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Fahrtbericht Renault Laguna : Auftrag: Vertrauen zurückgewinnen

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Bild: Hersteller

Renaults aktuelle Mittelklasse hat es doppelt schwer: Sie muss in Deutschland gegen starke ortsansässige Konkurrenz antreten. Mit dem neuen Laguna will der französische Autohersteller die Qualitätsmängel des Vorgängers vergessen lassen.

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          Die deutschen Käufer und die großen Renault-Modelle – das ist seit jeher eine kränkelnde Beziehung. Ob die Angebote nun R 30, R 25, Safrane oder Vel Satis hießen, große Erfolge konnten sie im Nachbarland allesamt nicht feiern.

          Das lag zum einen, natürlich, an der starken dortigen Konkurrenz, zum anderen aber auch an immer wiederkehrenden Eigensinnigkeiten des französischen Herstellers: zum Beispiel, dass er es in dieser Klasse stets aufs neue mit Heckklappenautos versuchte, wo die Kundschaft nun einmal aufs Stufenheck eingeschworen war, und dass er auch vor Design-Experimenten nicht zurückschreckte.

          Andererseits ist klar, dass Renault schon des Heimatmarkts wegen nicht auf ein großes Auto im Programm verzichten kann. Heute ist das neben dem noch existenten Vel Satis der etwas kleinere Laguna, der 1993 debütierte und nun seit Herbst in dritter Auflage am Markt ist.

          Bild: F.A.Z.

          Garantie als Qualitätsversprechen

          Auch er ist wieder eine Heckklappen-Limousine (daneben gibt es seit kurzem den Kombi Laguna Grandtour), doch das ist nicht sein ärgstes Handicap zumindest aus deutscher Sicht. Schlimmer ist, was sein Vorgänger angerichtet hat: Mit vielerlei ärgerlichen Defekten hat er der Marke mehr geschadet, als seinem Marktanteil entsprochen hätte, und das hat bei dem Unternehmen zu gewaltigen Anstrengungen fürs Nachfolgemodell geführt.

          Dessen, so versprochen, drastisch verbesserte Qualität soll die alten Klagen vergessen machen. Als Zeichen des Vertrauens wird für den neuen Laguna eine dreijährige Garantie gewährt.

          Pech für Renault, dass man damit nicht mehr an der Spitze der Großzügigkeit marschiert, da Kia die Kundschaft mit sieben, Opel mit sechs und Fiat mit fünf Jahren umgarnt. Aber als Argument dient es allemal für einen jener Außenseiter in der oberen Mittelklasse, mit denen man beim Kauf einiges Geld sparen kann.

          Gallischer Esprit gegen germanische Bravheit

          In einem Punkt ist Renault klüger geworden: Der neue Laguna verzichtet auf ein provozierendes Design à la Megane oder Vel Satis. Dieses Bekenntnis zum breiteren Publikumsgeschmack geht nicht mit langweiligen Formen einher, das Auto hat durchaus eigenständige Details an Front und Heck, die gallischen Esprit gegen germanische Bravheit setzen.

          Viele werden allerdings seinen zehn Zentimeter längeren Kombi-Bruder noch schmissiger finden. Mit 4,70 Meter ist auch die Limousine recht stattlich geraten, und in der Hoffnung auf die Gültigkeit alter französischer Werte freut man sich auf überdurchschnittlichen Komfort.

          Anständige Polster auf zu kurzen Sitzflächen

          Diese Erwartung erfüllt sich aber nur zum Teil. Schon Fahrer und Beifahrer stoßen auf eine offenbar unausrottbare Renault-Eigenheit: die zu kurzen Sitzflächen. Sonst sind sie aber gut untergebracht, die Polster sind nicht zu weich, ihr Seitenhalt passabel.

          Ohne Überraschungen auch die Umgebung: ansehnliche Materialien, konventionelle Instrumente, ein vernünftig hoch angebrachter Bildschirm fürs Navigationssystem, kaum rätselhafte Bedienungsmuster, aber ein wenig sinnvoller Start-Stopp-Knopf.

          Die wahre Enttäuschung lauert im Fond. Dort reicht die Breite zwar bequem für drei, die Sitztiefe stimmt, und auch die Kopfhöhe genügt den meisten Staturen, doch Knie- und Fußraum sind knapp, und die Bank hat nicht genug Abstand vom Boden, so dass die Oberschenkel keine Auflage finden.

          Verfehlte Raumökonomie

          Renaults verfehlte Raumökonomie kommt nicht einmal dem Kofferraum zugute. Er ist mit 462 Liter für die Klasse allenfalls durchschnittlich, und die maximal 1337 Liter, auf die sein Volumen beim Klappen der geteilten Rückbanklehne wächst, werden schon von manchen Mitgliedern der unteren Mittelklasse überboten.

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