https://www.faz.net/-gya-6yvyg

Fahrtbericht Renault Twingo : Der Muntermacher nickt und poltert

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Ach, der alte Twingo - wer erinnert sich nicht noch gern an seine treuen Hundeaugen? 2007 hat er sie für immer geschlossen. Und heute muss man schon Glück haben, wenn man einem Übriggebliebenen begegnen will.

          4 Min.

          Vor fast genau 20 Jahren setzte der Renault Twingo in der an Sonderlingen nicht armen Modellgeschichte des französischen Autoherstellers - von R4 bis Vel Satis - einen neuen Akzent. Er war wie der britische Mini, nur à la française: innen größer als außen und im Design so unverkrampft originell, wie es die heute amtierenden Gestalter wohl nie hinkriegen würden.

          Als sich 14 Jahre danach ein anderer Winzling von Renault den so positiv besetzten Namen anmaßte, konnten die Freunde des alten nur noch gequält wegschauen. Der neue Twingo hatte jeden Charme schon vor der Geburt abgelegt und unterschied sich äußerlich kaum vom Einheits-Look seiner Konkurrenten.

          Als in diesem Jahr ein kleiner, vor allem den Bug betreffender Facelift anstand, blieb es dabei: Zwar versucht der Twingo jetzt, mit seinen runden Nebelscheinwerfern den Ahnen zu zitieren, aber dessen fröhliche Originalität erreicht er nicht. Und auch nicht dessen Nützlichkeit: Obwohl 26 Zentimeter kürzer, hatte der Ur-Twingo fast den gleichen Innen- und einen deutlich größeren Kofferraum.

          Sicherheit

          Wer den Alten nicht mehr kennt, wird sich mit dem Neuen gleichwohl anfreunden können. Für die Auto-Entwicklung sind 20 Jahre eine sehr lange Zeit: zum Beispiel auf dem Gebiet der Sicherheit. Da hatte Twingo I aus heutiger Sicht noch arge Defizite.

          Ganz untadelig ist der Nachfolger hier allerdings auch nicht: Beim wichtigen EuroNCAP-Crashtest erhielt er, für einen Renault ganz ungewöhnlich, nur vier von fünf Sternen, und bis heute ist das unbedingt empfehlenswerte ESP mit 300 Euro aufpreispflichtig. Unser Testwagen war noch ohne unterwegs. Vier Airbags (zwei weitere gegen 380 Euro zusätzlich) und Isofix-Kindersitzhalterungen auf den beiden rechten Sitzen sind grundsätzlich an Bord.

          Sitze

          Auch der jüngste Twingo ist ein Zweitürer und hat wieder bloß vier Sitze - in seiner Klasse keine Schande. Eher kann man bemängeln, dass man vorn schlechter untergebracht ist als hinten.

          Fahrer- und Beifahrersitz sind nur 45 Zentimeter tief, ein altes Renault-Leiden. Dagegen bringen es die beiden Einzelsitze hinten auf immerhin fast 49 Zentimeter, und sie sind zudem breiter. Unabhängig voneinander und mit jeweils einem Handgriff sind sie um rund 20 Zentimeter längs verschiebbar (das ist ein gutes Erbe des Ur-Twingo) und eröffnen in ihrer hintersten Stellung einen geradezu oberklassetauglichen Knieraum, zu dem freilich die knappe Kopfhöhe nicht passen will.

          Kofferraum

          Auch das Kofferabteil kann von der Verschiebbarkeit der Sitze profitieren - von 165 auf 285 Liter Inhalt. Wer noch mehr braucht, kann die hinteren Sessel samt Lehne nach vorn falten: Das führt zu knapp 960 Liter Volumen, ist aber ein mühsames Geschäft - die Entriegelung ist ein Fingerklemmer, und die Sicherung mit einem Gummiband an den vorderen Kopfstützen bedarf einiger Muskelkraft. Ein Einkaufskörbchen wie der Twingo sollte das seinem Benutzer leichter machen.

          Einstieg

          Auch die Zweitürer-Nachteile stören im Kleinwagen-Alltag gehörig. Der Einstieg nach hinten ist eng - der Vordersitz rückt zwar aus dem Weg, doch seine Lehne wehrt sich heftig gegen das dazu notwendige Vorklappen.

          Renault Twingo 1.2 LEV 75 Liberty
          Renault Twingo 1.2 LEV 75 Liberty : Bild: F.A.Z.

          Und beim engen Parken vor dem Supermarkt kommt man schlecht aus dem Auto heraus. Schnell mal etwas vom Einkauf auf die Rücksitze stellen geht auch nicht: schade, denn viele Autos der Twingo-Klasse gibt es heute zumindest wahlweise mit vier Türen. Das Beladen des Kofferraums ist wegen der hohen Ladekante (mehr als 70 Zentimeter nach außen und fast 20 nach innen) nicht ganz bequem, dafür ist die Heckklappe groß und schwingt ausreichend weit nach oben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Passanten schauen einer Performance am New Yorker Times Square zu.

          Grandiose Auferstehung : Amerikas Wirtschaft boomt

          Der prophezeite Niedergang wird abgeblasen: Die amerikanische Wirtschaft ist nahe dran, die Wertschöpfung von vor der Pandemie zu erreichen. Daran hatten auch sparsame Bürger ihren Anteil.
          Eine Mitarbeiterin eines Hamburger Testzentrums macht einen Corona-Test.

          F.A.Z.-Frühdenker : Rüsten gegen die Delta-Variante

          Auf dem EU-Gipfel wird mit Ungarn gestritten und über Russland debattiert, Deutschland wappnet sich gegen die Ausbreitung der Delta-Variante und München klagt gegen „Oktoberfest goes Dubai“. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.