https://www.faz.net/-gya-ua18

Fahrtbericht Range Rover : Stilvoll gegen den Geist der Zeit

Elektronische Helfer als Vollversicherung

Ja, so vornehm der Wagen auch ist, abseits der Straßen macht ihm so schnell keiner etwas vor. Außer dem neuen Motor wurde dem Range Rover für 2007 ein kleines Facelift verpasst, neben Kleinigkeiten wie einer elektrischen Handbremse haben jetzt alle Range das aus dem Discovery bekannte Terrain Response System (TRS), mit dem sich das Traktionsverhalten der Räder (einzeln) und das Ansprechen auf Gaspedalbefehle verändern lässt. Neben „Straße“ gibt es „Schnee“, „Sand“, „Matsch“ und „Fels“. Weiterhin stehen eine Untersetzung fürs Gelände und eine Luftfederung, mit der die Bodenfreiheit und die Höhe des Fahrzeugs variiert werden können, parat. Letzteres kann man nicht nur abseits der Straße brauchen, sondern auch beim Einfahren in niedrige Parkhäuser (und das Aussteigen wird bequemer).

Tatsächlich sind die elektronischen Helfer fast eine Vollversicherung, fast überall durchzukommen. Der Fahrer muss nur noch Gas geben und lenken, den Rest erledigt die Elektronik. Die verteilt die Kraft in der Regel permanent auf alle vier Räder, kann aber auch nur ein Rad bedienen und ein anderes abbremsen, aber das kennen wir ja auch aus anderen Autos. In TRS funktioniert alles noch ein bisschen feiner.

Wir empfehlen Kirsch- oder Walnussholz

Auf der (Land-)Straße kann der Gigant seine 2,6 Tonnen nicht völlig verleugnen, der Motor hat zwar leichtes Spiel, doch in schnellen Kurven spürt man das Gewicht, trotz aller Bemühungen ist es den Technikern nicht gelungen, den Range Rover zum Sportwagen umzuerziehen. Dafür federt er vorzüglich und verzögert prima. Das ist Sache der Brembo-Bremsen, die hier und im Benziner-Spitzenmodell „Supercharged“ verbaut werden. Die Lenkung findet einen guten Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und Präzision.

In der Vogue-Ausstattung kostet der Range Rover mit dem TDV8-Motor 98.800 Euro (als Supercharged 107.500 Euro), das Diesel-Basismodell verlangt nach 76.800 Euro. Die mehr als 20.000 Euro Preisunterschied lassen sich in Bi-Xenonscheinwerfer, elektrisch einklappbare Außenspiegel, Kontursitze in Oxford-Leder, ein elektrisches Glasschiebedach, ein aufwendiges Navigations- und Audiosystem, ein beheizbares Multifunktionslenkrad, Parkpilot sowie Sitzheizung für vorn und hinten, Rückfahrkamera nebst mobiler „Venture Kam“ sowie feinere Holzintarsien investieren. Apropos, vom Holz „Grand Black Lacquer“ raten wir ab. Dann kommt das nach wie vor wunderbare Armaturenbrettdesign nicht richtig zur Geltung, weil schwarz auf noch schwärzer einfach keinen Kontrast ergibt. Wir empfehlen Kirsch- oder Walnussholz.

Große Stärke auf der langen Strecke

Was man sonst noch erwartet (elektrisch verstellbare Vordersitze, Tempomat), ist ohnehin Serienausstattung, auch Ledergestühl. Zahlen muss man für ein Gepäcknetz (180 Euro), einen Skisack (300 Euro) oder eine Standheizung (1154 Euro).

Im täglichen Umgang mit dem Range Rover fallen immer wieder die schlecht schließenden Türen auf, sitzen kann man aber perfekt. Auch im Fond ist genügend Platz für Beine, Arme und Köpfe, selbst der Mittelmann sitzt passabel. Das Gepäckabteil hat unter der Abdeckung ein Volumen von 535 Liter, dachhoch gepackt, sind es fast 1000, legt man die Rückbank um, sind es mehr als 2000. Dass die Heckklappe horizontal geteilt ist, stört immer wieder beim Beladen. Aber spätestens, wenn man sich zum Schuhwechseln trotz rappelvollem Kofferraum auf die Klappe setzen kann, lernt man dieses von Land Rover seit 36 Jahren eisern verteidigte Detail zu schätzen.

Aber ein Auto soll fahren, nicht stehen. Nach wie vor ist die lange Strecke auf der Autobahn die große Stärke des Range, man genießt die hohe Sitzposition und möchte gar nicht mehr aussteigen, das sagen selbst die halbwüchsigen Hinterbänkler. Die Reichweite ist reichlich, dank 100-Liter-Tank. Und so fahren wir weiter bis zum Horizont, lass doch die anderen nörgeln, man gönnt sich ja sonst nichts.

Weitere Themen

Künstliche Geräusche für Elektroautos Video-Seite öffnen

Sounddesigner tüfteln : Künstliche Geräusche für Elektroautos

Elektroautos klingen nicht nach echtem Auto, erzeugen keine Emotionen, sagen Autonarren. Sie sind zu leise und deshalb gefährlich im Straßenverkehr, sagt die EU. Deshalb müssen neue Modelle nun bei geringem Tempo lauter werden. Mit künstlichem Sound!

Topmeldungen

5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.