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Fahrtbericht Renault Laguna : Autofahren kann so schön sein

Bild: F.A.Z., Hersteller

Renault ist nicht nur ein Hersteller von Massenware. Stets hatte man auch Autos für Ästheten und Individualisten im Programm. Mit dem neuen Laguna Coupé wird diese Tradition fortgesetzt, auch wenn es auf dem Kopfsteinpflaster holprig wird.

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          Coupés sind die Schöngeister unter den Automobilen. Meist abgeleitet von viertürigen Limousinen, bieten sie für mehr Geld weniger Platz, wird immer wieder gern geschrieben.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und der Satz wird vom ewigen Wiederholen nicht falsch, folglich gilt er auch für das neue Renault Laguna Coupé. Man kann diese Binsenweisheit aber schlichtweg ignorieren und sich für dieses Auto entscheiden, weil man es schön findet.

          Das viel zu breite Frontmaul

          „Ist das ein Maserati?“, fragte der neunjährige Filius, als er den schnittigen Laguna zum ersten Mal sah. Er hätte auch nach Aston Martin fragen können, so gelungen ist die Form des Renault.

          Nicht mögen kann man allenfalls das viel zu breite Frontmaul mit dem riesigen, aggressiv wirkenden Lüftungsgitter. Aber von der Seite und von schräg hinten sieht das Coupé einfach klasse aus. Punkt. Die gute Figur wird dem Wagen Kunden bringen, die sonst nie auch nur im Traum daran gedacht hätten, einen Renault zu kaufen.

          Hohe passive Sicherheit

          Dabei hat das Coupé noch andere Qualitäten. Von der Laguna-Limousine hat es die hohe passive Sicherheit geerbt (zehn Airbags, 36 von 37 Punkten beim Euro-NCAP-Crashtest), fünf Motoren stehen zur Wahl, und als besonderes Schmankerl gibt es eine Allradlenkung für die GT-Modelle.

          Außerdem kann der flotte Laguna noch eine stets sehr gute Ausstattung in die Waagschale werfen. Mit einem Basistarif von 34.900 Euro ist das von der Redaktion bewegte Modell 2.0 Turbo GT die günstigste Möglichkeit, in den Genuss der Allradlenkung zu kommen.

          Schalten macht richtig Freude

          Unter der Haube stecken dann 150 turbogestärkte kW (204 PS) aus einem Vierzylinder-Ottomotor, kombiniert mit einem manuellen Sechsganggetriebe. Im etwas schlichter ausgestatteten Basismodell für 31.000 Euro gibt es nur 125 kW (170 PS), dafür aber eine Automatik. Außerdem ist ein 3,5-Liter-V6 als GT für 39.900 Euro zu haben, drei verschiedene Dieselvarianten zu Preisen von 30.300 Euro an stehen ebenfalls in der Liste.

          Wir sind aber altmodisch und können uns immer noch nicht so recht mit einem Diesel in einem Coupé oder Cabriolet anfreunden. Und 300 Newtonmeter aus einem Zwei-Liter-Ottomotor, ist das vielleicht nichts? Zudem wären 204 PS vor Jahren noch für einen Sportwagen durchgegangen. Mit Leistung geizt der harmonisch laufende Motor tatsächlich nicht. Wer ihn fordert, kann in weniger als acht Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen, in der Spitze sind fast 240 km/h möglich.

          Eine Automatik, die für dieses Modell nicht angeboten wird, haben wir zu keiner Zeit vermisst. Selbst schalten macht in Zeiten der immer mehr um sich greifenden Automaten mal wieder richtig Freude, und mit der leichtgängigen und präzisen Schaltung ist es auch kein Problem. Zudem ist der Motor sehr durchzugsstark, schaltfaul fahren ist möglich, wenn gewünscht. Die guten Werte für das Beschleunigen von 50 auf 100 km/h im 4. oder 5. Gang sind der beste Beweis dafür (siehe Kasten unten „Daten und Messwerte“).

          Umfangreiche Mitgift

          Der gefällige Motor hat jedoch eine Schwäche: Er ist nicht unbedingt sparsam. Wer ihm ordentlich die Sporen gibt, muss mit Verbräuchen bis zu elf Liter Superbenzin auf 100 Kilometer rechnen. Selbst die tempolimitierte Schweiz konnte den Spritbedarf nicht tiefer als 9,1 Liter drücken. Als Gesamtschnitt aus mehr als 2700 Kilometern ergaben sich 9,8 Liter auf 100 Kilometer. Damit kann man sich freilich arrangieren, man bekommt ja sonst einiges geboten.

          Zum Beispiel die mehr als umfangreiche Mitgift. Schon bei „Dynamique“ sind Klimaautomatik, eine Audio-Anlage, Leichtmetallräder, Tempomat oder Bi-Xenonscheinwerfer serienmäßig, GT legt dann noch Leder, beheizbare Vordersitze, größere Räder (18 Zoll) und vieles mehr drauf. Wer dann noch für 950 Euro das „Luxe-Paket“ bestellt (elektrisch einstellbare Vordersitze mit Memory, Park-Pilot und Kurvenlicht), braucht sich nur noch Gedanken um die Außenfarbe (Metallic kostet 500 Euro extra), ein Navisystem (2000 Euro) sowie die Farbe der Lederpolsterung zu machen.

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