https://www.faz.net/-gya-ome4

Fahrtbericht Volvo S80 D5 : Kein Spitzendiesel, aber ein prima Auto

  • -Aktualisiert am

Seriöse Alternative zur E-Klasse von Mercedes-Benz und zur 5er-Reihe von BMW Bild: Volvo

Abgesehen davon daß sich der Volvo S80 D5 ausgerechnet am schlechtesten Beispiel, nämlich dem des deutschen Dieselmotors orientiert, ist der Selbstzünder ein agiles und präzise gleitendes Kraftwerk.

          4 Min.

          Ohne Moos nichts los und ohne Diesel keine Kiesel: Volvo ist die erfolgreichste Marke in der zum Ford-Konzern gehörenden Premier Automotiv Group, und die Schweden verstehen es durchaus, mit ihren Pfunden zu wuchern. Das tun sie vor allem in Amerika. Dort wollen die Kunden zwar vom Diesel (noch) nichts wissen, aber für Europa war bei Volvo die Ablösung des vergreisten DI-Selbstzünders aus der VW-Gruppe längst überfällig. So haben die Schweden vor geraumer Zeit nicht nur die Möglichkeiten des Designs, sondern aktuell auch die Technik des direkteinspritzenden Common-Rail-Diesels entdeckt. Daher geht jetzt eine moderne Maschine ohne Glühkerzen in dem vor etwa vier Jahren präsentierten Volvo S80 ans Werk (F.A.Z. vom 26. Januar 1999: Volvo S80 T6). Grund genug für uns, den größten Schweden (Personenwagen!) abermals unter die Lupe zu nehmen.

          Der Volvo S80 hat sich rasch als seriöse Alternative zur E-Klasse von Mercedes-Benz und zur 5er-Reihe von BMW entwickelt. Allerdings hat sich Mercedes mit der neuen E-Generation abermals vorzüglich in Szene gesetzt, und BMW wird mit dem neuen 5er zur IAA im kommenden Herbst ebenfalls zeigen wollen, womit der Barthel künftig das Bier holt. Das macht die Entscheidung für den Volvo nicht leichter, zudem er mit Frontantrieb aufwartet, was in dieser Klasse nicht immer ein Kaufargument ist. Der E 270 CDI mit serienmäßigem Sechsganggetriebe (130 kW/177 PS) kommt in der vergleichbaren Elegance-Ausstattung auf 39.382 Euro, der schon als Auslaufmodell gehandelte 525d (120 kW/163 PS) kostet als Edition Exclusive 38.200 Euro. Fur die Premium-Version des D5 legt man 38.400 Euro hin. Dafür bekommt man vor allem die etwas andere, obere Mittelklasse.

          Auf kurzen Wegen zu hoher Präzision

          Wenn wir schon beim Rechnen sind, blicken wir rasch auf eine vergleichbare Otto-Version des S80. Die 2,4-Liter-Variante (125 kw/170 PS) ist mit identischer Ausstattung für 36.050 Euro zu haben, da muß der D5 schon ein Diesel mit (besonders guten) Eigenschaften sein. Er wurde abgeleitet von dem erwähnten Benziner, hat deshalb ebenfalls fünf Zylinder, allerdings etwas weniger Hubraum und vier Ventile je Brennraum, die über zwei obenliegende Nockenwellen gesteuert werden. Volvo setzt hier auf Zahnriemenantrieb; wer wirklich sehr hohe Laufleistungen in kürzerer Zeit zusammenbringt, sollte die Wartungskosten mit einkalkulieren. Die mittlerweile zum Stand der Dieseltechnik zählende Direkteinspritzung erhöht vor allem das Drehmoment und senkt den Verbrauch. Bereits bei 1.750 Umdrehungen in der Minute gibt es bullige 340 Newtonmeter, und die liegen bis 3.000/min an. Das wirkt auf den ersten Blick wie die Wucht von Thors Hammer, aber der Alltag weiß diese Kraftmenge zu relativieren.

          Ein Auto, das niemanden überfordert - eine wohlige Heimstatt für alle

          Der S80 D5 ist kein Leichtgewicht. Das ist zwar gut so, denn ein Volvo-Fahrer wünscht sich eigentlich einen Panzer. Aber 1.750 Kilo, schon mit einem einzigen Menschen an Bord (Auto-Leergewicht 1.660 Kilo), wollen erst einmal in Schwung gebracht werden. So setzt sich der D5 zwar nicht gerade gemächlich, aber doch eher mit seiner Statur angemessener Agilität in Bewegung. Aus der Leerlaufdrehzahl heraus bewegt sich der Volvo mit einer gewissen Bedächtigkeit, richtig Feuer kriegt er erst von 2.000/min an, wenn der Abgasturbolader ordentlich Druck macht und genügend Stoff und Luft aufeinandertreffen. Dann muß der Fahrer schon ein flinker Kerl sein, weil er bis zu jenem Punkt, an dem die Kurve der Zugkraft wieder nach unten knickt, nur über etwa 1400/min eine Pause hat mit der Arbeit am Schalthebel. Die Drehzahlspanne für das beste Drehmoment ist recht knapp, häufiges Betätigen des mit kurzen Wegen und hoher Präzision arbeitenden Getriebes ist bei kräftigem Leistungsbedarf nicht zu vermeiden, man muß rechtzeitig hochschalten. Entweder entschließt man sich gleich zum Kauf der adaptiv arbeitenden, vorzüglichen Fünfgangautomatik (1.700 Euro), oder man läßt es nicht gerade langsam angehen, aber doch mit einer eher auf Gleiten denn auf Hetzen ausgelegten Fahrweise. Über die gesamte Strecke hinweg konsumierte der D5 im Durchschnitt 7,7 Liter Diesel für 100 Kilometer. Das ist ein für diese Fahrzeugkategorie vorzüglicher Wert, der große Volvo ist ein sparsames Auto. Wer sein Leistungspotential allerdings auf freier Autobahn nutzt, gerät in die Nähe von zehn Liter. Typisch für den im Teillastbereich besonders genügsamen Diesel ist der von uns erzielte, niedrigste Verbrauchswert: Bei konstant 120 bis 130 km/h, in Verbindung mit vorausschauender Fahrweise, kamen wir auf 4,5 bis 6 Liter auf 100 Kilometer. Das sind Werte, die man noch vor fünf Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Mit seinem nur durch zähes Nachträufeln wirklich nutzbaren Tankvolumen von 70 Liter ist der Volvo D5 überaus tauglich für die langen Distanzen.

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Topmeldungen

          Das russische Raketenabwehrsystem S-400 wird in der Stadt Sebastopol aufgestellt.

          Rüstungstechnologie : Die Türkei träumt den Waffentraum

          Ankara will in der Rüstungstechnologie unabhängig werden – und schafft aus diesem Grund ein russisches Raketenabwehrsystem an. Koppelt sich der bisherige Verbündete von der Nato ab?

          100-Prozent-Quote : Die Dramaturgen der Klimawende

          Fakten, Fakten, Fakten: Mehr Klimawissen gab es nie, mehr Einigkeit auch nicht. Und doch zeigt Madrid: Die Lösung der Klimakrise bleibt für die meisten höhere Mathematik – mit einer Unbekannten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.