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Fahrtbericht Toyota Land Cruiser 100 V8 Executive : Koloß mit viel Platz und großem Durst

Mächtiger Bursche: Toyota Land Cruiser 100 Bild:

Neben ihm sehen fast alle anderen Geländewagen aus wie Spielzeug: Der Toyota Land Cruiser 100 ist ein mächtiger Bursche mit knapp fünf Meter Länge, fast zwei Meter Höhe und Breite und einem Leergewicht von exakt 2,5 Tonnen.

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          Neben ihm sehen fast alle anderen Geländewagen aus wie Spielzeug: Der Toyota Land Cruiser 100 ist ein mächtiger Bursche mit knapp fünf Meter Länge, fast zwei Meter Höhe und Breite und einem Leergewicht von exakt 2,5 Tonnen. Zwei Wochen waren wir mit ihm unterwegs, sind zu Terminen nach München und sogar nach Paris gefahren, haben den riesigen Toyota im Alltag bewegt und dabei mehr als 500 Liter Superbenzin durch die elektronisch geregelte Multipoint-Einspritzung gejagt. Ein Durchschnittsverbrauch von 18,7 Liter auf 100 Kilometer ist kein Ruhmesblatt, bei dem hohen Gewicht, dem permanenten Allradantrieb nebst Automatik und dem leistungsstarken V8-Motor (4,7 Liter Hubraum) aber auch zu erwarten. Wem das zu viel ist, der braucht jetzt nicht weiterzulesen, oder er entscheidet sich für den ebenfalls angebotenen Sechszylinder-Turbodiesel, der aus 4,2 Liter Hubraum zwar weniger Leistung (150 kW/204 PS statt 175 kW/238 PS), aber mit 430 Newtonmeter Drehmoment beinahe ebensoviel Kraft schöpft wie der V8 (434 Nm).

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          An das wunderbare Säuseln eines V8 wird der Diesel aber nicht herankommen. Der Land Cruiser ist eines der Autos, an dessen Lenkrad man sich wie ein Kapitän der Landstraße fühlt, nur daß man eine schnellere Gangart wählen kann. Der mächtige Motor verleiht dem Toyota einen souveränen Auftritt, in der Stadt kann man bei 50 km/h mit 1000 Umdrehungen je Minute dahinrollen, auf der Autobahn lassen sich die 2,5 Tonnen bis auf 180 km/h beschleunigen. Dann läuft der große Wagen bei rund 3800/min sanft in einen Tempobegrenzer. Trotz der hohen Masse ist der Antritt des Toyota vehement, in weniger als elf Sekunden ist aus dem Stand die 100-km/h-Marke passiert.

          Das Automatikgetriebe (Schaltung wird im V8 nicht angeboten) harmoniert prächtig mit der Maschine, Gangwechsel sind so gut wie nicht zu spüren, ein zweites Schaltprogramm gibt es nicht, wohl aber die Möglichkeit, in der zweiten Stufe anzufahren. Auch dank der bequemen und vielfältig (elektrisch) verstellbaren Sitze ist das Dickschiff ein prima Reiseauto, solange die Straßen nicht zu schlecht werden.

          Zwar bietet der immer noch in klassischer Bauweise gefertigte Toyota (Leiterrahmen, Starrachse hinten) durchaus Fahrkomfort, doch wieviel besser Personenwagen federn, merkt man erst, wenn man einen direkten und unmittelbaren Vergleich hat. Vor allem auf der Autobahn verwischen die Unterschiede, da ist das höhenverstellbare Fahrwerk mit regelbarer Dämpfungscharakteristik (vier Stufen) am besten aufgehoben. Wir fuhren immer mit "soft".

          Auf der Landstraße mahnen schon die schiere Größe und die hohe Sitzposition zu einer vorsichtigeren Gangart, die Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven ist die beste Erinnerung, nicht zu übermütig zu werden. Wer mit dem dicken Geländewagen sportlich fährt, ist selbst schuld, dafür ist er nicht gebaut. Aber für den Ausflug ins schwere Gehölz: Die Bodenfreiheit läßt sich um 5 auf 27 Zentimeter erhöhen. Um das Einsteigen zu erleichtern, kann sie auf 17 Zentimeter gesenkt werden. Abseits befestigter Wege bietet der Toyota mit Untersetzungsgetriebe samt Sperre des Zentraldifferentials und sperrbarem Hinterachsdifferential (auf Knopfdruck) beste Voraussetzungen fürs So-weit-wie-möglich-Durchkommen. Der Allradantrieb erfolgt permanent, man muß sich nicht darum kümmern. Die Untersetzung läßt sich nur im Stand einlegen.

          Traktion ist eigentlich immer vorhanden, dank einer elektronischen Schlupfregelung. Die Elektronik kümmert sich außerdem um die Kurvenstabilität. Daß sie ein mögliches Über- oder Untersteuern verhindert, wie im Pressetext behauptet, ist natürlich Unsinn. Noch gilt für Toyota wie für alle anderen die Physik: Wer zu schnell ist, fliegt raus. Gegen die Physik können auch die Bremsen nicht arbeiten. Sie werden zwar überraschend gut mit dem hohen Gewicht fertig, aber der Bremsweg ist doch länger als bei einem leichteren Personenwagen. Wie Studien aus Amerika zeigen, sind Geländewagen keineswegs sicherer. Das Risiko, tödlich zu verunglücken, ist sogar höher. Aber darauf kommt es nicht an, Hauptsache, man fühlt sich sicher, und das tut man. Denn gekauft wird der Land Cruiser 100 in unseren Breitengraden wahrscheinlich nur wegen seiner mächtigen Statur, die Eigenschaften als Zugfahrzeug (3,5 Tonnen Anhängelast) sowie die als Transportfahrzeug gibt es dazu.

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