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Fahrtbericht : Selbstzünder im feinsten Festgewand

  • -Aktualisiert am

Der 3er in schönster Form auf dem Höhepunkt seiner Karriere Bild:

Der 330Cd erfüllt mit Akribie die Erwartungen die man an BMW stellt: Ein kraftvoller Auftritt kombiniert mit straffen Formen, bester Qualität und dem gewohnten Aufpreis für einen guten Namen.

          Coupes gehören gewiß zur Königsklasse. Und gar nicht lang ist es her, daß ein rauher, rußender Dieselmotor in einem so fein geschnittenen Wagen nicht denkbar war. Doch der Selbstzünder ist geläutert, er bietet mehr Laufruhe als früher, seine Durchzugsstärke und ein sparsamer Verbrauch sind Eigenschaften, mit denen moderne Dieselmotoren heute erfreuen können. Der Weg unter die Haube eines Coupes ist daher so abwegig nicht. Im 3er von BMW komplettiert jetzt ein bulliger Sechszylinderdiesel die Modellpalette; er gereicht seinem Erfinder und der Riege der Konstrukteure, die ihn erheblich verbessert hat, durchaus zur Ehre.

          Die aktuelle 3er-Generation, jüngst sorgsam renoviert, steht gewiß auf der Höhe ihrer Laufbahn. Das Coupe mit der breiter gewordenen Niere, stärker akzentuierten Scheinwerfern und der geglätteten Frontschürze gewinnt an kraftvollem Auftritt, weckt die Lust auf eine Spritztour über die Boulevards der Städte oder über die romantische Straße gleichermaßen. Etwas schwer geht die Tür auf, deren Fenster sich automatisch einen Spalt öffnet, um das Schließen der Pforte gegen den Luftdruck im Innenraum zu erleichtern. Mühelos gleitet der Fahrer auf den angenehm konturierten Sitz, das weiche Leder gibt Halt und bietet auf langen Strecken einen angenehmen Klimakomfort. Elektrisch schnurrt der Sitz in die passende Position, für eine bessere Auflage der Oberschenkel kann manuell ein Polster ausgezogen werden, die Lordosenstütze läßt sich höhenvariabel mit Servomotoren in die gewünschte Stellung bringen.

          Einfach gefällig

          Den Innenraum prägt eine elegant-funktionale Ausstattung, der genarbte, dunkle Bezug der Armaturentafel harmoniert prächtig mit den Edelholzintarsien in gedeckter Farbe (420 Euro Aufpreis). Die Bedienung der einzelnen Funktionen gelingt höchst einfach, intuitiv und ohne i-Drive findet die Hand den gewünschten Knopf, besonders gefällig läßt sich die Geschwindigkeitsregelanlage mit Tasten am Lenkrad kontrollieren. Ablagen gibt es in ausreichender Zahl und in wohlbemessenem Volumen, das große Handschuhfach ist sinnvoll in einzelne Abteilungen separiert.

          In den Fond gelangen Mitfahrer aufgrund der Einstiegshilfe recht leicht. Beim Vorklappen der Rückenlehnen der Sitze für Fahrer und Beifahrer rückt der ganze Sitz nach vorn, die Kopffreiheit hinten reicht aus, der Raum zum Abstellen der Füße ist dagegen knapp. Daß die dritte Kopfstütze hinten 70 Euro extra kostet, wollen wir nicht weiter bemängeln, denn zu dritt geht es auf der Rückbank dann doch zu eng zu. Die Lehnen lassen sich ebenfalls nach vorn klappen, um das Stauvolumen des 410 Liter großen Gepäckabteils unter der glatten Klappe zu vergrößern und auch mal sperriges Gepäck mitnehmen zu können. Der vergleichsweise kleine Kofferraum ist gut nutzbar wegen der geraden Wände und glattflächigen Verkleidungen. Durch die Wahl des HiFi-Systems von Harman/Kardon (770 Euro Aufpreis) gewinnt der Klang, der Kofferraum verliert jedoch an Volumen, weil der Tieftonlautsprecher gut vier Zentimeter der Höhe unter der Ablage an der Rückscheibe stiehlt. Angenehm ist der schlanke Zündschlüssel, der auch in der Hosentasche nicht zu sehr aufträgt und dennoch alle Funktionen der Fernbedienung der Zentralverriegelung einschließlich der Kofferraumentriegelung beherrscht.

          Das Schnurren kann täuschen

          Der Diesel-Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum und 150 kW (204 PS) macht dem Coupe ordentlich Beine. Seine Durchzugsstärke ist beeindruckend, in 7,4 Sekunden schickt er den unbeladen 1540 Kilogramm schweren Wagen von 0 auf 100 km/h. Sein Arbeitsgeräusch klingt kraftvoll, niemals angestrengt, manch einer will gar sportliche Töne und ein sattes Auspuffblubbern gehört haben. Allenfalls bei niedriger Drehzahl unter 1200 Umdrehungen in der Minute gerät er ins Stottern. Der sechste Gang ist deshalb bei Stadttempo nicht zu empfehlen, der mit Common-Rail-Technik betriebene Direkteinspritzer rumpelte sonst mit weniger als 1.000/min dahin, was ihm eindeutig zuwenig für einen sauberen Lauf ist.

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