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Fahrtbericht Porsche Cayman S : Dem großen Bruder auf den Fersen

  • -Aktualisiert am

Bild: Porsche, F.A.Z.

Der Mittelmotor-Sportwagen von Porsche könnte fast der bessere Elfer sein. Zumindest für jene, die Freude an der Kurvenhatz haben und eher ein Spielzeug suchen, als nur von A nach B kommen zu wollen.

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          Die gute Nachricht zuerst: Porsche fahren ist günstig geworden. Wer immer schon von einem 911 Carrera geträumt hat, angesichts der Preise für den Klassiker dann doch lieber Abstand genommen hat, der könnte sich von einem Cayman umstimmen lassen. Hier beginnt das Fahrvergnügen schon bei 51 385 Euro. Und die bissige S-Variante des zweitürigen Sport-Coupés für 64 118 Euro knüpft auch hinsichtlich der Motorleistung an den Elfer an. 325 PS (239 kW) liefert der 3,4-Liter-Boxer, ganze 25 PS fehlen dem kleineren Porsche zum 911.

          Wobei das Wort „fehlen“ der Sache nicht gerecht wird. Der Cayman S ist ein Leichtgewicht, 1320 Kilogramm wiegt er unbeladen. Er trägt seinen Sechszylinder-Boxer nicht im Heck wie der Elfer, das Triebwerk lauert gut versteckt, doch stets präsent direkt hinter den beiden Sitzen. Das führt zu einer ausgewogeneren Gewichtsverteilung als beim größeren Bruder. Das Ergebnis sind ein überaus agiles Kurvenverhalten und Fahrleistungen, die selbst hochgeschraubte Erwartungen übertreffen.

          Um keine Missverständnisse zuzulassen: Der Cayman S ist kein Kerl für alle Tage. Allenfalls dann, wenn sein Eigner die allein glücklich machende Fortbewegungsweise auf Rädern in maximaler Längs- und Querbeschleunigung sieht. In diesen Betriebszuständen helfen die aufpreispflichtigen, aber fein geschnittenen Sportsitze (3617 Euro) mit großem Erfolg. Sie bleiben nach vielen Kilometern bequem und erfüllen die Funktion von Hüfthalter und Schulterstütze gleichermaßen. Der Nachteil: Ihre Rückenlehnen lassen sich nicht verstellen. Dies und die knappen Maße der lederbezogenen Schalen führen dazu, dass der Cayman-Pilot wie einzementiert hinter dem Lenkrad hockt.

          Nicht zum Brötchen holen

          Die Sitze behindern beim Ein- und mehr noch beim Aussteigen. Auf dem Türschweller mit der linken Hand abstützen, den Körper aus dem Sitz hieven und dann irgendwie die Beine an der A-Säule vorbei ins Freie bugsieren ist noch die eleganteste Art, aus den Niederungen des Sportcoupés in eine aufrechte Haltung zu gelangen. Das ist vielleicht während einer Ausfahrt am Sonntag akzeptabel. Zum Brötchen holen empfehlen wir andere Autos.

          Zudem ist das Arbeitsgeräusch des Motors im gemischten Fahreinsatz auf Dauer anstrengend. Besonders in Verbindung mit der 2165 Euro teuren Sportabgasanlage dröhnt das Triebwerk wie der Komtur in Mozarts Don Giovanni. Der bassige Klang mag beim engagierten Fahren erfreuen, auf längeren Strecken über die Autobahn erschwert er Plaudereien mit dem Beifahrer und nervt auf Dauer. Das kann einem Sportwagen nicht unbedingt angelastet werden, nur soll niemand hinterher sagen, wir hätten nicht gewarnt.

          Porsche Cayman S

          Also Schluss mit den Alltagsfahrten und hinein in den natürlichen Lebensraum eines Porsche. Der beginnt am Ende der Ebene mit ihren langen Geraden in den ersten Kurven des Mittelgebirges. Mit einem Motorjauchzer stürzt sich der Cayman in die erste Biegung, das Doppelkupplungsgetriebe gibt beim Zurückschalten automatisch Zwischengas, kein Schleppmoment der Maschine soll den sauberen Strich um die Ecke stören. Die neue elektrisch unterstützte Lenkung gibt genaue Rückmeldungen vom Traktionszustand. Der im Vergleich zum Vorgänger um sechs Zentimeter längere Radstand hat den Cayman milder gemacht, seine Zähne jedoch sind schärfer denn je. Der Übergang von Haft- zu Gleitreibung ist ein fließender Moment, der dem Fahrer bei ausgeschalteten Stabilisierungshelfern Zeit zum Handeln gibt.

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