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Fahrtbericht Porsche Panamera S E-Hybrid : Fünf Meter Porsche für die Stadt

Bild: F.A.Z., Porsche

Die Limousine von Porsche gibt es jetzt mit Steckdose. Das eröffnet eine Welt der Widersprüche. Man kann elektrisch von Ort zu Ort rollen oder sich in den Orbit boosten. Aber der Panamera ist noch nicht am Ziel.

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          Staatliche Eingriffe treiben manchmal merkwürdige Blüten. Im kanadischen Vancouver gibt es nahezu ausschließlich Taxis von Toyota. Es wimmelt von Prius mit Hybridantrieb, weil emissionsfreies Fahren so stark subventioniert wird, dass sich der Betrieb des japanischen Kompaktwagens lohnt, obwohl er sich unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht lohnen würde. Nun ist kaum anzunehmen, dass demnächst allerorten Porsche Panamera als Taxi eingesetzt werden - das verbietet sich schon wegen des etwas beschwerlichen Zustiegs durch die hinteren Türen, weshalb, am Rande erwähnt, die Stuttgarter Sportlimousine im erlesenen Chauffeurdienst des Lufthansa-Hon-Circle am Flughafen Frankfurt durch den Cayenne ersetzt wurde. Doch Porsche könnte liefern. Nach Vancouver und in all jene Städte, die sich mit dem Gedanken tragen, ihre innersten Bereiche nur noch von Null-Emissions-Autos befahren zu lassen oder alle gewöhnlich befeuerten mit Einfahrtsgebühren zu belegen.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Im Panamera schlägt nun auf Wunsch ein Plug-in-Hybrid, mithin eine Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektromaschine, deren Batterie sich an der Steckdose laden lässt. Damit ist der Porsche bislang einzigartig in seiner Klasse und wird, nach Maßstäben der Elektromobilität, zum elektrischen Mittelstreckenläufer, was ihn in erster Linie als Fahrzeug für die Stadt und deren näheres Einzugsgebiet qualifiziert. Mit fünf Meter Länge, zwei Meter Breite, vier Türen, vier feinen Sesseln und dem Komfort einer Limousine ist er freilich eigentlich für die Langstrecke gemacht. Kurzum: Der Porsche Panamera Hybrid ist ein Widerspruch auf Rädern. Gemach, rufen jetzt die Porsche-Ingenieure. Die Elektromaschine ist nicht nur für die Stadt gedacht. Sie soll auch in Phasen freudvoller Beschleunigung dem an Bord werkelnden Benziner helfen, seinen optimalen Betriebspunkt zu finden. Und mit vereinten Kräften schaffen die beiden einen Vortrieb, der seinesgleichen sucht.

          Das stimmt - bedingt. Denn erstens meinen wir, dass elektrische Antriebe zuvörderst zum elektrischen Betrieb ohne Verbrennungsmotor gemacht sind. Zweitens wird der doppelte Motor teuer bezahlt: mit 2,2 Tonnen Leergewicht, bescheidenen 335 Liter Kofferraum wegen der unter dem Laderaumboden untergebrachten Batterie sowie einem schwindelerregenden Anschaffungspreis, der von Porsche auf 110 409 Euro gedrückt wird, damit er überhaupt eine Chance hat. Und drittens ist der von Audi an Bord genommene V6 mit 333 PS mindestens dem Klang nach kein Porsche. Mehr als Streicheleinheiten konnte oder wollte Stuttgart ihm nicht spendieren. Die Hardware des Motors ist baugleich mit der des Vorgängermodells und auch mit dem im Cayenne Hybrid. Brennverfahren und Thermomanagement wurden verfeinert, so erfüllt er schon die Abgasnorm EU 6.

          Porsche Panamera S E-Hybrid
          Porsche Panamera S E-Hybrid : Bild: F.A.Z.

          Gleichwohl bietet das Ensemble beeindruckende Fahrerlebnisse. Aufladen zu Hause, Aufladen im Büro, so schafft der Porsche eine nicht eben knapp bemessene Strecke aus Stadtverkehr und Autobahn elektrisch. Auf dem täglichen Weg zwischen Wohnort und Büro kann der Benzinverbrauch null Liter betragen. Wir erreichten 24 Kilometer, die Normreichweite von 35 Kilometern haben wir indes nie vollbracht. Bis zu strammen 135 km/h - das klappt in der Praxis tatsächlich - ist es möglich, auf den Benzinmotor zu verzichten. Die Beschleunigung im elektrischen Modus ist aller Ehren wert, und das lautlose Dahingleiten entwickelt selbst im Sportwagen seinen Reiz. Mit der Steckdose unter dem linken Tankdeckel muss und kann man sich anfreunden. Die andere Seite des Kabels passt in die Haushaltssteckdose, an welcher die 9,4 Kilowattstunden große Hochvoltbatterie in rund vier Stunden geladen ist.

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