeweiligen Top-Aggregate und mit etlichen Ausstattungsstufen und -paketen verloren. Allen XC-Versionen gemeinsam ist der Volvo-typische Schwur auf höchstmögliche Sicherheit, und es gibt mehr Assistenzsysteme für den Fahrer, als sich dieser überhaupt merken kann.

          Versionen

          Den günstigsten Einstieg in die XC60-Familie bietet der D3 mit Basisausstattung Kinetic und 2-Liter-Fünfzylinder-Diesel sowie Frontantrieb für 34.250 Euro. Der von uns jetzt bewegte XC60 mit dem stärksten Fünfzylinder, Allradantrieb und mittlerer Ausstattung Momentum stellt sich ohne Extras auf 43.680 Euro, was noch erträglich sein kann.

          Wer sich dann seinen schwachen Momenten hingibt und optimistisch in der Optionsliste unterwegs ist, landet 31 Positionen später mit Sechsgang-Automatik (empfohlen für 2100 Euro), R-Designpaket (kann man sich sparen für 3600 Euro) und Polestar-Leistungsoptimierung (ist reizvoll, muss aber nicht sein für 1199 Euro) sowie mancher Peinlichkeit (50 Euro für 12-Volt-Anschluss im Gepäckraum) und den unverzichtbaren Kamera- und Schall-Hilfen zum Einparken (770 Euro) bei erschreckenden 71.329 Euro.

          Innenraum

          Dabei kann der günstige Einstiegspreis durchaus als Argument pro XC60 dienen. Denn schon die Basis liefert jenes Volvo-Klima aus Sicherheit und Seriosität, das seit Jahrzehnten die Kraft der Marke ist. Die gebremst ausladende Karosserie ist zwar vor allem nach hinten und nach schräg hinten von dramatischer Unübersichtlichkeit, bietet aber einen harmonisch möblierten Innenraum. Vorne steigen große Fahrer und Beifahrer wegen der schrägen Fensterlinie und des geringen Freiraums zwischen Sitz und Türoberkante nicht wirklich bequem ein, sie finden aber einen gut positionierten Arbeits- und Sitzplatz vor.

          Die Bedienung über etliche Tasten und Stelleinheiten fordert längere Eingewöhnung, ist auch mitunter recht umständlich in mehrere Schritte eingeteilt, und die modisch-digital sowie etwas grell anzeigenden Instrumente bieten keine Funktions-Nachteile. Lenkung und Bremsen gehen exakt und beherzt ans Werk, der knapp zwei Tonnen wiegende XC60 verzögert besser als mancher Konkurrent. Etliche Assistenzsysteme (denen man für rund 5000 Euro in der Ausstattungsliste begegnet) sind mit zum Teil spektakulären Warnungen anwesend. Solide und hochwertig präsentieren sich Materialwahl und Verarbeitung, die Sitzgelegenheiten sind vorne und hinten fein für längere Strecken gepolstert und über Elektromotoren vielfältig zu verstellen, die Kopfstützen hinten sind per Tastendruck umzulegen.

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