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Fahrtbericht : Vier offene Sitze zwischen Vergangenheit und Gegenwart

  • -Aktualisiert am

Fünf Jahre nach dem ersten New Beetle jetzt auch das Cabrio Bild: AP

Es gibt mehr Unterschiede zwischen dem alten Käfer und dem New Beetle Cabrio als nur eine verbesserte Heizung. Die Erinnerung an charmante Mängel und bessere Zeiten bleibt trotzdem bestehen.

          Kein Kind von Traurigkeit ist dieses Auto. Schwarz lackiert wirkt es auch nicht unseriös, aber dem New Beetle von Volkswagen in seiner offenen Form wohnt eine grinsende Fröhlichkeit inne, die herausfordernd ist und arrogant sowie etwas einfältig wirkt. Es fehlte nur das Boxermotorknattern des Urahns Käfer, um voll die Erinnerung an jene Zeit zu wecken, in der wohl jeder zweite Führerscheinneuling in Deutschland mit Heckantrieb und schlechter Heizung unterwegs war.

          Nach der Einführung der mit weichen Linien der knubbeligen Urgestalt nachempfundenen Limousine im Januar 1998 widmet sich VW nun einer Spezialität. Seit diesem Frühjahr gibt es das Rundstück in einer Cabrio-Version, und deren Aufmerksamkeitsfaktor liegt einige Punkte über dem der fast alltäglich gewordenen, geschlossenen Version. Und mehr noch gilt für den 22.025 Euro teuren, zur Zeit einzigen offenen VW, was einst an dieser Stelle zur geschlossenen Version gesagt wurde: Er ist keine Reinkarnation der Legende, sondern ihre Karikatur.

          Wahres Cabrio-Erlebnis

          Doch die Form weckt Sympathie, wenngleich sie weniger der Funktion als dem Vorbild folgt. Ihr Luftwiderstandsbeiwert ist längst überholt, es klafft der Spalt zwischen Design-Mühen und vorgegebener Gestaltungspflicht. Ein sich weit zwischen dem Fahrer und der Windschutzscheibe ausdehnendes Armaturenbrett ist kein geliebtes Gestaltungsmerkmal. Wenn es obendrein aus billig wirkendem Kunststoff gefertigt wird, ist die Enttäuschung doppelt groß. Die Sitze dagegen erfreuen mit langen Beinauflageflächen und angenehm straffer Polsterung. Im Cabrio ist der Lederbezug dringend angeraten, 1.515 Euro Aufpreis will VW dafür. Ein angenehmes Detail sind die serienmäßig elektrisch betätigten Fensterheber vorn und hinten. Da sie die hinteren Scheiben vollständig in der Seitenwand verschwinden lassen, entsteht wahres Cabrio-Gefühl beim Offenfahren.

          Fröhliches Cabrio für frisches Fahrgefühl

          Das Zweiliter-Ottotriebwerk mit 85 kW (115 PS) ist die stärkste zur Zeit in Europa erhältliche Motorisierung des VW Cabrios, nur für den Verkauf in den Vereinigten Staaten ist ein Motor mit 110 kW (150 PS) vorgesehen, dafür kann sich die Alte Welt zusätzlich für einen Turbodiesel mit 74 kW (100 PS) entscheiden. Doch der Benzin-Vierzylinder kommt dank des hinreichenden Drehmoments (172 Newtonmeter bei 3200 Umdrehungen in der Minute) noch gut klar mit dem 1,4 Tonnen schweren Wagen. Ein BMW Z4 hat etwa das gleiche Gewicht. 11,7 Sekunden braucht der Motor für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h. 184 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich, die Fahrleistungen beziehen sich freilich auf Messungen mit geschlossenem Dach, bei geöffneter Haube sinken die Werte spürbar.

          Feiner Zwirn mit klassischen Käfer-Merkmalen

          Der Treibstoffverbrauch dagegen steigt. Schon die Limousine ist mit einem Konsum von 8,8 Liter Super für 100 Kilometer kein Sparbrötchen (F.A.Z. vom 16. Februar 1999), das Cabrio legt noch eins drauf und verlangt 9,1 Liter Sprit im Durchschnitt. Das ist fern einer zeitgemäßen Zurückhaltung, kann aber kaum verwundern, denn der offene New Beetle bringt fast 130 Kilogramm mehr auf die Waage als die geschlossene Karosserieform. Das bremst die Agilität und steigert den Konsum. Aber das Mehrgewicht, es sind vor allem Bauteile, die der Karosserie die durchs fehlende Stahldach verlorengegangene Steifigkeit wiedergeben, ist nutzbringend. Denn bei jedweder Unebenheit bleibt das Beetle-Cabrio straff, kein Zittern geht durchs Blech und der Wagen rollt gleichermaßen unbeirrbar geradeaus oder spurstabil durch die Kurven. Allein Seitenwind mag der VW nicht, egal ob geschlossen oder offen, die seitliche Bö zwingt seinen Fahrer zur kräftigen Kurskorrektur.

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