https://www.faz.net/-gya-ua1j

Fahrtbericht Volvo S80 3.2 : Mit vielen Reizen für entspanntes Reisen

  • -Aktualisiert am

Der Kühle des Nordens Bild: Hersteller

Die Kühle des Nordens trifft auf die Hingabe zur Verarbeitung, den Willen zur Perfektion und den Mut zur Leistung. Den neuen Volvo S80 hat Michael Kirchberger kennen gelernt. Ein Fahrtbericht.

          4 Min.

          Aus Schweden kommen Ikea, der Nobelpreis, Elche und Köttbullar. Und natürlich Saab, Scania und Volvo. Die drei Fahrzeughersteller tragen den Namen des Landes in die Welt. Volvo ist seit einigen Jahren bei Mutter Ford untergekommen und fühlt sich dort ausgesprochen wohl - im Gegensatz zu Saab bei GM. Beim Lasterbauer Scania weiß man schon, warum man mehrheitlich schwedisch bleiben will.

          Doch zurück zu Volvo. Deren jüngstes Produkt ist die große Limousine S80, und man hat ihr eine ganze Reihe skandinavischer Tugenden mit auf den Weg gegeben. Die Kühle des Nordens trifft im neuen S80 auf die Hingabe zur Verarbeitung, den Willen zur Perfektion und den Mut zur Leistung. Ein neuer Reihensechszylinder, vorn quer eingebaut, säuselt unter der Haube. Er liefert 175 kW (238 PS) und verleiht dem frontgetriebenen, mit einem automatischen Getriebe ausgestatteten Volvo vorzügliche Eigenschaften für weite Reisen.

          Weg vom Kastenbrot-Design

          Die Form des S80 hat kaum mehr Ähnlichkeiten mit den Kastenbrot-Design der früheren Modelle. Die Kanten sind sanften Radien gewichen, selbstbewusst und gar nicht aggressiv ist die Wagenfront gestaltet, sachte, aber mit kraftvollen Linien läuft das Dach im Heck des Viertürers aus. Der S80 ist im Vergleich mit seinem Vorgänger runder, aber der Schritt in Richtung Beliebigkeit macht ihn verwechselbar.

          Selbstbewusst und gar nicht aggressiv gestaltete Wagenfront

          Innen dominiert die klare Form. Das Armaturenbrett ist aufgeräumt und schnörkellos, die Echtholz-Intarsien der Ausstattungsversion Summum setzen Akzente, das cremebeigefarbene Leder der Polsterung macht den S80 auffällig. Die Vordersitze sind rutschfest und vorn obendrein mit Heizung und Belüftung ausgestattet. Für die elektrische Verstellung verlangt Volvo 670 Euro, der Chauffeur findet so, hilfreich unterstützt und mit Hilfe eines sowohl horizontal als auch axial verstellbaren Lenkrads, eine angenehme und langstreckentaugliche Position. Genügend Raum findet sich aber auf allen Sitzplätzen. Kopf, Ellenbogen, Knie und Füße ecken nirgendwo an. Sogar auf dem sonst undankbaren dritten Platz in der Mitte der Rückbank lässt es sich ein Weilchen aushalten. Ablagen gibt es, allerdings nicht in der von uns gewünschten Menge. Schnell sind die Fächer gefüllt, in den Türtaschen bleibt zwar noch Raum, dessen Nutzung jedoch eine gewisse Unordnung mit sich bringt.

          Müheloser Start per Knopfdruck

          Der Kofferraum des S80 fasst 480 Liter. Das ist kein überdurchschnittliches Volumen in dieser Klasse, aber dank einer weit aufschwingenden Kofferraumklappe und plan geformten Verkleidungen lässt sich Gepäck mühelos verstauen. Tragetaschen können an den serienmäßigen Haken an den Wänden sicher befestigt werden, außerdem ist Durchladen möglich. Die Verarbeitung zeigt selbst hinter den Kulissen keine Nachlässigkeiten, unter der soliden Matte des Kofferraums geht es nicht weniger ordentlich zu als hinter den seitlichen Verkleidungen. Auf ein vollwertiges Ersatzrad muss der S80-Fahrer allerdings verzichten. Er hat die Wahl zwischen einem Reifendichtmittel mit Kompressor und einem Notrad.

          Gestartet wird der Motor mit einem Knopfdruck. Mühelos springt er an, dreht mit kraftvollem Klang und dennoch leise im Leerlauf. Die Instrumente liegen mit vorbildlich gut ablesbaren Skalen bestens im Blick, die Abwesenheit einer Kühlmittel-Temperaturanzeige fällt allerdings auf. Mit sanftem Nachdruck will der Wahlhebel der Automatik in die gewünschte Position gebracht werden, und dann entfaltet die 3,2-Liter-Maschine jene so geschätzten, weil kultivierten Eigenschaften, wie sie nur ein Reihensechszylinder bieten kann. Der seidige Lauf wird allerdings nicht wie beim Wettbewerber BMW schon bei niedrigen Tourenzahlen von beeindruckender Kraftentfaltung begleitet. Der kompakte Motor will höher gedreht werden, wenn es zügig vorangehen soll. Gut 3000 Umdrehungen in der Minute sollen es schon sein, darüber mischt sich ein rauher Unterton in den Maschinenklang, er verspricht nicht zu viel über das Beschleunigungsvermögen des S80.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Keine harmlosen Helfer für lästige Alltagsdinge, sondern schleichende Eroberer unseres Willens

          KI und Datenhoheit : Wie wir schleichend unseren freien Willen aufgeben

          Die „Leibeigenen“ des 21. Jahrhunderts sind wir: Der französische Philosoph Gaspard Koenig bereist und analysiert die Welt der Künstlichen Intelligenz. Am Ende gibt es nur eine Rettung: Dateneigentum.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.