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Fahrtbericht Volvo V60 Hybrid : Zwischen Champagner und Poesiealbum

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Volvo

Der schwedische Beitrag zur Hybrid-Bewegung kombiniert Diesel und E-Antrieb. Das verschreckt die Amerikaner und erfreut die Europäer. Man muss für diesen Volvo tief in die Tasche greifen. Es kann sich aber lohnen.

          4 Min.

          Schweden sind keine Schwätzer. Wer mit der Möglichkeit des realen Elchtests und dem Verzehr von fermentiertem Fisch aufwächst, wählt die Worte sorgfältig. Aber die Nordmänner lieben Überraschungen - die sie den anderen bereiten. Deshalb präsentierten sie flugs ohne übermäßig langen Anlauf diesen V60 Hybrid, aber nicht mit Otto-, sondern mit Diesel-System und gleich mit Plug-in. Ein High-tech-Paket, das quasi als Demo-Objekt entstanden ist und verstanden sein will.

          Als Kunden kommen in der westlichen Welt dafür nur Europäer in Frage, weil sich die Amerikaner partout, warum auch immer, dem Diesel nicht zuwenden wollen. Dass er besonders die deutschen Kunden animieren soll, erklärt sich aus Diesel, Preis und Umwelt. Ihr individuelles Eintreten für Mutter Natur dürfen sich die deutschen Käufer auch etwas kosten lassen: Der von uns bewegte Volvo V60 D6 AWD Pure Limited, wie er mit vollem Namen heißt, kostet im Serientrimm 56 900 Euro. Diese Zahl kann man mit etwas Geschick beim Ankreuzen der Zusatzausstattung sehr weit hinter sich lassen, der Testwagen stellt sich auf 66 930 Euro, und da wird die Luft im Verkaufsraum schon etwas dünner. Besonders beim Blick auf die 47 600 Euro, die der vergleichbare, konventionell befeuerte V60 D5 fordert und auf die 9300 Euro, die als Mehrpreis für die Hybrid-Version auf den Schultern des interessierten Kunden lasten. Dem muss klar sein: Dieser Hybrid kann sich über den Minderverbrauch niemals rechnen. Aber dafür kauft man sich diesen Volvo auch nicht. Er ist trotz seines Preises ein wohlfeiles Angebot für alle, die den Taumel der Technik lieben und sich die neue Definition der Freude am Fahren und am Sparen gönnen wollen.

          Der Normverbrauch erwies sich wieder einmal als Wegwerfprodukt. 1,8 Liter Diesel für 100 Kilometer, entsprechend 48 g/km CO2, sind Angaben für das Poesiealbum. Dass derartige Werte überhaupt entstehen, liegt am Fahrzyklus, der es dem Volvo erlaubt, längere Etappen rein elektrisch zu absolvieren.

          Volvo V60 D6 AWD Plug-in-Hybrid
          Volvo V60 D6 AWD Plug-in-Hybrid : Bild: F.A.Z.

          Das ist im Alltag ähnlich und doch ganz anders: Der teure Lithium-Ionen-Speicher hat sich nach der problemlos hergestellten Kabelverbindung an der Haussteckdose über Nacht aufgeladen, eine der zahlreichen Info-Quellen im V60 meldet (triumphierend?) eine elektrische Reichweite von 50 Kilometer. Das liest sich gut und ist für die Summe der alltäglichen Fahrten auf den Kurzstrecken des Pensionärs ausreichend. Allerdings schmilzt die E-Distanz schneller ab, als man mitschreiben kann, und das bei eher gemächlicher Fahrt mit sanfter Beschleunigung und maximal 60 km/h. Nach 34 Kilometern ist die angeblich für 50 reichende Energie aufgebraucht, das war etwas enttäuschend. Jetzt wird der Diesel automatisch und kaum vernehmlich angeworfen. Er ist eine angenehme Quelle der Kraft mit guter Laufkultur und hohem Drehmoment, das schon bei niedrigen Touren anliegt. Auch der Elektromotor liefert eine hübsche Portion Kraft und bringt als alleiniger Antrieb den gewichtigen Volvo auf gut 120 km/h. Aber das ist nicht seine Hauptaufgabe: Im Hybridbetrieb soll er den Verbrenner unterstützen und im günstigen Verbrauchskennfeld halten. Das kann aber nur teilweise gelingen. Denn die Volvo-Auslegung des Hybrid-Gedankens rückt den Diesel bei höherer Leistungsanforderung sofort an die allererste Stelle: Bei vollem Beschleunigen knurrt sich der wegen seines Hybridcharakters gut zwei Tonnen schwere V60 (etwa 350 Kilo Mehrgewicht) zwar in 6,9 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 230 km/h, aber beim Abrufen dieser Fahrleistungen wird immer der Diesel voll in die Pflicht genommen.

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