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Fahrtbericht Porsche 911 Cabriolet : Die süße Sünde aus Zuffenhausen

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der Elfer ist das Herz der Marke Porsche. Im Carrera 911 S Cabriolet schlägt es noch heftiger. Dafür muss aber auch tief in die Tasche gegriffen werden, sowohl beim Händler, wie auch an der Tanksäule.

          4 Min.

          Die Porsche-Gemeinde musste neunzehn lange Jahre ohne 911er-Cabriolet leben, erst 1983 konnte man sich in Zuffenhausen dazu durchringen, den Elfer auch mit Stoffverdeck anzubieten. Bei einem Auto, bei dem es in erster, zweiter und dritter Linie ums Fahren geht, ist dies besonders verwunderlich. Ist man doch im offenen Wagen viel dichter dran am Geschehen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Für das Vergnügen, auf Wunsch einen neuen Elfer ohne Dach zu fahren, sind heute im Vergleich zum Coupé gut 11.000 Euro Mehrpreis zu zahlen. Für alle Menschen, die gern nahe bei der Natur sind, ist es eine Investition, die sich lohnt. Alles wird viel unmittelbarer, der Porsche macht noch mehr Spaß als ohnehin schon.

          Für den Gegenwert eines Kleinwagens darf man einiges erwarten: Die Stoffmütze des 911 Cabriolet ist sehr aufwendig gemacht, das Gestell besteht aus Aluminium und Magnesium, das Verdeck aus mehreren Lagen. Trotz der aufwendigen Mechanik und der Elektromotoren steigt das Wagengewicht nur um gut 40 Kilogramm. Fährt man geschlossen, ergibt sich kaum ein Unterschied zum Coupé, es gibt so gut wie keine lästigen Windgeräusche, auch bei sehr hohem Tempo nicht.

          Einziger Nachteil: Die Sicht nach rechts hinten ist durch das Verdeck stark eingeschränkt. Umso besser sieht man, nachdem man die Stoffmütze auf Knopfdruck in ihrem Kasten hat verschwinden lassen. In 20 Sekunden ist das geschehen, es funktioniert sogar während der Fahrt (bis zu 50 km/h). Weil sich das zusammengefaltete Verdeck in seinem Kasten sehr klein macht, muss der Cabriolet-Pilot kaum Einschränkungen an Nutzraum in Kauf nehmen, und die berühmte 911-Silhouette leidet gleichfalls nur unwesentlich.

          Somit ist auch das Cabriolet ein 2+2-Sitzer, wobei hinten allenfalls Kinder halbwegs passabel unterkommen. Die Rückenlehnen stehen nahezu senkrecht, Kopfstützen fehlen, Fußraum gibt es nur, wenn die vorderen Sitze nach vorne geschoben werden.

          Das kann man natürlich kritisieren, wir sehen es aber so: Zur Not kann man auch mal mit mehr als zwei Personen unterwegs sein, in vielen Sportwagen geht das gar nicht. Und zehnjährigen Buben kann man kaum eine größere Freude machen, als sie im offenen 911er zum Fußballtraining zu fahren. Die Ausrüstung der drei Jungs passt auch unter die Fronthaube (135 Liter Fassungsvermögen).

          Runter mit den Fenstern

          Doch in der Regel ist man zu zweit unterwegs. Dann ist der „Fond“ eine sehr nützliche Ablage fürs Gepäck. Wird für die offene Tour das Windschott montiert (ohne Aufpreis), was kinderleicht vonstattengeht, ist der Porsche ein reiner Zweisitzer.

          Das Schott nimmt so viel Wind aus dem Wagen, dass es bei hochgefahrenen Seitenscheiben und großer Sommerwärme einen regelrechten Hitzestau gibt. Also runter mit den Fenstern, dann ist es schön luftig im Wagen, und die Frisur leidet nicht.

          Er rennt und rennt bis 300 km/h erreicht sind

          Nun, um Cabrio zu fahren, muss man keinen Porsche kaufen. Porsche fährt man, weil man einen Porsche fahren will, und das Cabriolet ist die Steigerung dazu. Schwindelerregende 107.077 Euro muss man mitbringen, wenn man statt des einfachen Carrera den Carrera S wählt, der 40 PS mehr im Heck lauern hat. Für das „S“ zahlt man rund 12000 Euro, also 300 Euro je PS – wenn man die größeren Alufelgen (19 statt 18 Zoll) und das dann serienmäßige „Active Suspension Management“ nicht berücksichtigt.

          Noch mal 3510 Euro muss man drauflegen, wenn ein Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (sieben Gänge) den Kraftschluss zu den Hinterrädern regeln soll. Als PDK-Fahrer genießt man den gleichen Komfort wie mit einer Automatik, kann aber ohne Leistungsverlust aus dem 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor das Optimale herausholen, weil die PDK besser und genauer schaltet als jeder Mensch.

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