https://www.faz.net/-gya-qzp5

Fahrtbericht Opel Zafira 1.9 CDTI Cosmo : Sieben auf einen Streich auch in der zweiten Auflage

Kraftvoll: Der neue Opel Zafira Bild:

Opel macht mit der neue Generation des Zafiras vieles noch besser, auch wenn der Kunde für die Sonderausstattung tief in die Taschen greifen muß. Mit dem starken Diesel ist der Kompaktvan dennoch sparsam und doch üppig motorisiert.

          5 Min.

          Der Zafira ist das Opel-Erfolgsmodell der jüngsten Zeit. Der 1998 unter Mithilfe von Porsche entwickelte Kompaktvan konnte als erster in seinem Segment sieben Sitzplätze bieten, zudem ließ sich die dritte Reihe komplett im Boden versenken, so daß im Prinzip kein Stauraum verlorengeht und die Sitze trotzdem immer an Bord sind. Schnell wurde der Opel zum meistverkauften Minivan in Deutschland, erst das VW-Pendant, der Touran, konnte ihm diesen Platz 2004 streitig machen.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jetzt ist Rüsselsheim wieder am Zug und hat die zweite Generation des Zafira aufgelegt. Das Wichtigste: Am Grundkonzept hat sich nichts geändert, und weil der neue Kompaktvan, der wiederum auf dem (neuen) Astra basiert, in Maßen zulegte, paßt noch mehr hinein als bisher. Das Volumen des Laderaums beträgt 645 Liter (zuvor 600), als Zweisitzer sind es 1820 Liter (1700). Die mittlere Bank läßt sich verschieben, um den Gepäckraum zu erweitern, was aber in den meisten Fällen nicht nötig sein dürfte, er hat auch so schon eine Tiefe von 1,10 Meter. Bis zur Decke beladen, dürfte das Ladevolumen als Fünfsitzer rund 1000 Liter betragen, das Trennetz zum Gepäckraum kostet leider 140 Euro Aufpreis. Am Siebener-Konzept hat sich (fast) nichts geändert: Ganz nach vorn schieben muß man zunächst die mittlere Bank, wenn die Einzelsitze der dritten Reihe hervorgeholt werden sollen. Die Griffe an den Rückseiten der Sitze sind jetzt wesentlich hochwertiger, ohnehin muß man feststellen, daß die Qualität der Materialien im Innenraum deutlich besser ist.

          Falten und Klappen für mehr Raum

          Kinder können in der dritten Reihe gut sitzen, auf kurzen Strecken halten es auch Erwachsene aus. Wahrlich fürstlich logieren läßt es sich in der zweiten Reihe. Es wird reichlich Bein- und Kopffreiheit geboten, lediglich der Mittelplatz ist etwas unbequemer, weil Sitzfläche und Rücken nicht so gut gepolstert sind: Die Lehne läßt sich dreigeteilt nach vorn klappen, holt man nur die Mitte hervor, freuen sich die Kinder über zwei Becherhalter, ein kleines Staufach und eine Armstütze. Wenn wir schon beim Klappen sind: Um den Zafira zum Transporter umzubauen, muß man entweder die zweite Bank senkrecht zusammenfalten und nach vorn schieben, dann ergibt sich eine Ladefläche von 1,50 Meter Länge. Oder man legt nur die Rückenlehnen um, dann hat man zwar eine große Stufe im Laderaum, kann aber bis zu 1,85 Meter lange Gegenstände transportieren. Daß sich die Bank nicht herausnehmen läßt, bleibt ein Nachteil, ohne sie würde das maximale Ladevolumen mehr als 2000 Liter betragen.

          Übersichtlich: Cockpit im Kompaktvan
          Übersichtlich: Cockpit im Kompaktvan :

          Starker Auftritt mit viel Inhalt

          Verändert hat sich der Zafira vor allem im Auftritt und in der Armaturenbrettgestaltung. Er wirkt stämmiger, trägt mit Chrom allerorten etwas dick auf, der mächtige Bug wird nicht jedem gefallen. Der wird zum Teil von den neuen Bestimmungen zum Fußgängerschutz diktiert, hier stecken einige der 16 Zentimeter, die der Opel in der Länge zugelegt hat.

          Der Zafira-Fahrer findet einen sehr aufgeräumten Arbeitsplatz mit klar ablesbaren Instrumenten vor, ein Kühlwasserthermometer fehlt allerdings. Die Sitzposition ist prima, das Lenkrad liegt gut in der Hand, die Sitze sind sehr bequem und vielfältig verstellbar. Je nach Sonneneinfall stören starke Spiegelungen in der Frontscheibe. Der Hebel für die Gangschaltung sitzt jetzt griffgünstiger im Armaturenbrett, die Handbremse zwischen den Sitzen ist ein Bügel, so daß Platz für Krimskrams gewonnen wird. Ohnehin herrscht an Ablagen kein Mangel, erst recht nicht, wenn man die teuerste der vier Ausstattungslinien - Cosmo - fährt. Hier gehört ein Panoramadach (sonst 1200 Euro Aufpreis) zur Ausstattung, das ähnlich wie im Flugzeug mittig sechs Staufächer bieten kann, rechts und links davon ist das Dach verglast, gegen die Sonne helfen Jalousien. Um nicht Kopfhöhe zu verlieren, wird das Dach in der Mitte weiter nach oben gezogen, das ergibt, von außen betrachtet, einen etwas unschönen Wulst. Man kann darauf verzichten und 900 Euro sparen. Was es gar nicht gibt, ist ein einfaches Schiebedach. Das ist schade.

          Teure Extras

          Darüber hinaus ist die Aufpreispolitik, die Opel beim Zafira an den Tag legt, ein Ärgernis. Zwar sind für alle Ausstattungslinien Servolenkung, ABS, ein neues, aufwendigeres ESP, vier Airbags für Fahrer und Beifahrer sowie Kopfairbags für die Außenplätze in der ersten und zweiten Reihe, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Drehzahlmesser, elektrische Fensterheber vorn, Tempomat sowie Zentralverriegelung mit Fernbedienung serienmäßig; aber in jedem Fall sind elektrische Scheibenheber für die hinteren Türen aufpreispflichtig (365 Euro). Und die Basisversion hat keine Klimaanlage. Außerdem kosten viele Details, die beim Zafira I zumindest in der besten Variante (Elegance) serienmäßig waren, nun Extrageld: Nebelscheinwerfer (170 Euro), das Sicherheitsnetz, Mittelarmlehne vorn (50 Euro), Dachreling (150 Euro), nach vorn klappbarer Beifahrersitz (120 Euro). Auch ein vollwertiges Reserverad läßt sich Opel mit 50 Euro bezahlen, sonst ist ein Pannenset an Bord. Dazu kommt, daß sich manche Ausstattungen ausschließen oder noch etwas dazugekauft werden muß. Die Mittelarmlehne gibt es nur mit "Sitz-Komfort-Paket" (weitere 120 Euro). Wer die Beifahrerlehne klappen will, darf keine Ledersitze wollen, und auch bei Sportsitzen (345 Euro, Serie bei Cosmo) gibt es das nicht.

          Dafür kann der Zafira II bisher der Oberklasse vorbehaltene Komfortmerkmale bieten wie adaptives Fahrlicht mit Bi-Xenon-Scheinwerfern (1150 Euro) oder ein schlüsselloses Zugangssystem samt Starten per Knopfdruck (420 Euro). Letzteres ist die überflüssigste Erfindung seit dem elektrisch verstellbaren Innenspiegel. Um abzuschließen, muß man ohnehin den Knopf der Fernbedienung drücken, und im Wagen weiß man nie wohin mit dem "Schlüssel". Ein Bewegen des Wagens mittels Anlasser ist nicht mehr möglich.

          Verbesserter Fahrkomfort

          Autos wie der Zafira werden in allererster Linie wegen ihres Raumangebots gekauft. Motor und Fahrverhalten stehen eher im Hintergrund. Das hat man beim ersten Zafira noch gespürt, jetzt hat Opel aber auch in dieser Hinsicht nachgelegt. Das Fahr- und Federungsverhalten hat sich deutlich verbessert, der Wagen rollt geschmeidiger ab, Schlechtwegstrecken werden besser gemeistert, die Lenkung ist direkter und bietet einen intensiveren Kontakt zur Straße. Der Zafira fährt sich narrensicher, die Bremsen sind extrem belastbar. Auch die Fahrgeräusche sind besser gedämmt, selbst bei hohen Geschwindigkeiten ist es sehr leise im Auto.

          Diesel mit Filter

          Gleich sieben Motoren stehen zur Wahl, drei davon sind Diesel mit 1,9 Liter Hubraum (Partikelfilter Serie). In die Redaktion hatte man den stärksten davon geschickt, der 110 kW (150 PS) leistet. Bei einem üppigen Drehmoment von 320 Newtonmeter kann man Kraft in allen Lebenslagen erwarten, und die gibt es auch - nur im 6. Gang nicht. Der ist als Schongang ausgelegt und taugt kaum zum Beschleunigen, aber prima zum Gleiten. Bei Tacho 140 km/h liegen nur 2700 Umdrehungen in der Minute an, bei 100 km/h sind es knapp 2000/min. Wer es eilig hat, kann unter Idealbedingungen 205 Kilometer in der Stunde zurücklegen, der Tacho zeigt großspurig 220 km/h an. Obwohl wir auf fast 2800 Kilometern mit dem Zafira kaum schonend gefahren sind, blieb der Durchschnittsverbrauch von 7,6 Liter auf 100 Kilometer eher niedrig - schließlich ist der Opel mit 4,47 Meter Länge und einem Leergewicht von 1485 Kilo ein Brocken geworden.

          Dementsprechend hatte Opel unseren Wagen reichlich mit Extras bedacht, erschreckende 38 205 Euro betrug der Listenpreis des Testwagens. Das ist beinahe doppelt soviel wie der Basispreis (19 990 Euro) für das Modell mit 1,6-Liter-Ottomotor. Es soll jetzt aber nicht das alte Klagelied über die ach so teuren Autos gesungen werden. Der Zafira II ist ein gelungenes Auto, für zwei, für vier - und, wenn es sein muß, auch für sieben.

          Nächste Woche: Daihatsu Sirion; weitere Artikel unter www.faz.net/Fahrtberichte

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.