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Fahrtbericht Renault Twizy : Auftanken für eine Handvoll Euro-Cent

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Der elektrische Kleinstwagen aus Frankreich ist äußerst sparsam und spaßig unterwegs, aber er ist keine wirkliche Alternative für zukünftige Mobilität.

          4 Min.

          Die Verkäufe von Elektroautos bleiben hinter den Erwartungen zurück. Selbst in Frankreich, wo die Stromer schon viel länger als bei uns auf dem Markt sind, schwächelt der Absatz. Nur 111 Fluence konnte Renault bisher in diesem Jahr verkaufen, 224 meist gewerbliche Kunden entschieden sich für einen Nissan Leaf.

          Vielleicht liegt es daran, dass sich beide formal an konventionellen Autos orientieren, der Aufbruch ins Elektro-Zeitalter hat gewiss neue, mutigere Designs verdient.

          So wie beim Renault Twizy vielleicht, der mit Konventionen bricht und möglicherweise deshalb mehr Erfolg als die hausbackenen Viertürer haben wird. Der Zweisitzer ist zwar ein sehr frugales Fortbewegungsmittel, aber hintereinander haben schon Ferdinand Piëch und seine wechselnden Konzernvorstände gehockt, wenn es darum ging, Aufsehen zu erregen und möglichst emissionsarm unterwegs zu sein.

          Design

          Wirklich rational lässt sich der Renault-Stromer jedoch nur schwer beschreiben oder gar beurteilen. Denn wenn der nur knapp 2,34 Meter lange Schmalspurwagen in der Stadt auftaucht, herrscht selbst im vernunftbetonten Deutschland plötzlich Partystimmung, als hätte die Nationalelf Italien doch vom Platz gefegt und im Medaillenspiegel stünden schon 15 goldene. „Nimmste mich mal mit“, bettelt es aus dem Kleinwagen an der Tankstelle, und schon stakst eine braungebrannte junge Dame mit höllentiefem Dekolleté auf himmelhohen Absätzen heran.

          Auch an jeder Ampel müssen sich Twizy und Pilot begaffen lassen. Und die Mimik der Gaffer umfasst eine Bandbreite, wie sie üblicherweise nur bei einer Kandidatenschau im Privatfernsehen zu sehen ist: Ungläubig, begeistert, verwirrt, beängstigt, ja mitleidig wird der Scherentürer in Augenschein genommen.

          Preis

          „Elektrisch, ja? Und wie weit kommt der?“ Fragen über Fragen. Die Antworten kommen routiniert gelassen über die Lippen: „Asynchronmotor mit 13 Kilowatt, Reichweite etwa 80 Kilometer.“ Und weil es außerdem jeder wissen will, der Preis. „7690 Euro, dazu die Batteriemiete von 50 bis 72 Euro im Monat.“ Die Zahl der Interessenten halbiert sich unverzüglich.

          Gut, 8000 Euro sind eine hübsche Summe, dafür gibt es locker einen Dacia oder fast schon ein richtiges, kleines Auto wie den VW Up. Aber die können mit dem Twizy nicht konkurrieren. Der Elektriker passt eher auf die Boulevards in Nizza, unseretwegen soll er auch in Mailand und Florenz flanieren gehen. Da braucht sich sein Chauffeur dank stabilerer Wetterlage auch keine Sorgen zu machen, dass feines Tuch an den Schultern vom Regen verdorben würde.

          Wetterschutz

          Der Renault hat zwar Türen (590 Euro Aufpreis) aber keine Fenster, und da das Dach schmaler geschnitten ist als seine Taille, tropft das Nass ungeniert in den Innenraum, respektive auf die Bekleidung der Insassen. Der Wasserablauf am tiefsten Punkt der Fahrersitzfläche legt Zeugnis vom Schlechtwetterverhalten des Stromers ab, die Fahrt in die Waschanlage, so die Bedienungsanleitung, ist streng verboten.

          Sitze

          Das Sitzgefühl ist dem in einer Badewanne nicht sonderlich fern. Auf beide Türkanten lehnen sich die Ellenbogen, allein das Zeitungslesen scheitert am knappen Dachrahmen. Der Beifahrer muss gelenkig sein, wenn er auf das schmale Stühlchen im Fond gelangen will. Ohne den vorderen Sitz weit nach vorne zu schieben, gelingt dies nur Artisten.

          Platzangebot

          Gepäck sollte sowieso zu Hause bleiben. Das umständlich zu öffnende Fach im Heck fasst eben mal 31 Liter, die beiden Behälter links und rechts des Lenkrades taugen für die Fahrzeugpapiere und das Portemonnaie. Immerhin ist eines von ihnen abschließbar.

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