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Fahrtbericht Range Rover : Leicht bekleidet auf dem Thron

Leicht bekleidet auf den Thron Bild: FAZ, Rover

Herrschaftlicher Überblick, Haut aus Aluminium, edles Mobiliar, ein Rudel Elektromotoren - das Leben hoch oben im Range Rover könnte perfekt sein, gönnten sich die Briten nicht ein paar Nachlässigkeiten.

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          Vielleicht“, sagt die im feinen Vorort residierende Dame, „vielleicht ist es albern. Ich möchte mal ein anderes Auto haben als meine Nachbarn. In unserer Straße stehen zehn Porsche Cayenne. Ich verkaufe meinen und habe mir einen Range Rover bestellt.“ Ob es albern ist, sei dahingestellt. Es gibt auch so eine Fülle guter Gründe für den neuen Range Rover. Der Vergleich hinkt ohnehin. Beide Geländewagen spielen in der Luxusklasse. Aber die Fahrdynamik des Cayenne erreicht der noble Brite nicht, dafür ist er nicht gemacht. Er ist auf Komfort, Zugkraft und Raum ausgelegt, Ausflüge in den Matsch nicht ausgeschlossen. Diesen Anspruch erfüllt er mit Bravour.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          1970 erschien der erste Range Rover, ein durchschlagender Erfolg. Er gilt seither als Urahn aller SUV, jener Sports Utility Vehicle, die im Feld so zu Hause sind wie vor der Oper. Nun ist die vierte Generation am Start, und sie steht ganz in der Tradition ihrer Vorgänger. Mit der nicht eben als Petitesse zu vermerkenden Ausnahme, dass sich Land Rover eine strenge Diät verordnet hat. Ein kleines technisches Meisterwerk leichter Bekleidung ist die selbsttragende Karosserie aus Aluminium. Die Verbindungen werden genietet und geklebt. Aluminium findet sich auch an Fahrwerk, Türen und Motorhaube. Obgleich geräumiger und einen Hauch länger als der Vorgänger, sei das jüngste Modell somit bis zu 420 Kilogramm leichter geworden, werben die Briten, wobei sie unterschlagen, dass ein Teil dem erstmals offerierten Dreiliter-Diesel zu verdanken ist, der weniger auf die Waage wuchtet als die zuletzt weithin verwendeten Achtzylinder.

          Im Testwagen freilich ging ein solcher standesgemäß zu Werke, der SDV8-Diesel bringt das große Gefährt mit 4,4 Liter Hubraum aus acht Zylindern, 339 PS (250 kW) und 700 Nm Drehmoment kraftvoll, geschmeidig und leise in Schwung. Ein sonores Brummen aus dem Untergrund ist zu vernehmen, wohltemperiert, ein schöner Klang. Nur Start-Stopp hat er nicht. Und wer hätte gedacht, dass sich in einem Auto dieses Formats 180 km/h als angenehme Reisegeschwindigkeit entpuppen? Mühelos lassen sich Verbrauchswerte um 14 Liter herausfahren, mühevoll sind 9 Liter drin. Im Durchschnitt konsumierte der Range Rover 12,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer, er hat ja auch einiges in Bewegung zu setzen. 2360 Kilogramm werden als Leergewicht ausgewiesen, wobei der Hersteller den Zusatz „ab“ anbringt. Wir sind auf die Waage gefahren, die 2585 Kilogramm (ohne den ebenfalls eine Frühjahrsdiät anstrebenden Fahrer) anzeigte. Trotzdem bleibt genug Fassungsvermögen für Passagiere und Gepäck, das zulässige Gesamtgewicht beträgt stolze 3200 Kilogramm. Für Pferde oder Yachten ist ebenso gesorgt, die 3500 Kilogramm gebremste Anhängelast sollte zur Erfüllung der meisten Aufgaben ausreichen.

          Range Rover 4.4 SDV 8 Vogue

          Die Last kommt nicht von ungefähr, denn die Lust am Luxus ist dem Range Rover an allen Ecken und Enden anzumerken. Genaugenommen ist er eine Art Elektroauto geworden. Die Frage, wie viele Elektromotoren Dienst verrichten, löst bei dem Hersteller Ratlosigkeit aus, so können wir uns der Zahl nur nähern: Alle vier Türen werden elektrisch zugezogen, das Dach schiebt und hebt sich, das Lenkrad lässt sich in Tiefe und Höhe verstellen, der Schaltknauf surrt in der Mittelkonsole auf und ab, die Sitze vorn wie hinten hören auf Knopfdruck, die Anhängerkupplung kriecht unter dem Wagenboden hervor, auch Außenspiegel, Fenster und beide Teile der horizontal geteilten Heckklappe bewegen sich elektrisch. Schon stellt sich die Frage, warum die Kopfstützen von Hand ausgezogen werden müssen. Die Sitze sind vermutlich als Kaminsessel für das Landhaus in Lancashire erdacht worden. Der Herr genießt ihr Verwöhnaroma, und Buster jault an seinen Füßen vor Freude. Wer möchte, bestellt für den Fond zwei Einzelplätze.

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