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Fahrtbericht Seat Altea : Minivan oder Sportkombi mit einer Ladung Emotion

Daß Laderaum nicht alles ist, zeigen alleine schon die Verkaufszahlen dieses Seat. Es gibt wohl eine Klientel, die goutiert, mit dem Altea den anderen Van zu fahren - oder ist der Altea ein Sportkombi? Die von Seat so beschworene Sportlichkeit nebst "Emoción" ist kein leeres Versprechen, das zeigt sich bei flotter Landstraßenfahrt. Man hat niemals das Gefühl, in einem behäbigen Van zu sitzen. Der frontgetriebene Altea fährt sich sehr agil, kennt auch in schnellen Kurven kaum Seitenneigung und ist zudem gut gefedert. Biegungen werden nonchalant genommen, das ESP muß kaum eingreifen. Die VW-Golf-Plattform, die unter der Seat-Hülle ist, leistet da ganze Arbeit. Auf ganz schlechten Strecken knorzte es allerdings in unserem Fahrzeug quasi überall. Wiederum positiv fällt die elektromechanische Lenkung auf, mit der sich der Wagen einwandfrei und äußerst genau dirigieren läßt. Beinahe noch mehr Spaß als die Lenkung macht die knackige Schaltung, die mit kurzen Wegen und Präzision eine Automatik vergessen läßt (wird für den 1,6-Liter-Motor nicht angeboten). Auch an den sehr standhaften Bremsen gibt es nichts auszusetzen.

Besonders leiser Motor

Und der Motor? Zu haben ist der Altea entweder mit 1,6- oder 2,0-Liter-Ottotriebwerk oder als TDI (1,9 oder 2,0 Liter Hubraum). Alle Triebwerke stammen aus den VW-Regalen, der kleine 1,6-Liter-Basis-Motor ist so etwas wie der Alleskönner des VW-Konzerns und findet dort zu Recht mannigfaltig Verwendung, selbst im großen VW Passat. Es werden immerhin 102 PS geboten, die aus dem Altea zwar keinen Sportwagen machen (der 2,0-Liter-Ottomotor hat 150 PS), aber flottes Vorankommen sicherstellen. Trotz des gringen Hubraums ist der Motor ziemlich elastisch und dabei recht leise, kritisieren kann man allenfalls den stark zunehmenden Appetit, wenn man das Letzte aus dem Triebwerk herausholt. Wer über weite Strecken auf der Autobahn Tacho 170 und mehr fährt, was in Anbetracht des sturen Geradeauslaufs und des tadellosen Fahrwerks ohne weiteres entspannt möglich ist, darf sich nicht wundern, wenn er auf 100 Kilometer fast 12 Liter Superbenzin verbrennt. Die tatsächliche Höchstgeschwindigkeit beträgt 180 km/h, die Kurbelwelle muß sich dafür 6000mal in der Minute drehen, da kommt der Durst nicht von ungefähr.

Wundern kann man sich aber über den leisen Lauf des Motors, selbst bei diesen Drehzahlen. Fährt man gemäßigter, also etwa Tacho 140 (bei auch schon 4500/min), sinkt der Kraftstoffbedarf auf weniger als 10 Liter für 100 km. Im Schnitt waren es bei mehr als 2200 gefahrenen Kilometern 9,7 Liter, Seat gibt für den Stadtverkehr 10,5 Liter an. Das ist nicht wenig, liegt aber daran, daß der relativ kleine Motor doch vergleichsweise viel zu schleppen hat. Der 2,0-Liter-Motor (Mehrpreis 2300 Euro) dürfte kaum mehr verbrauchen. Mit ihm oder mit den drehmomentstarken Turbodieseln wird Seats Versprechen, einen Sportvan zu bieten, sicher noch mehr erfüllt als mit dem kleinen 1,6-Liter-Triebwerk. Dem allgemeinen Trend entsprechend, entscheiden sich auch beim Altea mehr als die Hälfte der Käufer für einen Diesel. Schon der kleine ist 1900 Euro teurer als der 1,6er-Otto. Vorbildlich: Alle Motoren erfüllen Euro 4. Doch von der Entscheidung für die Antriebsquelle abgesehen, der VW-Tochter Seat ist mit dem Altea ein beachtenswerter Wurf gelungen.

Daten und Meßwerte

Empfohlener Preis 19 700 Euro Preis des Testwagens 22 910 Euro

Otto-Vierzylindermotor, zwei Ventile je Zylinder, 1595 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 75 kW (102 PS) bei 5600/min

Höchstes Drehmoment 148 Nm bei 3800/min, mindestens 90 Prozent davon ab 2100 bis 5400/min

Erfüllt Euro 4

Manuelles Fünfganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,28/1,77/1,57 Meter

Radstand 2,58, Wendekreis 10,9 Meter

Leergewicht 1320 (tatsächlich 1350), zulässiges Gesamtgewicht 1920, Anhängelast 1200 Kilogramm; Kofferraumvolumen 228/1046 Liter

Reifengröße 195/60 R 15 88 H

Höchstgeschwindigkeit 180 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,8 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 12,9/18,7 s

Verbrauch 9,1 bis 11,8, im Durchschnitt 9,7 Liter Super je 100 km, Tankinhalt 55 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 14, TK 17, VK 14

Kosten je km (bei 20 000 km/Jahr) 0,31 Euro

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