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Fahrtbericht Renault Kangoo be bop : Ein bisschen Spaß muss sein

Bild: F.A.Z., Hersteller

Renault hatte schon immer einen Hang zu individuellen, skurrilen Autos. Der be bop setzt in dieser Hinsicht einen neuen Höhepunkt. Das erste Augenmerk gilt dem hinteren Dachteil. Auch wenn ihn alle mögen, für die Praxis taugt er nur bedingt.

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          Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Spaß beim Autofahren nichts mit hoher Motorleistung, aufregenden Formen und dem Einsatz von reichlich Euro zu tun haben muss: Spätestens mit dem neuen Renault Kangoo be bop wäre es Gewissheit.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit einfachen Mitteln hat Renault aus dem etwas drögen Kastenwagen Kangoo einen Hingucker ersten Ranges geschaffen: Man verkürze den Wagen um 34 Zentimeter auf knapp 3,87 Meter, lasse die hinteren Schiebetüren weg, male Interieur und Karosse zweifarbig an und schaffe dank zweier aufklappbarer Glasdächer vorn, einem gläsernen Dachteil in der Mitte und einem noch zu öffnenden hinteren Glasdachteil den hellsten Innenraum der Automobilgeschichte. Dazu gibt's noch eine links angeschlagene Hecktür mit elektrischer Scheibenbetätigung.

          Das erste Augenmerk gilt dem hinteren Dachteil: Um es zu bedienen, muss der Wagen stehen. Bei geöffneter Hecktür sind zwei Hebel von außen zu entriegeln, dann schiebt man das Teil nach vorn, bis es einrastet. Schon die Tatsache, dass das alles ohne Elektrik funktioniert, ist irgendwie erfrischend.

          Ist dann auch noch die Heckscheibe eingefahren, sitzen Fondpassagiere beinahe wie in einem Kabrio. Selbst wenn niemand hinten sitzt: Das Öffnen macht eine Klimaanlage fast überflüssig, weil es schön frisch im Wagen wird.

          Alle Kangoo be bop haben das Glasdach-Potpourri, es gehört ebenso zum Konzept wie die sehr umfangreiche Grundausstattung, auf der Zutaten-Liste finden sich nur sieben Positionen.

          Sonst muss man sich nur zwischen drei Zweifarb-Kombinationen oder einer Uni-Farbe (Arcticweiß) entscheiden, der Innenraum ist auf jeden Fall zweifarbig. Zu den wichtigsten serienmäßigen Komfortzutaten zählen neben der Klimaanlage und einem CD-Radio mit MP3-Funktion die Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber und elektrisch verstellbare Spiegel.

          Mit Ferrari um Aufmerksamkeit buhlen

          Während der „normale“ Kangoo eher kostenbewusste Autofahrer anspricht, soll der be bop „vorwiegend junge, erlebnisorientierte Autofahrer mit urbanem Hintergrund begeistern, die sich durch die Wahl ihres Fahrzeugs bewusst von der Masse absetzen wollen, ohne snobistisch zu wirken“, so schreibt Renault.

          Der monetäre Aufwand dafür hält sich in Grenzen: 16.950 Euro kostet der gut ausgestattete be bop mit dem wohlbekannten 1,6-Liter-Vierzylindermotor (78 kW/106 PS). Ein regulärer Kangoo mit der gleichen Maschine ist preislich auf ähnlichem Niveau. Aber nach dem dreht sich niemand um. Wer halb offen mit dem be bop durch die Gegend karriolt, bekommt fast so viel Aufmerksamkeit wie mit einem Ferrari.

          Nichts für die Familie

          Vor allem Kinder finden den Wagen toll, doch leider taugt er kaum für die Familie: Er hat nämlich viel zu wenig Platz - es fehlen schließlich 34 Zentimeter. Hinter den beiden Einzelsitzen im Fond ist der Wagen praktisch zu Ende, das rechnerische Kofferraumvolumen als Viersitzer beträgt nur 214 Liter - wie bei einem Kleinwagen.

          Schon bei nur einem sperrigen Koffer ist man gezwungen, einen der Einzelsitze nach vorn zu klappen. Die Sitze lassen sich jedoch gänzlich herausnehmen, was zu einer Laderaumlänge von 1,20 Meter führt - und einem maximalen Ladevolumen von dann doch beachtlichen 1500 Liter.

          Für einen Zweipersonenhaushalt taugt der Kangoo be bop somit sehr wohl. Ein Sicherheits-Trennnetz, um das Studentenpaar beim Umzug vor dem mitgeführten Hausrat zu schützen, lässt sich Renault leider mit 160 Euro extra vergüten. Dafür hängt ein vollwertiges Reserverad unter dem Heck.

          Keine schlechte Laune möglich

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