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Fahrtbericht Subaru Legacy Kombi 3.0 R Comfort : Mehrere Herzen in der Brust

In Deutschland stark unterschätzt: Subaru Bild: Hersteller

Mit dem „SI-Drive“ bietet Subaru eine Neuheit in der Autowelt. Dank dieser neuen Motorsteuerung fährt sich der Subaru Legacy Kombi 3.0 R Comfort tatsächlich so, als hätte er verschiedene Motoren unter der Haube.

          Subaru ist wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Automarke auf dem deutschen Markt. Die Jungs bauen tolle, solide und inzwischen ansehnliche Autos, nur kaum einer merkt es. Das Jäger-und-Förster-Image, das man sich einst einhandelte, lässt sich nicht so leicht abstreifen, und auf die Hälfte der Kunden verzichtet Subaru mehr oder minder freiwillig, schlicht deswegen, weil es keinen Dieselmotor im Angebot gibt. Das soll sich zwar bald ändern, ein hauseigener Selbstzünder ist fast fertig entwickelt (ein Boxer-Aggregat wie alle Subaru-Triebwerke), doch noch ist es nicht so weit.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber auch ohne Diesel hat Subaru bemerkenswerte Fahrzeuge zu bieten. Nein, jetzt soll nicht die Rede vom brandneuen Geländewagen Tribeca sein (Fahrtbericht folgt), sondern vom Legacy 3.0: sechs Zylinder, 245 PS, sattes Drehmoment, Allradantrieb, Automatik. Schon in unserem großen Fahrtbericht vor drei Jahren (17. Februar 2004) waren wir voll des Lobes über den Wagen.

          Wie drei verschiedene Motoren

          Dass er jetzt schon wieder an dieser Stelle steht, hat weniger mit der leichten Modellpflege zu tun, die Subaru dem Legacy inzwischen angedeihen ließ, auch ist der Motor immer noch der Gleiche. Aber er hat jetzt „SI-Drive“. So nennt Subaru eine neuentwickelte Form der Motorsteuerung, die es dem Fahrer möglich machen soll, mit drei verschiedenen Triebwerks-Temperamenten unterwegs zu sein. Das SI-System (SI für Subaru Intelligent) greift über die Motorsteuerung in den Aufbau von Leistung und Drehmoment ein, verändert das Ansprechverhalten auf Gaspedalbewegungen und bindet das Automatikgetriebe ein. Dadurch soll die Maschine im sogenannten „Intelligent Mode“ besonders komfortabel und sparsam laufen, sich im „Sport Mode“ eher leistungsorientiert geben und im „Sharp Sport Mode“ mit einer noch agileren und aggressiveren Leistungsabgabe auftreten.

          Nur schwer abstreifbares Jäger-und-Förster-Image

          Und Subaru verspricht nicht zu viel. Das Auto fährt tatsächlich so, als hätte es verschiedene Motoren unter der Haube: im Sparprogramm einen eher trägen und ruhigen, im Sportprogramm einen aggressiven und fordernden, und schließlich setzt „Sport Sharp“ dem noch eins drauf, wobei der Unterschied zwischen diesen beiden Programmen nicht sehr groß ist. Beide Male wird das Drehmoment von fast 300 Newtonmeter voll ausgeschöpft, bei „Sharp“ steigt die Drehzahlkurve nur steiler. Bei unseren Beschleunigungsmessungen waren keine größeren Differenzen festzustellen.

          Gar nicht sparsames Sparprogramm

          Wohl aber zwischen Sport und Spar: Da die Automatik auch bei Kickdown nicht zurückschaltet, solange man im manuellen Modus fährt, konnte trotz Automatik der übliche 50-bis-100-km/h-Beschleunigungstest in den großen Gängen absolviert werden. So benötigt der Legacy in der vierten Stufe im Sparmodus für diese Prozedur 15,8 Sekunden, in Sport sind es nur 10,8. In der fünften Stufe lautet das Verhältnis 19,0 zu 13,1. Selbstverständlich geht auch der Spurt von 0 auf 100 km/h in „Sport“ schneller vonstatten: 7,9 statt 10,6 Sekunden. Wählen kann man den Modus mit einem Drehschalter an der Mittelkonsole oder über eine Taste am Lenkrad. Dort sitzen auch Paddel (hässlich!) für die manuelle Gangwahl der Automatik.

          Ob es gefällt, ein Auto mit zwei oder sogar drei verschiedenen Motorcharakteristika zu fahren, muss jeder für sich entscheiden. Den versprochenen Minderverbrauch im Sparprogramm von zehn Prozent konnten wir nicht beobachten. Im Gegenteil. Wer lange Autobahnstrecken fährt, braucht unter Umständen im Spar- sogar mehr als im Sportmodus, weil er das Gaspedal tiefer durchdrückt. Rund 200 km/h ist die Maximalgeschwindigkeit im Sparmodus, sage und schreibe 14,3 Liter Superbenzin verfeuerten wir im Schnitt auf 100 Kilometer bei eiliger Autobahnfahrt. Auf der gleichen Strecke kamen wir im Sportmodus nicht über 13,6 Liter hinaus. Beide Werte sind natürlich viel zu hoch, auch der Gesamtschnitt auf mehr als 3000 gefahrenen Kilometern ist mit 12,6 Liter kein Ruhmesblatt. Allrad und Automatik fordern ihren Tribut und natürlich die formidable Leistungskraft der Maschine. 245 PS wollen gefüttert sein. Vor drei Jahren kamen wir ebenfalls im Winter mit im Schnitt 11,3 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer aus. Der Minimalverbrauch war auch damals 9,7 Liter, diesmal erzielten wir ihn im Sparmodus und im tempolimitierten Österreich.

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