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Fahrtbericht Peugeot 308 Filou 95 VTi : Diese Basis lässt nur Muskeln vermissen

Überzeugt nicht so richtig: Der Peugeot 308 Filou Bild: Hersteller

In der undankbaren Rolle des Lockvogels: Peugeot versucht mit dem eher designorientierten 308 dem VW Golf die eine oder andere Neuzulassung abzuknöpfen. Das Einstiegsmodell bringt dafür nicht die besten Voraussetzungen mit.

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          Das Basismodell hat im Programm eines jeden Herstellers eine undankbare Aufgabe. Es soll mit seinem Preis locken, gleichzeitig wollen Hersteller und Handel aber viel lieber die stärker motorisierten und besser ausgestatteten Versionen verkaufen, weil es da mehr zu verdienen gibt. Beim neuen Peugeot 308 spielt der „Filou 95 VTi“ diese Rolle des Lockvogels. Er ist mit 15.150 Euro in der Preisliste notiert.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das ist nicht wirklich wenig Geld, doch dafür bekommt man einen immerhin 4,28 Meter langen, zweitürigen Kompaktwagen mit einer Mitgift, die 2008 nicht mehr so schlecht ist, wie sie in einem Basismodell vor zehn Jahren gewesen wäre: Servolenkung, ABS und ESP sowie sieben Airbags sind selbstverständlich, elektrisch verstellbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber fehlen ebenso wenig wie Wärmeschutzverglasung, ein in Höhe und Tiefe verstellbares Lenkrad oder die Zentralverriegelung mit Fernbedienung.

          Freude am Fahren vermag der Motor nicht zu vermitteln

          Extra zahlen muss und kann man noch für eine Klimaanlage (1130 Euro), Metalliclack (430 Euro) und die Audioausrüstung (620 Euro). Vier statt zwei Türen kosten weitere 800 Euro. Sonst aber gibt es nichts, was man noch dazubestellen könnte, dem Filou-Käufer werden Tempomat, Sitzheizung, Kurvenlicht oder Handyvorbereitung schlicht vorenthalten. In Verbindung mit dem Basismotor kann man nur noch die nächsthöhere Ausstattungslinie Tendance ordern (1650 Euro Mehrpreis), die noch besseren Linien Sport, Sport Plus oder gar Platinum verkauft Peugeot nicht in Verbindung mit dem 1,4-Liter-Triebwerk, das 70 kW (95 PS) leistet.

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          95 PS für die Basis? Das ist doch üppig, früher sind wir mit viel weniger unterwegs gewesen, mag man denken. Das stimmt schon. Aber die Ansprüche sind im gleichen Maß gewachsen, wie die Autos aufgrund der hohen Sicherheitsausstattung immer schwerer geworden sind. Der kleine Motor mag all jenen genügen, die nur von A nach B wollen. Freude am Fahren, die über die reine Transportleistung hinausgeht, vermag der Motor nicht zu vermitteln. Es geht nur einigermaßen zügig voran, wenn die Gänge voll ausgedreht werden, dann nervt aber das Triebwerk mit lautem Dröhnen. Maximal sind 182 km/h möglich, dafür muss sich die Kurbelwelle aber 5800 Mal je Minute drehen. Leider gibt es keinen drehzahlsenkenden sechsten Gang, so dass die Maschine selbst bei Richtgeschwindigkeit mit 4200/min gehörig drehen muss. Bis Tempo 120 km/h ist es im Innenraum einigermaßen leise, danach wird es laut und lauter.

          Wir alle sind nur viel zu verwöhnt

          Bei einem Drehmoment von nur 136 Newtonmeter darf man auch keine Elastizitätswunder erwarten. Die 15,5 und 24,2 Sekunden, die der Peugeot für die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang braucht, sind unterdurchschnittlich. Doch bei aller Kritik: Natürlich kann man mit diesem Motor leben, wir alle sind nur viel zu verwöhnt. Wenigstens geht er einigermaßen sparsam mit dem Kraftstoff um. Der Schnitt von 7,7 Liter Super auf 100 Kilometer ist keine Ruhmestat, aber guter Durchschnitt. Mit großer Zurückhaltung lassen sich auch Werte von weniger als 6,5 Liter realisieren. Bringt man den Motor ständig an seine Grenzen, werden es mehr als acht Liter.

          Die Maschine treibt die Vorderräder an, und das ohne Traktionsprobleme. Kurven lassen sich mit der präzisen Lenkung genau und ohne Korrekturen abarbeiten, Kombinationen absolviert das Fahrwerk mit Bravour. In dieser Hinsicht kann der 308 durchaus überzeugen. Die Karosserieneigung hält sich in Grenzen, das harmlose Untersteuern kann mühelos kontrolliert werden, außerdem hat man ja noch ESP in der Hinterhand. Die Bremsen packen fest zu und ermüden nicht so schnell. Auch das Schalten geht flott von der Hand, die Gänge sind hinreichend definiert, die Kupplung tritt sich leicht. Eine Automatik gibt es für dieses Modell nicht. Basis bleibt eben Basis.

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