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Fahrtbericht : Viel Auto für gar nicht so viel Geld

Er spricht die Formensprache eines rustikaleren Geländewagens - aber das tut er gut Bild: Hyundai

Schon für 25.790 Euro zu haben: der Hyundai Terracan. Als Geländewagen überzeugt er jedoch nicht nur durch den Preis. Für einen guten Eindruck sorgen ebenso Funktionalität und ein hochwertiger Motor.

          Neue Autos werden teurer und teurer, was kann man dagegen tun? Eigentlich nichts, manche kaufen einen Geländewagen, da gibt es wenigstens viel Blech fürs Geld. Nicht umsonst hat dieses Segment im vergangenen Jahr im rückläufigen Markt um fast 20 Prozent zugelegt. Doch von nichts kommt nichts. Ausgewachsene Off-Roader vom Schlage eines Mercedes-Benz ML, BMW X5, VW Touareg oder eines Mitsubishi Pajero kosten mindestens 40.000 Euro. Da bleibt vielen, die mit einem großen und üppigen Auto liebäugeln, die Luft weg - oder sie beschäftigen sich mit dem Hyundai Terracan. Dieser zeigt seit gut einem Jahr, daß er bei Statur und Motorisierung mithalten kann. Und das alles zu einem Preis von 29.850 Euro in der üppigen GLS-Ausstattung (die abgespeckte Variante, der unter anderem die Klimaanlage fehlt, kostet gar nur 25.790). Wo ist der Haken?

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zunächst in der geringen Strahlkraft der Marke. Der Hersteller aus Korea hat sich zwar in Deutschland bestens etabliert, einen hohen Wertverlust beim Wiederverkauf muß man dennoch einkalkulieren. Läßt man das beiseite, kann man den Terracan durchaus in die engere Wahl ziehen. Er spricht zwar die einfache Formensprache eines rustikaleren Geländewagens, aber das tut er gut. Beim ersten Kontakt fällt nur sofort auf, daß die Heckklappe nicht weit genug nach oben schwingt. 1,70 Meter Abstand zum Boden sind viel zuwenig, da stößt man sich schnell den Kopf.

          Qualitätsmotor aus dem Hause Hyundai

          Nichts auszusetzen hat man an den Qualitäten des Motors, er bietet 110 kW (150 PS) aus 2,9 Liter Hubraum und, bei einem Geländewagen noch wichtiger, ein sattes Drehmoment von 333 Newtonmeter bei 2.000 Umdrehungen in der Minute (300 Nm sollten es mindestens sein, besagt eine Faustregel unter Off-road-Fans). Der von Hyundai selbst entwickelte Vierzylinder-Motor steht als Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung (vom Zulieferer Delphi), vier Ventilen je Zylinder, Ladeluftkühlung und Leichtmetall-Zylinderkopf vergleichbaren Aggregaten anderer Hersteller zumindest auf dem Papier in nichts nach. Und auch in der Praxis erweist sich der Diesel - ein anderer Motor ist für den Terracan nicht im Angebot - als munterer Zeitgenosse, der allerdings die Passagiere über sein Arbeitsprinzip nicht im Ungewissen läßt. Über die Gebühr laut wird das Triebwerk jedoch keinesfalls, lediglich nach dem Kaltstart bei Minustemperaturen nagelt es kräftig los. Sonst gefällt die Maschine mit einem kräftigen Durchzug, die Elastizität in den großen Gängen ist vorbildlich.

          Der  Federungskomfort ist nicht der einer modernen Limousine

          Nicht ganz so erfreulich ist der Umgang des Selbstzünders mit dem Kraftstoff. Ein Verbrauch von 12,3 Liter Diesel im Schnitt auf 100 Kilometer ist zuviel. Immerhin: Hyundai verspricht einen Wert von 10,5 Liter für 100 Stadt-Kilometer. Das kommt unserer Erfahrung nach dem Verbrauch im gemischten Betrieb ziemlich nahe. Und unlängst fuhr das Fachmagazin "alles allrad" einen Terracan mit 10,2 Liter auf 100 Kilometer. Vielleicht hatte unsere Redaktion ein besonders durstiges Exemplar erwischt - obendrein war es kalt und sicher halfen schnelle Autobahnetappen nicht, den Schnitt zu drücken.

          Sieht man von dem zu hohen Verbrauch ab, kann man den Motor nicht genug loben. Die Antriebseinheit des Hyundai ist sicher auf der Höhe der Zeit. Vom übrigen Fahrverhalten läßt sich das aber nicht sagen. Da ist der Terracan nämlich ganz das, was er ist - ein Geländewagen im eigentlichen Wortsinne. Das heißt, der Federungskomfort ist mäßig und hält einem Vergleich mit einer modernen Limousine in keinster Weise stand. Sicher, der Wagen ist kein Pistenhoppler wie ein alter Jeep oder Land Rover, aber die Passagiere spüren schon genau, in welchem Zustand sich der Straßenbelag befindet, der momentan unter die Räder genommen wird. Dazu kommen die ausgeprägte Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven und eine Tendenz zum Übersteuern, die an einen alten Opel Kadett B erinnert. Meistens wird der Terracan nämlich nur über die hinteren Räder angetrieben, und Hinterradantrieb bleibt eben Hinterradantrieb, und wenn wenig Last auf der Hinterachse ist, wischt das Heck bei nasser Straße eben weg, wenn zügig um die Ecke gefahren wird. Ein ESP gibt es nicht, wohl aber ABS (und zwei Airbags). Die Bremsleistung ist nicht überragend, aber für einen Geländewagen akzeptabel.

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