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Fahrtbericht Range Rover : Stilvoll gegen den Geist der Zeit

Die dritte Generation des Range Rovers seit 2002 Bild: Hersteller

Aus dem Urvater aller SUV ist ein fetter Geländewagen geworden. Der Range Rover TDV8 Vogue hat Bärenkräfte und will auch entsprechend gefüttert werden. Mit seinen 2,6 Tonnen Gewicht widerstrebt er dem Zeitgeist grüner Bescheidenheit.

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          Als 1970 der Range Rover auf den Markt kam, hatte die Welt so ein Auto noch nicht gesehen: Es war zwar der Statur und der gebotenen Technik (Allrad, Untersetzung) nach ein Geländewagen, hatte aber keine Blattfedern mehr, dafür Scheibenbremsen und einen hübschen V8-Motor mit 3,5 Liter Hubraum, der den Wagen zu rund 160 km/h befähigte. Damals war das auf der Autobahn noch ein Wort. Der erste Range war mit einer Länge von 4,47 Meter eher zierlich, er ginge heute ohne weiteres als SUV durch. Als sportliches Freizeitfahrzeug ist der Brite damals auch verstanden worden. Die Adeligen und der Jetset liebten ihn heiß und innig - und sehr lange. 26 Jahre wurde er gebaut, er gilt heute als Ikone.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Inzwischen ist seit 2002 die dritte Generation des Range Rover auf dem Markt, das Auto ist noch komplett unter der Ägide von BMW entwickelt worden. Offenbar wollte man damit vor allem der treuen Kundschaft in Amerika gefallen: Fast fünf Meter Länge und knapp zwei Meter Höhe gilt es zu beherrschen, und schmal ist der Bursche auch nicht. Dass der oberste aller Land Rover noch stark auf gerade Linien und Kanten setzt, gerät ihm zum Nachteil. Der ebenso mächtige Audi Q7 versteckt seine Pfunde besser. Der Range Rover fährt stilvoll gegen den Zeitgeist, der nach mehr Bescheidenheit ruft: Nicht umsonst feiert seit zwei Jahren der Range Rover Sport, der eine Nummer kleiner ist, Verkaufserfolge.

          Partikelfilter soll noch kommen

          Gut 2,6 Tonnen sind es, die mit dem großen Range bewegt werden müssen. Weil der ursprüngliche BMW-Dieselmotor (Dreiliter-Sechszylinder) trotz 390 Newtonmeter Drehmoment den einen oder anderen Kunden nach mehr Leistung rufen ließ, hat man jetzt einen strammen V8 parat, der gleich 640 Nm auf die Kurbelwelle wuchtet und 200 kW (272 PS) bietet (statt 130 kW/177 PS). Das Triebwerk ist eine Neuentwicklung, trotz aller Sparzwänge bei Ford verspricht man hoch und heilig, dass es nur im Range Rover (auch im Sport) und nicht in anderen Modellen des Konzerns seine Heimat finden wird.

          Fast fünf Meter Länge

          Mehr Drehmoment hat keine Maschine in einem Land Rover. Zugegeben, es macht durchaus Spaß, mit einem sanften Tritt aufs Gaspedal den Briten stürmisch voranzutreiben. Nach nur 9,5 Sekunden ist bei vollem Leistungseinsatz aus dem Stand die 100er-Marke passiert, erst bei 200 km/h setzt der Luftwiderstand dem Vortrieb ein Ende. Doch es sind nicht die Parforcejagden auf der Autobahn, für die es sich lohnt, diesen Motor anzuschaffen, es sind vielmehr die Ruhe und Souveränität, die der Range Rover mit dem TDV8 ausstrahlt. Hinsichtlich der Lautstärke gehört der V8 zu den leisesten Diesel-Maschinen überhaupt. Das Grummeln, das im Innenraum ankommt, ist kaum als Dieselnageln zu identifizieren. Ein dickes Minus muss aber wegen des Fehlens eines Partikelfilters gesetzt werden, er soll aber noch in diesem Jahr in die Serienausstattung aufgenommen werden, verspricht Land Rover.

          Verbrauchswerte relativ und absolut

          Am hohen Fahrkomfort hat die Sechsstufenautomatik von ZF einen entscheidenden Anteil. Sie harmoniert vorzüglich mit dem Motor, Schaltrucke gibt es praktisch nicht. Zwei Fahrprogramme stehen zur Wahl, in „Sport“ kann man zudem die Wahl der Stufen manuell beeinflussen, nötig ist das allerdings nie, es sei denn, man fährt steile Berge hinunter.

          Die Gretchenfrage ist heute gewiss die nach dem Verbrauch. Absolut gesehen, sind die 13,2 Liter, die im Schnitt auf 100 Kilometer benötigt wurden, unbefriedigend. Relativ gesehen, ist es in Anbetracht der bewegten Masse und der Stärken des Motors jedoch wenig. Der alte BMW-Diesel war nicht sparsamer. Wer auf der Autobahn die Muskeln des Motors spielen lässt, muss mit Verbräuchen um die 14 Liter rechnen, wer gemütlicher fährt, kommt mit knapp zwölf Liter aus. Ein Benzinmotor gleicher Größe und Leistungskraft dürfte drei bis fünf Liter auf 100 Kilometer mehr benötigen. Unser Spitzenwert von 17,7 Liter ist auf eifriges Erproben des Range im Gelände zurückzuführen.

          Elektronische Helfer als Vollversicherung

          Ja, so vornehm der Wagen auch ist, abseits der Straßen macht ihm so schnell keiner etwas vor. Außer dem neuen Motor wurde dem Range Rover für 2007 ein kleines Facelift verpasst, neben Kleinigkeiten wie einer elektrischen Handbremse haben jetzt alle Range das aus dem Discovery bekannte Terrain Response System (TRS), mit dem sich das Traktionsverhalten der Räder (einzeln) und das Ansprechen auf Gaspedalbefehle verändern lässt. Neben „Straße“ gibt es „Schnee“, „Sand“, „Matsch“ und „Fels“. Weiterhin stehen eine Untersetzung fürs Gelände und eine Luftfederung, mit der die Bodenfreiheit und die Höhe des Fahrzeugs variiert werden können, parat. Letzteres kann man nicht nur abseits der Straße brauchen, sondern auch beim Einfahren in niedrige Parkhäuser (und das Aussteigen wird bequemer).

          Tatsächlich sind die elektronischen Helfer fast eine Vollversicherung, fast überall durchzukommen. Der Fahrer muss nur noch Gas geben und lenken, den Rest erledigt die Elektronik. Die verteilt die Kraft in der Regel permanent auf alle vier Räder, kann aber auch nur ein Rad bedienen und ein anderes abbremsen, aber das kennen wir ja auch aus anderen Autos. In TRS funktioniert alles noch ein bisschen feiner.

          Wir empfehlen Kirsch- oder Walnussholz

          Auf der (Land-)Straße kann der Gigant seine 2,6 Tonnen nicht völlig verleugnen, der Motor hat zwar leichtes Spiel, doch in schnellen Kurven spürt man das Gewicht, trotz aller Bemühungen ist es den Technikern nicht gelungen, den Range Rover zum Sportwagen umzuerziehen. Dafür federt er vorzüglich und verzögert prima. Das ist Sache der Brembo-Bremsen, die hier und im Benziner-Spitzenmodell „Supercharged“ verbaut werden. Die Lenkung findet einen guten Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und Präzision.

          In der Vogue-Ausstattung kostet der Range Rover mit dem TDV8-Motor 98.800 Euro (als Supercharged 107.500 Euro), das Diesel-Basismodell verlangt nach 76.800 Euro. Die mehr als 20.000 Euro Preisunterschied lassen sich in Bi-Xenonscheinwerfer, elektrisch einklappbare Außenspiegel, Kontursitze in Oxford-Leder, ein elektrisches Glasschiebedach, ein aufwendiges Navigations- und Audiosystem, ein beheizbares Multifunktionslenkrad, Parkpilot sowie Sitzheizung für vorn und hinten, Rückfahrkamera nebst mobiler „Venture Kam“ sowie feinere Holzintarsien investieren. Apropos, vom Holz „Grand Black Lacquer“ raten wir ab. Dann kommt das nach wie vor wunderbare Armaturenbrettdesign nicht richtig zur Geltung, weil schwarz auf noch schwärzer einfach keinen Kontrast ergibt. Wir empfehlen Kirsch- oder Walnussholz.

          Große Stärke auf der langen Strecke

          Was man sonst noch erwartet (elektrisch verstellbare Vordersitze, Tempomat), ist ohnehin Serienausstattung, auch Ledergestühl. Zahlen muss man für ein Gepäcknetz (180 Euro), einen Skisack (300 Euro) oder eine Standheizung (1154 Euro).

          Im täglichen Umgang mit dem Range Rover fallen immer wieder die schlecht schließenden Türen auf, sitzen kann man aber perfekt. Auch im Fond ist genügend Platz für Beine, Arme und Köpfe, selbst der Mittelmann sitzt passabel. Das Gepäckabteil hat unter der Abdeckung ein Volumen von 535 Liter, dachhoch gepackt, sind es fast 1000, legt man die Rückbank um, sind es mehr als 2000. Dass die Heckklappe horizontal geteilt ist, stört immer wieder beim Beladen. Aber spätestens, wenn man sich zum Schuhwechseln trotz rappelvollem Kofferraum auf die Klappe setzen kann, lernt man dieses von Land Rover seit 36 Jahren eisern verteidigte Detail zu schätzen.

          Aber ein Auto soll fahren, nicht stehen. Nach wie vor ist die lange Strecke auf der Autobahn die große Stärke des Range, man genießt die hohe Sitzposition und möchte gar nicht mehr aussteigen, das sagen selbst die halbwüchsigen Hinterbänkler. Die Reichweite ist reichlich, dank 100-Liter-Tank. Und so fahren wir weiter bis zum Horizont, lass doch die anderen nörgeln, man gönnt sich ja sonst nichts.

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