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Fahrtbericht Skoda Superb : Der Edel-Passat von nebenan

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Zur Oberklasse hin werden die Käufer immer wählerischer. In Tschechien kaufen sie dann nicht gerade häufig ein. Dabei würde sich ein Blick nach Osten lohnen. Der neue Skoda Superb übertrifft seinen Vorgänger an Länge, Breite und vor allem an Ansehnlichkeit.

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          Das waren noch Zeiten, als man wusste, was „superb“ heißt, und es auch spitzlippig mit „ü“ auszusprechen verstand. Heute sagt man „super“ oder, ganz modern, „supi“, und das Wort „superb“ findet man nur noch im Prospekt des traditionsreichen tschechischen Autoherstellers Skoda, der inzwischen zu Volkswagen gehört und das Adjektiv schon 1934 erstmals für eines seiner Produkte benutzte. Im Jahr 2001 ließ er die Modellbezeichnung wiederaufleben, und heute schmückt sie die zweite Auflage des Größten der Marke, der eng mit dem VW Passat verwandt ist.

          Diese Abkunft propagiert die selbstbewusste (und sehr erfolgreiche) tschechische Tochter freilich nicht gern, und in der Tat ist der Superb II von seinem Wolfsburger Halbbruder zumindest in allen nichttechnischen Belangen weiter entfernt denn je. Auch seinen Vorgänger übertrifft er an Länge, Breite und vor allem an Ansehnlichkeit: Mit seinen ruhigen, angenehm konservativen Linien orientiert er sich bewusst an der Oberklasse, in die er zumindest nach dem Nutzraum fast schon gehört. Zwei wesentliche Unterschiede sieht man nicht auf den ersten Blick. Zum einen trägt der Superb seine Motoren jetzt quer und nicht mehr längs eingebaut: Damit folgt er dem beim Passat schon 2005 vollzogenen Wandel. Zum anderen ist er das erste Auto der Welt, bei dem man die Wahl zwischen Kofferraumdeckel und Heckklappe hat - und zwar nicht unumkehrbar beim Kauf, sondern jeden Tag aufs Neue.

          Ein riesiger Kofferraum

          Skoda hat die höheren Kosten seines TwinDoor genannten Heckabschlusses nicht gescheut, bei dem man mit einem kurzen Griff zur Unterseite des Deckels nicht nur ihn, sondern zugleich auch das Rückfenster hochschwingen lassen und so auch sehr sperriges Gut einladen kann. Nichts ist nämlich in der Oberklasse so verpönt wie eine nach schnödem Nutzwert riechende Heckklappe - vor allem beim deutschen Käufer. Im Superb hat man sie, wenn man sie braucht, und kann sie doch im Bedarfsfall verleugnen.

          Bilderstrecke

          Keine Frage, dass die Klappe die praxisgerechtere Lösung ist als der Deckel, zumal dieser ziemlich eng geraten ist und der riesige Kofferraum 1,10 Meter weit ins Wageninnere hineinreicht. Seine gigantischen 565 Liter Inhalt lassen sich noch um 1100 vergrößern, wenn man die geteilte Rückbanklehne umlegt: Dann hat man zwar keine ebene Ladefläche, aber immerhin eine 1,93 Meter lange. Von Nachteil ist in jedem Fall die hohe Ladekante, von Vorteil die Anwesenheit eines vollwertigen Reserverads unter dem Kofferraumboden, der seinerseits faltbar und sogar herausnehmbar ist und dann eine sonst versteckte Zwischenetage ins Gesamtvolumen einbezieht.

          Keine Experimente bei den Bedienungselementen

          Mit dem Luxus geht es im Innenraum weiter. Er offenbart sorgsame Materialwahl ebenso wie tadellose Verarbeitung. Aber auch die Platzverhältnisse heben den Superb aus dem Feld der 4,80-Meter-Autos heraus. Im Fond genießt man geradezu unverschämt viel Freiheit: Fast 80 Zentimeter minimaler Knieraum erlauben entspanntes Lümmeln, 94 Zentimeter Kopfhöhe das Aufbehalten selbst ungewöhnlicher Hüte. Allerdings ist auch hier der dritte Passagier ein Stiefkind, das mit viel zu wenig Schenkelauflage und einem Gebirge von Mitteltunnel zwischen den Beinen leben muss. Vorn hat man es besser auf den mit einer Leder-Alcantara-Kombination bezogenen Sesseln, wenn man ihnen ihre überraschend geringe Breite nachsieht. Selbst sehr lange Fahrer können sich angenehm hinter dem Lenkrad einrichten.

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