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Fahrtbericht Renault Clio : Erwachsene Eleganz mit Rumpeltriebwerk

  • -Aktualisiert am

Der Clio in der 4. Generation spielt starker Mann Bild: F.A.Z., Renault

Statt charmanter Baguette-Brösel führt der neue Clio den Zeitgeist heran. Er kommt mit Wachstum und Schick sowie mit motorischer Bescheidenheit. Aber der Dreizylinder enttäuscht Sparer und Sportler.

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          Vor gut zwanzig Jahren hat der Clio den legendären R5 beerbt. Der erste Clio 1.2 RN kam mit einem Leergewicht von 887 Kilogramm bei 3,71 Meter Länge, mit fünf Plätzen und einem Kofferraumvolumen von 265 Liter, einer Leistung von 55 PS (40 kW), mit maximal Tempo 160 und einem Realverbrauch von 7,8 Liter auf einen Basispreis von 17 540 DM.

          Nach unserem Rendezvous mit dem jüngsten Clio wissen wir: Alles und alle haben sich verändert, die Käufer in ihren Ansprüchen, die Ingenieure in ihrem Streben nach der anspruchsvollen Lösung einfacher Probleme wurden noch ambitionierter, und die Politiker mit ihren Sicherheitsnormen und Verbrauchsvorschriften auf der meist vergeblichen Suche nach der besseren Welt wurden noch erfolgloser. Doch dieser Pessimismus verfliegt, noch ehe er richtig aufkommen konnte: Was ist der einst eher grau und wie angestaubt wirkende Clio-Kleinwagen doch für ein properes Renault-Kerlchen geworden. Neben dem elegant-erwachsenen Clio 2013 nimmt sich der Clio 1991 aus wie der arme Verwandte aus einer Provinz, die ohne Internet leben muss.

          Innen ist der Kleine groß

          Schon auf den ersten Blick wird klar, dass die vierte Generation des Clio nach Höherem strebt. Im Bug prangt ein riesiger Renault-Rhombus wie aus den Regalen der Truck-Abteilung, die Radhäuser sind füllige Behausungen für dicke Räder (mit Winterreifen sieht das ein wenig ärmlich aus), am unteren Rand der Flanken klafft eine kiemenähnliche Vertiefung, die Frontpartie duckt sich in den Wind, hinten sitzen kräftige Schultern und ein muskulöses Heck, alles prestigefördernde Elemente in der kleinen Klasse. Aber auch mit den bekannten Nachteilen: Die niedrige Heckscheibe mit schwarzen Einfärbungen und dem Spoiler am oberen Rand grenzt den Blick stark ein, und die hinteren Türen mit versteckten und nicht einfach zu packenden Griffen geben lediglich schmale Einstiegsöffnungen frei. Doch nach dem Gelenkigkeit fordernden Einstieg kommt Entspannung auf. Denn die im Vergleich zu seinen Klassenkonkurrenten üppige Dimensionierung von Außenlänge und Radstand sichert dem Clio sehr auskömmliche Raumverhältnisse.

          Es gibt vier bequeme Sitze und einen unbequemen in der Mitte der hinteren, zudem unerwartet schmal geratenen Sitzbank. Dieser Platz ist bei Konstrukteuren und Passagieren unbeliebt, aber es ist noch keinem eine bessere Lösung eingefallen, als ihn wegzulassen. Selbst wenn die vorderen Sitze nach hinten geschoben werden, ist der Knieraum noch ausreichend, und vorne herrscht französische Großzügigkeit bei Ausstattung (allerdings muss man hinten die Fenster von Hand kurbeln) und Unterbringung. Die Sitze nehmen auch größere Körper willig und gut unterstützend auf, Verarbeitung und Materialien (tiefschwarz glänzender Klavierlack-Kunststoff) wirken fast schon edel, das Design für Instrumente und Infotainment-System ist aber etwas zu sehr auf eine Zukunft getrimmt, die so hoffentlich nicht kommt; der Stil folgt dem Zeitgeist und nicht der Zeitlosigkeit. Das Tempo wird gut ablesbar, aber nur digital angezeigt, in einer ovalen Chromspange prangen die großen Ziffern, links davon sitzen der kleine Drehzahlmesser und rechts die Infos über Tankinhalt und Reichweite, ebenfalls im glänzenden Rähmchen.

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