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Fahrtbericht Suzuki Swift : Klein, laut, hart, aber nicht durstig

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der japanische Kleinwagen ist kein Meister der leisen Töne, aber er verspricht immerhin ordentlichen Fahrspaß zu einem vernünftigen Preis.

          4 Min.

          Als Chauffeur eines Suzuki Swift fühlt es sich ein wenig so an, als sei man als Begleiter auf Gullivers Reisen dabei. Denn am Lenkrad des kleinen Suzuki sehen viele andere Autos riesig aus. Vielleicht hat die japanische Marke deshalb schon bei der Taufe ihrem sehr europäisch auftretenden Mini-Wagen mit Bedacht den Namen Swift gegeben.

          Die Form des nur 3,85 Meter langen Suzuki ist markant. Er war es einst, der in der Kleinwagenklasse eine sich nach hinten verjüngende Fensterlinie eingeführt hat. Die findet sich mittlerweile auch an anderen Kandidaten im Umfeld wieder, etwa am Škoda Fabia und am neuen Veloster von Hyundai.

          Design
          Mit der Erneuerung seiner Garderobe im vorigen Jahr hat der Swift nichts von seiner formalen Eigenständigkeit verloren. Zwar sind einige Kanten und Falze auf der Strecke geblieben, doch kann der Suzuki immer noch mit massigem Bug, betonten Kotflügeln und einem properen Heck sportliche Werte vermitteln.

          Der Innenraum kann da aber nicht mithalten. Graues Plastik mit nachlässig entgrateten Kanten und eine eher einfache Materialwahl bestimmen das Bild. Dagegen helfen vermeintlich hochwertige Intarsien in Klavierlack-Optik und silberne Rähmchen um die Lüftungsdüsen nur wenig.

          Bild: F.A.Z.

          Das Karosserie-Design ist für die Übersichtlichkeit außerdem von Nachteil. Die weit nach vorn gezogene Frontscheibe wird von dicken A-Säulen begrenzt, und die stehen fast als natürlicher Feind von Radfahrern und Fußgängern bei jedem Abbiege-Manöver mitten im Blickfeld des Fahrers.

          Fahrerposition
          Der findet am lederbezogenen Volant erst nach allerlei Stellungsproben eine halbwegs anständige Position. Die Polster bieten wenig Seitenhalt, und das Lenkrad lässt sich nur ein kurzes Stück weit axial verstellen. Für korrekte Armhaltung muss der Sitz weit nach vorn gerückt werden, dann aber wird der Abstand zur Pedalerie sehr knapp und fast schon unkomfortabel.

          Auf längeren Strecken führt das schon mal zu Verspannungen. Gut ablesbare Instrumente und ein umständlich zu bedienender Bordcomputer mit den Daten über Reichweite, durchschnittlichen und aktuellen Verbrauch und Fahrtstrecke melden den Stand der Dinge.

          Raumangebot
          Das Raumangebot des kleinen Suzuki ist überraschend gut. Auch die hinteren Türen sind groß geschnitten. Sie gewähren Einlass in einen Fond, in dem sogar stämmigere Figuren bequem sitzen. Für Kopf und Beine herrscht eine gewisse Großzügigkeit.

          Kofferraum
          Das Volumen des Kofferraums von wenigstens 211 Liter geht für einen Kleinwagen ebenfalls in Ordnung, wer die Lehnen der Rückbank asymmetrisch geteilt nach vorn klappt, erhöht das Volumen auf 902 Liter. Das aber ist nicht einfach, denn die Ladekante ragt ungebührlich weit in die Höhe, außerdem wird die Abdeckung des Kofferraums beim Öffnen der Heckklappe nicht automatisch mit nach oben gezogen.

          Der schmale Spalt reicht zum Verladen größerer Gepäckstücke nicht. Störend ist zudem die hohe Stufe zwischen Kofferraumboden und der geklappten Rückbank, das haben andere besser gelöst.

          Motor
          Als Diesel mit 1,3 Liter Hubraum und 55 kW (75 PS) ist der Swift nur mit der Club-Ausstattung und vier Türen zu haben. 15.490 Euro stehen in der Preisliste, wobei durchaus Gegenwert geboten wird. So leistet sich der Swift den Luxus eines schlüssellosen Startsystems, der Diesel springt auf Knopfdruck mit vernehmlichem Knurren an. Im Leerlauf ist seine Geräuschentwicklung noch erträglich, bei etwa 3000 Umdrehungen je Minute jedoch entwickelt er ein kräftiges Dröhnen, die Karosserie gibt sich dabei als üppiger Resonanzkörper.

          Getriebe
          Dass diese Drehzahl im größten und fünften Gang des leicht zu schaltenden, manuellen Getriebes schon bei Tempo 130 anliegt, macht das Reisen nicht angenehmer. Windgeräusche und laut rumpelndes Abrollen der Reifen auf ihren 15-Zoll-Rädern erschweren die Unterhaltung an Bord zusätzlich.

          Beschleunigung
          Dafür legt der Vierzylinder ein ordentliches Durchzugsvermögen an den Tag. 190 Newtonmeter Drehmoment liefert das Triebwerk als Spitzenwert bei 1750/min, schon bei geringerer Drehzahl, ab etwa 1400/min, steht genügend Kraft zum beherzten Zwischenspurt bereit. Eine kurze Achsübersetzung sorgt dafür, dass zu keiner Zeit Anfahrschwächen zu bemerken wären, lässt aber bei schnellerer Fahrt den Wunsch nach einem sechsten Gang keimen.

          Verbrauch
          Doch auch ohne diesen bleibt der Dieselverbrauch im Rahmen. Selbst bei eiligsten Autobahnfahrten bleibt der maximale Konsum unter sieben Liter für 100 Kilometer, 3,8 Liter als niedrigsten Wert zu erreichen gelingt mühelos. Das ist aller Ehren wert.

          Lenkung
          Einflüsse des Antriebs auf die Lenkung sind nicht zu spüren. Sie spricht eher direkt an, vermittelt ein gutes Gefühl für das Traktionsvermögen der Vorderräder und verleiht dem Diesel-Swift beachtliche Agilität. Ganz kann diese mit der Kurvenwilligkeit der Benzinversionen oder gar eines Mini nicht mithalten. Der Selbstzünder liegt eben deutlich schwerer auf der Vorderachse als ein Ottomotor. Aber der 1120 Kilogramm wiegende Suzuki flitzt zielgenau und flink um die Kurven, die Karosserie zeigt sich verwindungssteif und pflegt selbst in scharf gefahrenen Radien den aufrechten Gang.

          Bremsen
          Beim Bremsen gilt es feinmotorische Fußarbeit zu beherrschen. Der nur ungenau definierte Druckpunkt des Pedals führt bisweilen zu ungewollt heftigen Verzögerungen, was vor allem die Passagiere in Mitleidenschaft zieht. Immerhin zeigt sich die Anlage selbst bei beherzter Talfahrt standfest und erledigt ihre Aufgabe ohne lästiges Rubbeln.

          Federung
          Kompromissbereit muss der Swift-Fahrer beim Federungskomfort sein. Das muntere Fahrverhalten erkauft sich der Wagen mit einer strammen Abstimmung von Federn und Dämpfern, er schüttelt seine Passagiere kräftig durch, wenn die Fahrbahn nicht so glatt wie eine frisch präparierte Skipiste ist.

          Ausstattung
          Der Swift ist als „Club“ (die mittlere von drei Ausstattungsvarianten) gut bestückt. Da finden sich so ungewöhnliche Posten wie Sitzheizung vorn (die nur einstufig ist, aber schnell auf Temperatur kommt) oder ein Lichtassistent (der sich mit dem Einschalten der Scheinwerfer im Tunnel freilich zu viel Zeit lässt).

          Elektrische Fensterheber gibt es rundum und eine Klimaanlage außerdem. Die arbeitet allerdings nicht zugfrei, irgendwo fächelt immer ein eisiger Luftstrom um Beine oder Hände, gleichgültig, wie man die Lüftungsdüsen auch einstellt. Für Unterhaltung unterwegs sorgt das Radio mit CD-Spieler, das sich über Lenkradtasten bedienen lässt und über einen USB-Anschluss die Musikauswahl vom iPod wiedergeben kann.

          Das ESP gibt es serienmäßig, zudem sieben Airbags, darunter sogar einen für diese Klasse ungewöhnlichen Prallbeutel für die Knie des Fahrers. Und wer möchte, kann seinen Swift noch mit einer ganzen Reihe von Accessoires auf den persönlichen Geschmack abstimmen. Zierleisten, Dekorstreifen und gleich fünf unterschiedliche Leichtmetallräder-Designs werten den Kleinwagen auf. Der Wunsch nach jugendlicher Ausstrahlung lässt sich so leicht erfüllen, auch wenn das Sortiment den Kaufpreis schnell in Höhen treibt, die für so manche junge Käufer unerschwinglich sind.

          Die optionale Metallic-Lackierung kostet vergleichsweise moderate 390 Euro und ist in acht verschiedenen Farbtönen zu haben. Wer dieses Geld nicht ausgeben will, der kann sich wahrscheinlich schnell entscheiden: Er hat nämlich nur noch die Wahl zwischen Weiß und Rot. Da empfindet Swifts Gulliver nicht nur die Größe anderer Autos, sondern auch den Kaufpreis als eher hoch.

          Daten und Messwerte

          Empfohlener Preis 15.480 Euro
          Preis des Testwagens 15.860 Euro

          Vierzylinder-Dieselmotor, Turboaufladung, vier Ventile je Zylinder, 1284 Kubikzentimeter Hubraum

          Leistung 55 kW (75 PS) bei 4000/min

          Höchstes Drehmoment 190 Nm bei 1750/min, 90 Prozent davon ab 1500 bis 3000/min

          Manuelles Fünfganggetriebe

          Antrieb auf die Vorderräder

          Länge/Breite/Höhe 3,85/1,7/1,51 Meter

          Radstand 2,43, Wendekreis 9,6 Meter

          Leergewicht 1065 (tatsächlich 1120) zulässiges Gesamtgewicht 1560, Anhängelast 900 Kilogramm, Kofferraumvolumen 211 bis 902 Liter

          Reifengröße 175/65 R 15 84 H

          Höchstgeschwindigkeit 165 km/h

          Von 0 auf 100 km/h in 12,7 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 10,7/14,9 s

          Verbrauch 3,8 bis 6,8 im Durchschnitt 4,8 Liter Diesel je 100 km; 109 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,2 Liter; Tankinhalt 45 Liter

          Versicherungs-Typkl. HP 16, TK 20, VK 20

          Garantie drei Jahre oder 100.000 Kilometer, auch Mobilität, 12 Jahre gegen Durchrostung, Inspektion jährlich oder alle 15.000 Kilometer

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