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Fahrtbericht Toyota Avensis : Verbürgte Qualitäten jenseits des Designs

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Avensis klingt in deutschen Ohren immer noch wie der Name eines Pharma-Unternehmens. Heilkräftig an diesem Toyota ist allenfalls seine Problemlosigkeit, denn der Japaner hat kaum Schwächen. Doch sein Erscheinungsbild als graue Maus begeistert nicht.

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          Ein veritabler Erfolg ist Toyotas Mittelklasse in Deutschland noch nie gewesen. Während die Kundschaft dem kleinen Yaris - 2008 auf Platz 30 der Zulassungsstatistik -, dem Golf-Konkurrenten Auris (Platz 42) und dem Winzling Aygo (Platz 66) einigermaßen wohlwollend entgegentritt, macht sie sich aus dem Avensis weit weniger: Er kommt nur auf Platz 83.

          Dieses Schicksal teilt das Modell zwar mit vielen Importwagen seiner Statur, aber es muss den großen japanischen Hersteller doch schmerzen, dass sein 4,70-Meter-Auto hinter seinen deutschen Wettbewerbern so weit zurücksteht - zumal es ein waschechter Europäer aus den britischen Werken von Toyota ist.

          Graue Maus ohne Chancen

          Ein Teil des Problems mag, zumindest beim Vorgänger des seit Januar angebotenen aktuellen Modells, das wenig mitreißende Design gewesen sein. So tugendhafte graue Mäuse haben derzeit nur geringe Chancen in einem Land, das Autos vorwiegend mit den Augen kauft.

          Das beherzigend, hat Toyota dem Neuen eine Prise mehr Schwung mitgegeben. Die Karosserie wirkt angenehm und glatt, doch vom Mainstream des Designs wagt sie sich nicht zu entfernen.

          Klappernde Kopfstützen dank Renditedruck

          Nun hat der Avensis noch andere, verbürgte Qualitäten. Er gilt als unkaputtbar, ein Musterknabe in allen Pannen- und TÜV-Prüfstatistiken, Spitzenreiter in vielen Umfragen zur Kundenzufriedenheit. Der Wartungsaufwand ist gering, die Reparaturkosten sind tragbar. Die Verarbeitungsqualität gilt, an den Möglichkeiten der Großserie gemessen, als vorbildlich.

          Dass aber auch die Japaner unter Renditedruck stehen, wurde an dem Avensis 2.0l D-4D deutlich, dem wir uns jetzt für zwei Wochen anvertrauten: Klappernde Kopfstützen und abfallende Sitzschienen-Kunststoffteile hätte es früher bei Toyota nicht gegeben. Organische Leiden ließ der Wagen dagegen erwartungsgemäß nicht erkennen und rückte das Markenbild wieder gerade.

          Bei 4,70 Meter stehengeblieben

          Der Avensis ist dem auch in der Mittelklasse grassierenden allgemeinen Längenwachstum nicht gefolgt und bei 4,70 Meter stehengeblieben. Doch selbst das sind fünf Zentimeter mehr als bei seinem Vorgänger, bei unverändertem Radstand.

          Er macht aus diesen Grundmaßen eine ganze Menge, und allenfalls kann man bedauern, dass Toyota die frühere Heckklappen-Version wegrationalisiert hat und man nur noch zwischen Stufenheck-Limousine und Kombi wählen kann.

          Kofferraum schlecht beladbar

          Bei jener sind die Lademöglichkeiten erheblich eingeengt, denn die ansehnlichen 509 Liter Kofferraum, die sich mit dem Fehlen eines Reserverads erklären, sind nur durch eine recht enge Klappe und über die Hürde einer mehr als 70 Zentimeter hohen Bordkante zu erreichen.

          Für Skier oder Bohnenstangen gibt es eine Durchladeöffnung, für massigeres Transportgut kann man die Sitzbanklehne geteilt umlegen, zu einer gestuften und ansteigenden Staufläche. Wen diese Einschränkungen bei seinem Lebensentwurf stören, dem bietet sich der Kombi an, der einen Tausender Aufpreis kostet, noch einmal sieben Zentimeter länger ist und bis zu 1610 Liter einpacken kann.

          Einsteigen ohne Verrenkungen

          Von den Abmessungen her ist auch im Innenraum der Limousine keine Not. Hinten findet man trotz des modisch abgesenkten Dachs sattsam Kopfhöhe vor, allerdings um den Preis eines zu knappen Bodenabstands der Bank, und der Knieraum genügt selbst stattlichen Figuren.

          Erfreulich zudem, dass die Breite gut für drei Personen ausreicht - der dritte Platz krankt nur an zu geringer Tiefe - und dass der weithin übliche Mitteltunnel hier fehlt. Auch das Einsteigen gelingt ohne unziemliche Verrenkungen und sogar etwas bequemer als vorn, wo der Türausschnitt zum Einziehen des Kopfes zwingt.

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