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Fahrtbericht Porsche 911 Turbo S : Supersportwagen zum Brötchenholen

Bild: Hersteller

Wer einmal den Turbo S gefahren hat, will von einem normalen Elfer nichts mehr wissen. 560 PS begeistern in allen Lebenslagen. Dabei lässt sich auch dieser 911 ganz unaufgeregt fahren, jeden Tag.

          Es ist das Jahr des 911. Seit 50 Jahren spukt dieser einst kleine Sportwagen in den Köpfen aller deutschen Männer herum, die auch nur einen Tropfen Benzin im Blut haben. Und ja, auch Frauen träumen von ihm. Mehr als von jedem anderen Auto. Und seit 40 Jahren ist der Turbo das Maß der 911er-Dinge, heute steht an der Spitze der Turbo S.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Sechszylinder-Boxermotor im Heck, 3,8 Liter Hubraum, 560 PS, maximales Drehmoment 750 Newtonmeter, Spitze 318 km/h. Das sind Werte, die schon auf dem Papier brennen. Breit steht er vor einem – wie alle neuen Elfer. Aber der Turbo hat hinten noch knapp acht Zentimeter mehr Speck auf den Hüften als die anderen 911er, die riesigen Lufteinlässe an den Seiten und in der Front sind ein weiteres Unterscheidungsmerkmal, und natürlich der Heckspoiler. Der ist immer zu sehen, bleibt aber wohltuend dezent und ist nicht so prollig wie an den frühen Turbos der Siebziger.

          Innenraum

          Innen unterscheidet sich der Turbo nicht von seinen Brüdern, da ist alles ganz 911: Schlüssel links vom Lenkrad (Danke für den Verzicht auf den Startknopf!), dominanter Drehzahlmesser, bequeme Vordersitze, hochwertige Verarbeitung. Der Turbo wird ausschließlich mit Doppelkupplungsgetriebe angeboten, auch Allrad ist serienmäßig.

          Am Wählhebel in der Mittelkonsole steht „turbo S“, falls man vergessen sollte, welchen Porsche man fährt. Nach dem Anlassen folgt eine kleine Überraschung. Der Motor klingt weder laut noch sonderlich aggressiv. Das bleibt übrigens so, was positiv gewertet werden kann.

          Fahrverhalten

          Ohnehin ist es eines der größten Talente des Turbo, dass er sich vollkommen unaufgeregt fahren lässt. Bis auf den sportwagentypisch niedrigen Einstieg kann der Turbo ein Alltagsfahrzeug sein. Er lenkt sich ohne große Kraftanstrengung, das Schalten der sieben Gänge übernimmt aufs Feinste die Elektronik, und handlich ist der mittlerweile 4,51 Meter lange Elfer auch: Weil er eine Allradlenkung hat, beträgt der Wendekreis nur 10,60 Meter.

          Platzangebot

          Für zwei Personen reicht der 115 Liter fassende Gepäckraum unter der Fronthaube, dazu kommt die Reserve im „Fond“, rechnerisch sind es hier 260 Liter Volumen. Nach wie vor finden sich zudem zwei Notsitze – ein großes Plus: Zur Not passen drei oder gar vier Figuren in den 911, aber nicht für längere Strecken. Im Selbstversuch kamen wir mit 1,86 Meter Körpergröße irgendwie hinten unter. Fast alle anderen Supersportwagen sind reine Zweisitzer.

          Beschleunigung

          Kein Zweifel besteht daran, dass der Turbo S in diese Kategorie gehört, Phänomenale 3,1 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h meldet das Werk. Ohne Eingriff in die Elektronik messen wir 3,6 Sekunden. Aber es geht noch schneller: Sport-Plus-Knopf drücken, der Heckspoiler fährt in die oberste Stellung, der Frontspoiler aus.

          Jetzt den Fuß auf Gas und Bremse gleichzeitig, den Motor hochjubeln bis 6000 Umdrehungen in der Minute. „Launch Control“ aktiviert, meldet das rechte der vier größeren Rundinstrumente, und ab geht’s. Bremse lösen, Vollgas. Wumms, der Elfer haut ab wie eine Rakete, die Piloten werden in die Sitze gepresst, die 100 sind schneller erreicht, als man „Papp“ sagen kann.

          „3,0 Sekunden“, ruft der begeisterte Beifahrer, der die Stoppuhr bedient. Wir wiederholen die Prozedur mehrmals, die 3,0 bestätigen sich. Chapeau! Es mag eine Spielerei für große Jungs sein, die niemals erwachsen werden, aber die schiere Kraft ist schlicht umwerfend. Ein guter Freund und Elfer-Besitzer wollte seinen 4S (Typ 997, 355 PS) gleich in Zahlung geben. „Das ist eine ganz andere Liga“, meinte er.

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