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Fahrtbericht Opel Mokka : Das Wunder endet an der Aufpreisliste

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Mit dem Mokka nimmt Opel junge und junggebliebene Kunden ins Visier. Vor allem jene, die gern gut sitzen und sich von einem Dröhnmotor nicht belästigt fühlen.

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          Große Wagen wie Opel Kapitän, Admiral und Diplomat waren einst des deutschen Bürgers Wunschträume. Später wurden die Autos der Vernunft wie Vectra, Astra und Omega wegen mäßiger Qualität für viele Kunden zum Albtraum. Dann musste die Marke ihr Trauma des Absturzes bewältigen.

          Jetzt nimmt sie mit Autos für die kleinen Träume wieder Fahrt auf. Dabei sollte niemand fürchten, mit seinem Interesse an einem Opel Mokka zum Traumtänzer zu werden: Der Kompaktwagen im allerdings modischen Kleid eines sozial verträglichen Klein-SUV kompromittiert selbst einen Fahrer in gesetzterem Alter keineswegs.

          Dass der Mokka ziemlich baugleich mit dem Chevrolet Trax ist, wirkt sich nicht störend aus. Dieser sieht am Bug deutlich langweiliger aus, und er hat vor allem nicht den Opel-Bonus im Kofferraum. Dem Trax fehlen Hintergrund, Historie und das Unerwartete in seiner Existenz: Dass Opel diese Menge Coolness und Cleverness auf die Räder bekommt, war nicht unbedingt zu erwarten. Bei näherer Beschäftigung mit dem Mokka wird allerdings klar, dass es Wunder zwar immer wieder gibt, aber nicht auf Rädern.

          Preise

          Diese Erkenntnis dämmert schon beim Blick auf die Preisliste, denn der Trax wird aktuell von Chevrolet befristet als 1.6 LS für rund 15.800 Euro offeriert. Für den Opel Mokka im Basistrimm 1.6 nennt die Preisliste offiziell 18.990 Euro, aber da ist womöglich beim Opel-Händler noch Luft drin.

          Neben dem älteren 1,6-Liter-Benziner gibt es den jüngeren 1,4-Liter mit Turbolader und den Diesel mit 1,7 Liter jeweils mit Front- oder permanentem Allradantrieb. Der Diesel ist etwa 1600 Euro teurer als der turbogeladene Mokka, und ob sich dieser Mehrpreis durch Kraftstoffersparnis auszahlt, liegt vor allem an der jährlichen Fahrleistung.

          In der mittleren Ausstattungsstufe Edition kam der Turbo-Testwagen mit Start/Stopp, Allradantrieb und Sechsgang-Schaltgetriebe auf 24.185 Euro, mit einigen Extras, die nicht alle nötig sind, stellte sich der kleine Mokka auf große 29.799 Euro. Dafür bekommt man einen ausgewachsenen Astra mit der gleichen Maschine und hat ein paar Tausender übrig: Die Mokka-Masche mit der SUV-Anmutung ist keine Opel-Geschenk-, sondern eine wohl branchenübliche Geschäftsidee.

          Design

          Auf einer Länge von 4,28 Metern baut sich eine immerhin 1,66 Meter hohe Karosserie auf. Keine gute Voraussetzung für attraktives Design, sollte man meinen. Aber mit ausgeprägter Keilform, riesigen Leuchteinheiten vorn und einem dynamischen Heck entsteht ein Körper, der sich vom üblichen Kompaktwagen-Eintopf entfernt. Dass sich durch die steigende Menge ähnlich gekleideter SUV ein neues Einerlei ergibt, wird wohl erst in einigen Jahren sichtbar.

          Innenraum

          Für den Fahrer hat die Mokka-Karosse Vor- und Nachteile: Er profitiert vor allem vom bequemen Einsteigen, von seiner erhöhten Sitzposition und von einem gut möblierten Arbeitsplatz. Dort gibt es allerdings eine kleine Rangelei: Handbremshebel und rechte Armauflage des Fahrersitzes behindern sich hier gegenseitig. Und auch das Gurtschloss wird noch eingeklemmt. Vielleicht hat kein Opel-Testfahrer jemals die Armauflage ausgeklappt.

          Lautes Lob verdienen die Sitze. Die Opel-Sitzgelegenheiten gehören mit zum Besten für Gesäß und Rücken, was man heute im Auto kaufen kann. Dazu gesellt sich aufgrund beinahe liebevoller Raumgestaltung und angenehmer Materialauswahl der Eindruck hochwertiger sowie solider Verarbeitung. Da haben die Opel-Kalkulatoren wohl dazugelernt.

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